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Ernst Stoiber

 

 

10.5.1922 - 10.6.1943
KJV-Leiter

Ernst Stoiber hatte schon früh persönliche Kontakte zur Widerstandsbewegung in Salzburg. So kannte er Franz Ofner aus der Schule. Mit Josef Brunnauer, der wie er selbst Tischler von Beruf war, verband ihn auch eine Freundschaft. So kam er dann in Kontakt mit Anton Reindl und Ing. Anton Schubert, von dem er gesschult wurde. Als Brunnauer im Frühjahr 1941 zur Wehrmacht eingezogen wurde, hielt Stoiber den Kontakt zur Halleiner Jugendgruppe und deren Leiter Michael Gruber aufrecht. Im Sommer 1941 war er sogar in Hallein berufstätig und pflegte so den Kontakt zur Halleiner Gruppe. Der KJV tauschste sich auch mit Angehörigen anderer widerständigen Jugendgruppen aus, wobei ihnen eine Schutzhütte am Schlenken als Treffpunkt diente.

 


Zu den Wiener GenossInnen hatte er in erster Linie Verbindungen zum KJV Wien durch  Eduard Steurer, der Studentin Elfriede Hartmann und dem Chemiker Walter Kämpf. Als Ernst Stoiber im Oktober selbst zur Wehrmacht eingezogen wurde, übernahm seine Freundin Rosa Hofmann die Leitung der Jugendgruppe.

 

Wie die meisten seiner GenossInnen wurde er schließlich festgenommen und inhaftiert. Am 24. April 1942 unternahm er einen Selbstmordversuch in der Haftanstalt in Salzburg, indem er sich vom 2. Stock hinunterstürzte) – er überlebte jedoch und kam mit schweren Verletzungen davon. Schließlich wurde er der Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt und am 10.6.1943  in München-Stadelheim hingerichtet.

Agnes Primocic
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Agnes Primocic30.1.1905 - 14.4.2007
Agnes Primocic ist im 103. Lebensjahr gestorben. Mit Agnes verliert die KPÖ eine herausragende Mitkämpferin und ein Vorbild für viele Menschen. 1999 wurde sie gegen den Widerstand der FPÖ Ehrenbürgerin der Stadt Hallein. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Im folgenden zwei Texte, in Erinnerung an eine großartige Frau:

1988 wurde von Eugenie Kain das folgende Gespräch mit Agnes Primocic anlässlich "70 Jahre KPÖ" geführt und in der 1989 erschienenen Broschüre "Frauen der KPÖ. Gespräche und Porträts" veröffentlicht.

“Mut war keine angstfreie Zone“ - Kerstin Dresing anläßlich der Präsentation des Filmes "Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht."

 
 
 

Eugenie Kain im Gespräch mit Agnes Primocic:

Am Telefon bitte ich Agnes Primocic, sie besuchen zu dürfen. "Am besten du fragst dich erst einmal durch bis zur Salzbergbahn. Dann ist es nimmer schwer. Du erkundigst dich einfach, wo die Agnes Primocic wohnt. Das wissen dort alle, dort kennt mich jedes Kind." Der Weg vom Bahnhof zur Salzbergbahn ist nicht zu verfehlen. Schilder weisen über die Salzach durch die Halleiner Altstadt. Wie aber weiter bei der Salzbergbahn? Um das Orientierungsverlangen zu stillen, frage ich bei einer Bushaltestelle zwei Frauen doch nach der Ehrenthalerstraße. Hilfloses Achselzucken. Die muss in dieser Richtung sein, nein, in der, oder doch eher dort? Die Straßen hier sind vor einigen Jahren umbenannt worden. Was soll denn dort sein, in der Ehrenthalerstraße? Ach so, zur Agnes Primocic wollen S'? Ja, das ist etwas anderes.

"Ich tu das gar nicht gern, dieses Niederschreiben von damaligen Geschehnissen, es hört sich so unwirklich an nach so langer Zeit und zeigt doch nichts von den tatsächlichen Gefühlen, von Sorgen und Ängsten", hat die heute Dreiundachtzigjährige einmal dem oberösterreichischen Historiker Peter Kammerstätter erklärt, der für seine Materialsammlung über die Widerstandsbewegung im Salzkammergut auch ihre Aufzeichnung brauchte. Denn ohne die Unterstützung von Frauen wie Agnes Primocic, ohne ihre entschlossene, kreative und mutige Hilfe hätte diese Widerstandsbewegung - ihr gelang es beispielsweise, die in der Alpenfestung im Ausseer Salzberg gehorteten Kunstschätze 1945 vor der Vernichtung durch die Nazis zu retten - niemals erfolgreich arbeiten können.

