Die Bücherverbrennung
Bertold Brecht an Oskar Maria Graf:


Als das Regime befahl,
Bücher mit schädlichem Wissen
Öffentlich zu verbrennen,
und allenthalben Ochsen gezwungen,
Karren mit Büchern
Zu den Scheiterhaufen zu ziehen,
entdeckte ein verjagter Dichter,
einer der Besten,
die Liste der Verbrannten studierend,
entsetzt,
dass seine Bücher vergessen waren.
Er eilet zum Schreibtisch,
zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die Machthaber.
Verbrennt mich, schrieb er mit fliegender Feder,
Verbrennt mich!
Tut mir das nicht an!
Lasst mich nicht übrig!
Hab ich nicht immer die Wahrheit berichtet
In meinen Büchern?
Und jetzt, werd ich von euch wie ein Lügner behandelt!
Ich befehle euch:
Verbrennt mich!

Lieber Thomas,

ich schicke Dir eine kurze Zusammenstellung österr. Zeitungen, die nach der deutschen Bücherverbrennung erschienen sind – samt einem kurzen Text von mir zur Bücherverbrennung in Salzburg. Ich habe keinen Einfall wie wir da vorgehen könnten…

 

Wir haben in Salzburg noch immer Straßen mit „Künstlernamen“ die in der Nazizeit die damalige menschenverachtende Kulturideologie hoch hielten (Otto Pflanzl und Thorak etc.). Die sind nicht verschwunden. Dazu ein Mahnmal auf dem Residenzplatz, das unsichtbar und wirkungslos ist. In der Stadt kann Besucherin/Besucher die „schönen“ Gedichte von Georg Trakl lesen. Sein wichtigstes Gedicht, das in großen Lettern vor dem Eingang des Kommunalfriedhofs stehen sollte:

„Grodek

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunklen Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.“

fand keinen Platz in dieser KugelNockerlJedermannstadt.

In mir schreits laut auf:

Moch man no a Kompromisserl

Dazu grüßen die Bestsellerlisten der Medien samt „kompetenten“ KritikerinnenKritikern. Eine kleine

Kritische Literaturmesse wurde ohne Beachtung zu Grabe getragen.  Die totgeschwiegenen kleinen Verlage, kritische Autorinnen und Autoren lassen grüßen. Möge durchs Neutor weiterhin der Mief des freien Verkehrs für freie BürgerinnenBürger die Altstadt zerbröckeln lassen? Nicht einmal zu einem Jederfraumann haben sie es geschafft. Muss man da noch Bücher verbrennen?

Ach ja, der in Salzburg abgeschaffte Brecht sollte nicht unerwähnt bleiben:

Die Bücherverbrennung

Bertold Brecht an Oskar Maria Graf:

Als das Regime befahl,
Bücher mit schädlichem Wissen
Öffentlich zu verbrennen,
und allenthalben Ochsen gezwungen,
Karren mit Büchern
Zu den Scheiterhaufen zu ziehen,
entdeckte ein verjagter Dichter,
einer der Besten,
die Liste der Verbrannten studierend,
entsetzt,
dass seine Bücher vergessen waren.
Er eilet zum Schreibtisch,
zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die Machthaber.
Verbrennt mich, schrieb er mit fliegender Feder,
Verbrennt mich!
Tut mir das nicht an!
Lasst mich nicht übrig!
Hab ich nicht immer die Wahrheit berichtet
In meinen Büchern?
Und jetzt, werd ich von euch wie ein Lügner behandelt!
Ich befehle euch:
Verbrennt mich!

Das lieber Thomas ist mir eingefallen. Wie vorzugehen wäre, blieb bei der gestrigen Sitzung unbeantwortet und ich will nicht, ohne Einen Auftrag mit Friedmann Kontakt aufnehmen – dazu ist das Verhältnis zwischen ihm und mir leider nicht geeignet.

Ich hoffe trotzdem von Dir zu hören.

Nette rote Grüße

Dieter