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KZ-Verband/VdA Salzburg

Verband der AntifaschistInnen

79 Jahre – Pastasciutta Antifaschista

Am 79. Jahrestag des Sturzes des Faschismus werden auch in diesem Jahr in ganz Italien Initiativen zum Gedenken an die Pastasciutta stattfinden, die den Einwohnern von Campegine am 25. Juli 1943 von der Familie Cervi zur Feier des Ereignisses angeboten wurde.

Der historische Hintergrund dieser Tradition ist so einfach wie beeindruckend.

Als sich am 25. Juli 1943 die Nachricht vom Sturz des Faschismus durch die Absetzung und Verhaftung des Verbrechers Benito Mussolini verbreitete, hatte die Familie Cervi in der Reggio Emilia eine großartige Idee.

Sie beschloss, das Ereignis öffentlich zu feiern: Sie beschafften Mehl, nahmen Butter und Käse auf Kredit und bereiteten kiloweise Nudeln zu. Als das Essen fertig war, beluden sie eine Pferdekarre und brachte die Pasta auf den Platz in Campegine, um das Essen an die Dorfbewohner zu verteilen.

Das sei „die schönste Beerdigung des Faschismus“ gewesen, wie Alcide „Papa“ Cervi erklärte.

Als der FIR Kongress in Reggio Emilia 2019 stattfand, besuchten die Delegierten das Casa Cervi und lernten das beeindruckende Schicksal der Familie kennen:

Die Familie Cervi, die in Gattatico einen gepachteten Hof bewirtschaftete, hatte sieben Söhne, die sich alle in unterschiedlicher Form gegen den Faschismus engagierten.

Aldo Cervi verbüßte wegen Befehlsverweigerung im Militär drei Jahre Haft im Gefängnis. Sein Bruder Gerlindo Cervi wurde wegen illegaler Arbeit mehrfach verhaftet. 1943 verübten Ferdinando und Massimo Cervi ihre erste Sabotageaktion, sie unterbrachen eine für die Faschisten wichtige Stromversorgung.

Nach dem Sturz Mussolinis wurde der Hof der Cervis Anlaufstelle für die vielen Flüchtlinge. Italienische Soldaten ebenso wie politische Gefangene und italienische Kriegsgefangene, die nach dem Sturz Mussolinis aus den Gefängnissen fliehen konnten. Hier erhielten sie ein Versteck, bekamen Nahrung, Kleidung und Informationen um unterzutauchen.

Nach der Besatzung Italiens am 8. September 1943 durch die Deutschen organisierten die Cervis den bewaffneten Widerstand.

Anfang Oktober gingen die sieben Cervi-Brüder mit anderen in die Berge. Ende Oktober überfielen sie eine Polizeistation, um an Waffen zu gelangen. Danach zogen sie sich wieder in die Berge zurück. Unterstützung erhielten sie von dem Priester Don Pasquino Borghi, der den Partisanen Unterschlupf gewährte.

Der Versuch, einen hohen faschistischen Funktionär aus Reggio Emilia zu entführen und zu liquidieren, misslang, sorgt aber für Aufsehen und Sympathie in der Bevölkerung. Am 25. November 1943 erfolgte der Gegenschlag der Besatzer.

Das Haus der Cervis wurde vom faschistischen Militär umstellt, alle Männer verhaftet, die Frauen und Kinder auf die Straße getrieben und das Haus angezündet.

Alcide „Papa“ Cervi, die sieben Brüder und einer ihrer Genossen wurden in das Zuchthaus „Servi“ für politische Gefangene nach Reggio Emilia gebracht. Während Alcide wieder entlassen wurde, blieben die sieben Brüder in Haft.

Als im Dezember 1943 andere Partisanen zwei hohe faschistische Militärs töteten, wurde von den faschistischen Machthabern von Reggio Emilia ein Exempel statuiert.

Die sieben Brüder werden am 28. Dezember 1943 um 6.30 Uhr mit ihrem Genossen erschossen. Kurz nach ihnen wurde auch Don Pasquino Borghi hingerichtet.

Die Erinnerung an die „Fratelli Cervi“ ist bis heute in Italien präsent. Sie ist verbunden mit dem Wissen um die antifaschistische Tradition des Landes.

In dieser Tradition organisieren am letzten Wochenende im Juli lokale ANPI-Sektionen in über 100 italienischen Städten und Gemeinden auf öffentlichen Plätzen Nudelessen.

ANPI hat in diesem Jahr dazu aufgerufen, mit der Geschichte und der Erinnerung an die Cervis das Thema des Friedenskampfes zu verbinden.

An diesem Tag wird in ganz Italien der Aufruf an die Europäische Union

„Für einen Friedensvorschlag“

der von ANPI, Gewerkschaften, Friedensinitiativen und anderen gesellschaftlichen Kräften unterstützt wird, verbreitet.

Quelle: FIR Newsletter 2022-29