Diese Ängste, die kaum nachzuvollziehen sind, diese Sorgen, die einem niemand abnehmen kann. "Mein Mann und mein Sohn waren im Krieg, und ich hatte noch zwei kleine Kinder zu Hause." Schon während der Herrschaft des grünen Faschismus war sie viermal eingesperrt, weil sie für die Rote Hilfe gesammelt hatte, weil man bei einer Hausdurchsuchung Materialien über die Sowjetunion gefunden hatte, weil sie für ein illegales KJV-Treffen ihr Fahrrad und Proviant zur Verfügung gestellt hatte - für letzteres wurde sie zu einem Jahr Haft verurteilt. 

"Wie kannst da an dich denken, wenn dich jemand bitt', sein Leben zu retten!" 

Als der Mann eingezogen wurde, musste sie ihm versprechen, sich nicht mehr politisch zu betätigen, um sich nicht zu gefährden. Aber das konnte sie nicht: "Ich hab' das so gesehen: Wenn ich nix tu gegen diese Tyrannei, heißt das doch, das ich einverstanden bin mit ihr." Also sammelt sie weiter für die Rote Hilfe, und als aus dem Halleiner Steinbruch, einem Nebenlager des KZ Dachau, die Botschaft zu ihr dringt, Möglichkeiten für einen Ausbruch auszukundschaften und Zivilkleidung und Waffen zu organisieren, zögert sie nicht: "Wie kannst da an dich denken, wenn dich jemand bitt', sein Leben zu retten." 

Zu dieser Zeit hatte sie mit der Gestapo bereits Bekanntschaft gemacht. Auf den bloßen Verdacht hin, Gelder für die Rote Hilfe weiterzuleiten - nachweisen konnte ihr die Gestapo nichts, weil sie die Gelder mittels Quittungen für Schneidereiarbeiten getarnt hatte -, wurde sie in ihrer Wohnung verhaftet. Zurücklassen musste sie ihre Kinder, die vierjährige Tochter mit einer schweren Lungenentzündung im Bett, die andere, ein drei Viertel Jahr alt, konnte nicht einmal laufen. In den sieben grausamen Wochen im Kerker blieb sie ohne Nachricht von der Außenwelt, wusste nicht, das sich die Nachbarin ihrer Kinder angenommen hatte.

Agnes Primocic verhalf nicht nur dem Spanienkämpfer und späteren Mitbegründer der Widerstandsbewegung im Salzkammergut Sepp Plieseis zur Flucht, sie organisierte auch den Ausbruch von Genossen Leo Jansa und seinen Fluchtweg mit dem Fahrrad von Hallein nach Wien.

Viel wäre zu erzählen von ihrer Entschlossenheit und der Fantasie, mit der sie bei diesen Fluchtvorbereitungen vorging. Nicht einmal das Gefängnis - diesmal wurde sie wegen des Stauffenbergattentats auf Hitler "vorsorglich" eingesperrt - ließ sie diese Vorbereitungen unterbrechen. Während ihrer Haft kam das zerlegte Fluchtfahrrad für Genossen Jansa mit der Bahn an, "da musste ich meine Schwester einweihen", und sofort nach ihrer Entlassung nahm sie den Kontakt mit den Lagerinsassen wieder auf. Ihre Geistesgegenwart rettete sie aus vielen brenzligen Situationen.

Sozialdemokraten haben die Arbeiter verlassen

Aber es ist nicht nur die Unerschrockenheit, das Hintanstellen der eigenen Ängste, das für die Widerstandsarbeit notwendig war. Überlebensnotwendig war die Zusammenarbeit mit Menschen, auf die zu hundert Prozent Verlass war. So eine war Genossin Mali Ziegleder. Schon im Februar 1934 - damals arbeitete Agnes in der Halleiner Tabakfabrik - gingen sie gemeinsam in die Saline, in die Zellulosefabrik und in die Brauerei nach Kaltenhausen, um die Arbeiter von der Notwendigkeit eines Streiks zur Unterstützung des Schutzbundes zu überzeugen.

Allein, es blieben in Salzburg die Halleiner Tabakarbeiterinnen, die in ihrer Fabrik den Streik lückenlos durchführten. Zu diesem Zeitpunkt war Agnes Primocic schon Mitglied der KPÖ. Die Sozialdemokraten hatten sie vorher ausgeschlossen, weil sie in einer Versammlung begeistert über die junge Sowjetunion, die sie im Rahmen einer Eisenbahnerdelegation hautnah kennengelernt hatte, berichtete. "Aber damals wär' ich ohnehin schon von selber gegangen, weil ich gesehen hab', wie die sozialdemokratische Führung immer mehr auslässt und die Arbeiter im Stich lässt."

Mit 17 Jahren hat sie ihr erstes politisches Buch gelesen: August Bebel: "Die Frau und der Sozialismus". Mir hat das imponiert, was er geschrieben hat, vom Matriarchat, und wie das Zusammenleben der Geschlechter sein könnte. In der Fabrik hab' ich immer erzählt, was ich daheim gelesen hab'. Die Arbeiterinnen haben immer gebettelt, komm Agnes, derzähl uns wieder was. Sie haben mir beim Puppenmachen geholfen, das ist das Innere der Zigarre, das die noch weniger geübten Arbeiterinnen machen mussten, und ich hab' ihnen erzählt, was der Bebel schreibt. Die Frauen haben alle drei bis vier Kinder gehabt, verstanden haben sie aber nie, wie das zwischen Frau und Mann sein soll, und Zeit zum Lesen haben sie natürlich auch nicht gehabt."

Das Wissen um die Klassengegensätze haben ihr natürlich nicht nur die Bücher vermittelt. "Da bist hineingewachsen. Sozial gebildet haben wir uns, indem wir mitgetan haben bei den Kämpfen, in denen wir die Rechte gefordert haben, die den Arbeitern zustehen." Als Betriebsrätin der Halleiner Tabakarbeiterinnen hat sie die Methoden der Herrschenden zu spüren bekommen. Aber von Bestechungsversuchen ließ sie sich ebenso wenig beirren wie von massiven Drohungen oder gezielten Verleumdungen.

Nach der Befreiung wurde Agnes Primocic in Hallein Stadträtin für Fürsorge. Sie richtete drei Kindergärten ein, und um der Gerechtigkeit willen ging sie mitunter nicht zimperlich vor. Sie ordnete Hausdurchsuchungen bei Geschäftsleuten an, die es sich schon wieder gerichtet hatten, und ließ deren gehortete Lebensmittel für ihre Kindergärten beschlagnahmen. Als die Amerikaner die Wohnungen der Arbeitersiedlung bei der Salzbergbahn konfiszierten, um sie zwei Jahre später in völlig demoliertem Zustand zu verlassen, ist es Agnes Primocic, die den Kampf um die Rechte der ehemaligen Mieter aufnimmt. Sie strengt einen Prozess an und erkämpft 50 000 Schilling für die Renovierung der Wohnungen.

Aufrechte Menschen

Es gibt viele Gründe, warum man die Straßennamen nicht zu wissen braucht, um zu Agnes Primocic zu finden. Viele haben ihr die Hilfe während und nach der Nazizeit nicht vergessen, viele kennen sie als entschlossene Funktionärin des Mieterschutzverbandes, als engagierte Frauenaktivistin und Friedenskämpferin. Als aufrechten Menschen ganz einfach, der sich nicht dreht wie eine Fahne im Wind.

 


Kerstin Dresing anläßlich der Präsentation des Filmes:

Eine Lebensgeschichte, die 1905 in einem Halleiner Arbeiterhaushalt beginnt, wo Agnes als eines von sechs Kindern aufwächst. Bei Ausbruch des 1.Weltkrieges sieht das Kind zunächst den spontanen Jubel der einrückenden Soldaten und bald die ersten Züge, die mit Verwundeten zurückkehren. Die Lebensmittel werden knapp, der Kampf ums Überleben hat längst begonnen. Im 3. Kriegsjahr erlebt das junge Mädchen zum ersten Mal die Kraft organisierter Aktionen, als sich die Halleiner Tabakarbeiterinnen gemeinsam wehren, um die ihnen zustehenden Lebensmittelrationen zu erhalten. Eine Begebenheit, die einen starken und bleibenden Eindruck hinterlässt. "Ich war seit meiner Jugend im Sinne der Solidarität erzogen worden," sagt sie später. Agnes Primocic arbeitet als Halleiner "Tschikweib" – zum Broterwerb. Unabhängig von der katastrophalen wirtschaftlichen Situation, führt sie daneben als Betriebsrätin und Gewerkschafterin den Kampf um Menschlichkeit und Gerechtigkeit. 1934 tritt sie der Kommunistischen Partei bei, deren Mitglied sie bis heute ist.

Auf Grund ihrer politischen Aktivitäten wird sie entlassen, was die wirtschaftliche Situation erschwert, aber nichts an der politischen Tätigkeit ändert. Sie unterstützt Widerstandsgruppen, sammelt Geld für die Familien politisch Verfolgter und wird mehrfach verhaftet. Mehrwöchige Haftstrafen ohne Anklage folgen, wobei das ungewisse Schicksal der zurückbleibenden Kleinkinder die Gestapo unbeeindruckt lässt. In einer letzten Aktion, unmittelbar vor Kriegsende, befreit Agnes Primocic gemeinsam mit ihrer Freundin Mali Ziegenleder in einer waghalsigen Aktion 17 Gefangene aus einem Außenlager des KZ Dachau am Fuße eines Halleiner Steinbruchs.In den Zeiten des Faschismus war die Kommunistin Antifaschistin. Mut war keine angstfreie Zone. Mutig sein bedeutete: Angst haben und trotzdem weiter machen. Damals. Warum wurde jetzt noch ein Filmportrait über Agnes Primocic gedreht? Oder gerade jetzt? "Ich bin doch nur eine einfache Frau" schätzt sie sich selbst ein. Und als solche hat sie den Dialog gesucht, hatte erkannt, dass Faschismus nicht mit Ausbruch eines Weltkrieges begann, sondern lange vorher. Als Dialogfähigkeit nicht mehr gefragt war, als gar nicht mehr gefragt wurde, sondern angeschafft und ausgeführt. Agnes Primocic hat die Fragen gestellt, nach Recht und Unrecht. Hat sie für sich beantwortet und entsprechend gehandelt, ohne Rücksicht auf eigene Sicherheiten. Nach dem Krieg war sie aktiv und politisch am Wiederaufbau beteiligt, redete mit französischen und amerikanischen Besatzern, war verantwortlich für die Errichtung von Kindergärten und deren Versorgung. Auf Grund ihrer Überzeugung ist sie in der Regel den schwierigsten Weg gegangen. Erst viel später gab es auch Ehrungen, wurde ihr u.a. das Silberne Verdienstzeichen der Republik verliehen. "Ich kann nicht stillhalten, wenn ich sehe, dass Unrecht geschieht." Sie war nicht still und besuchte Schulen, um Fragen zu beantworten, die heute noch verdrängt werden. Sie wollte Bewusstsein wecken, entwickeln, wach halten. Sie wollte auch mit diesem Film die Aufforderung zu Dialog und Auseinandersetzung an die Jugend weitergeben.

Agnes Primocic ist im Januar 97 Jahre alt geworden, aber leise klingt es nicht, wenn sie sagt: "So bin ich der Meinung, dass es gerade die Jetztzeit ist, die einen Rückblick auf die nichtdemokratischen Zeiten von 1934 bis 45 braucht!"

Rosa Hofmann

 

 

27.5.1919 – 9.3.1943
KJV-Leiterin

Rosa Hofmann ("Ratzi") wurde in Linz geboren, wuchs in Salzburg-Maxglan, in einer sozialdemokratischen Familie auf und war von Beruf Näherin. Ab 1936/37 war sie in einer sozialistischen Jugendgruppe in Itzling aktiv, die als Abstinenzverein getarnt, damals wirken konnte. Hofmann organisierte mehrere Treffen mit politischen Vorträgen, an denen vor allem Anna Reindl, Maria Langwieser und Emilie Schrempf teilnahmen. Später formulierte das NS-Gericht daraus eine Frauengruppe.

Bald kam Hofmann in Kontakt zum KJV und entwickelte eine rege Aktivität. 1941 übernahm sie, nachdem der bisherige Leiter Ernst Stoiber, ihr Freund, einrücken musste, die Leitung des KJV Salzburg. Sie verfügte über zahlreiche Kontakte zu KJV- und KPÖ – Funktionären in Wien und in Linz und so war sie über Walter Kämpf auch in die Arbeit der Gruppe „Soldatenrat“ eingebunden. Hofmann und ihre GenossInnen haben die Wiener Flugblätter vervielfältigt und in Umlauf gebracht: Sei hinterlegten die Schriften an Orten, die oft von Soldaten frequentiert wurden, wie am Salzburger Hauptbahnhof, in Zugabteilen, in der Nähe von Kasernen, (insbesondere in Salzburg–Riedenburg, wo die Gebirgsjäger stationiert waren), in Lazaretten und bei Bänken am Mönchsberg. Am 16.4.1942 wurde Hofmann schließlich verhaftet, blieb in Salzburg eingesperrt und wurde am 29.6.1942 der „Wehrkraftzersetzung in Verbindung mit landesverräterischer Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt. In Berlin fand am 15.12.1942 der Prozess statt. „Sie hat sich als eine so gewissenlose und zu verachtende Feindin ihres Volkes gekennzeichnet, dass in dessen Reihen für sie kein Platz mehr ist. Sie muss, damit das deutsche Volk lebt und seine Sicherheit gewährleistet ist, fallen“, begründeten die Nazijuristen den Mord an der Widerstandskämpferin.

In ihrem letzten Brief schreibt sie: „Ich hoffe halt, dass das Gnadengesuch Erfolg hat. Wenn nicht, kann man auch nichts mehr ändern, abgefunden habe ich mich schon derzeit. Ihr glaubt nicht, wie viele dasselbe hier mitmachen wie ich. Sehnsucht habe ich nach Euch und den Bergen...“.

Rosa Hofmann wurde am 9.3.1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. In Salzburg erinnert an sie eine Gedenktafel in der Moserstraße 10 (ehemaliges Wohnhaus in Maxglan), ein Denkmal im Stölzlpark in Maxglan (am Kindergarten-Gelände) und dieRosa-Hofmann-Straße in Siezenheim.

Therese Roider
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Die am 11. März 1897 geborene Therese Roider war Pächterin eines Gasthauses und stellte es für Treffen der illegalen KPÖ und der Revolutionären Sozialisten zur Verfügung. So verkehrten bei ihr unter anderen Anton Schubert, Heinrich Auer und der RSÖ- Funktionär Engelbert Weiß.
  
Hintergrund war vor allem die Anbindung des Salzkammerguts an die KPÖ Salzburg, Roider war Anlaufstelle in Salzburg für die GenossInnen aus dem Salzkammergut. Bei einer Besprechung in Bad Ischl vereinbarten nämlich Anton Schubert und Johann Leimer, politischer Leiter in Goisern, Therese Roiders Gasthaus als Treffpunkt zu nutzen. Für die Korrespondenz zwischen beiden Gebieten war dies wesentlich, denn sie nahm Nachrichten und Briefe aus dem Salzkammergut entgegen und gab diese umgehend an Anton Schubert weiter. Als Code verwendeten sie stets „kann ich den Freund Karl sprechen“, als Adresse lediglich den Decknamen „Max“. Roider organisierte auch mehrere Treffen für Schubert mit GenossInnen.
  
Therese Roider wurde wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei einhalb Jahren Gefängnis verurteilt. So war sie vom 30. März 1942 bis 2. Mai 1945 inhaftiert. Ihr Gatte Franz Roider, der für die KPÖ und RSÖ tätig war, ist am 19.1.1942 festgenommen worden und hat am 25.2.1942 in der Haftanstalt Salzburg Selbstmord begangen.

Anton Schubert

 

19.9.1910 - 22.7.1943
KP-Funktionär

Anton Schubert ("Max") wurde am 19. September 1910 in Groß-Kunzendorf (öst. Schlesien) geboren. Von Beruf war er Elektro-Ingenieur und Gewerbefachlehrer. Neben Franz Ofner und Antoin Reindl war er ein Hauptfunktionär der KPÖ, als Hauptkassier kassierte er zudem die Mitgliedsbeiträge.Schubert, der intern unter dem Decknamen „Max“ bekannt war, leitete die von ihm im Herbst 1939 gegründete KPÖ-Ortsgruppe Gnigl. Diese war neben Maxglan die wichtigste Gruppe für die Salzburger Widerstandsorganisation. Er übernahm im Februar 1941 die organisatorische Führung in der Landesleitung, nachdem Franz Ofner eingezogen worden war.
So warben sie neue KPÖ-Mitglieder, indem sie Reichsbahnbedienstete organisierten und Eisenbahner veranlassten, wiederum selbst Mitstreiter zu gewinnen und weitere Zellen aufzubauen. Durch den großen Zuwachs wurde ein neues Untergebiet Reichsbahn etabliert mit den zwei große Gruppen Werkdienst und Fahrdienst.

Während Franz Aschenberger die Aufgabe des Leiters und Kassiers der Gruppe „Fahrdienst“ und später auch des Untergebiets erfüllte, übernahm Haidinger Ende 1940 die politische Leitung und leitete so neben seiner Gruppe „Reichsbahnwerkstätten“ (mit etwa 20 Mitgliedern und drei Zellenleitern) das Untergebiet „Reichsbahn allgemein“. In dieser Funktion  war er auch in Kontakt mit der Landesleitung, mit der er Besetzungen von Funktionen und die weitere Arbeitsweise koordinierte. Vor allem beriet er sich mit Anton Schubert, der  ihm Weisungen erteilte, und von dem er regelmäßig KPÖ-Materialen erhielt. Diese Schriften gab Haidinger wiederum zur Verbreitung an die Zellen weiter. Haidinger nahm auch die seit Ende 1941 unterbrochene Verbindung zur KPÖ Hallein wieder auf.

Er hielt ebenfalls den Kontakt zwischen der Landesleitung Salzburg und Wien aufrecht und  organisierte zu diesem Zweck mehrere Besprechungen mit Wiener Funktionären in seiner Wohnung.  Die geheime Anlaufstelle in Wien war dabei seine Schwester Therese Schestag, die Nachrichten zwischen Wien und Salzburg übermittelte.

Schließlich stellten die organisierten Eisenbahner mit 40-50 (gerichtlich belangten) Mitgliedern die größte kommunistische Widerstandsgruppe in Salzburg dar.

Das Ausmaß von Aschenbergers und Haidingers Widerstandstätigkeit als Reichsbeamte auf Lebenszeit ist für die NS-Justiz besonders schwerwiegend, wie aus dem Fazit des sog. Volksgerichtshofs-Urteil hervorgeht:

„Sie hatten mit ihrer Werbung Erfolge, die sich einmal sehr gefährlich auswirken konnten, da sie zuletzt 40 bis 50 Mitglieder allein in der lebenswichtigsten Verkehrszentrale der Reichsbahn geworben hatten. Sie waren Reichsbeamte, die den Treueid auf den Führer geleistet hatten und trotzdem der kämpfenden Front in den Rücken gefallen sind.“

Josef Haidinger und Franz Aschenberger  sind deshalb wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt und am 11. Mai 1943 in München-Stadelheim hingerichtet worden.

An Franz Schubert erinnern in Salzburg "Stolpersteine" vor seinem letzten Wohnort.

Anna und Anton Reindl

 

Anna Reindl
14.5.1903 - 23.8.1942

Anna Reindl stellte ihre Wohnung ab dem Frühjahr 1941 für Treffen mit Rosa Hofmann, Marie Langwieser u.a. zur Verfügung, bei denen es im Wesentlichen um politische Bildung ging. Das NS-Gericht konstruierte daraus später eine Frauenzelle. Bei diesen Gelegenheiten hielt sie politische Vorträge. Aus Sicherheitsgründen verlagerten sie später ihren Treffpunkt zur Genossin Emilie Schrempf. Sie war außerdem Kontaktfrau und Anlaufstelle, so gab sie wichtige Informationen an GenossInnen weiter. Anna Reindl ist im KZ Ausschwitz am 23. August 1942 an Ruhr und Typhus gestorben.

Anton Reindl
18.12.1903 - 8. 7. 1943
KP-Landesleiter

Der Telegrafenarbeiter Anton Reindl war für die illegale KPÖ ein zentraler Funktionär und fungierte als Hauptkassier und Organisationsleiter, indem er das „Untergebiet“ Salzburg Stadt leitete. Schließlich übernahm er im Februar 1941 die politische Führung in der Landesleitung von Ofner, nachdem dieser zur Wehrmacht eingezogen worden war. Reindl blieb mit Ofner in Briefwechsel, der versuchte, den Genossen auf diesem Wege Mut zu machen.


Durch seine rege Werbungstätigkeit hat der neue Landesleiter das bereits weitreichende Organisationsnetzwerk des kommunistischen Widerstands noch weiter ausgebaut. So ließ er Eisenbahner-Organisation aufbauen, was hauptsächlich von den Genossen Haidinger und Aschenberger umgesetzt worden ist.  Reindl  warb zu diesem Zweck gezielt Arbeiter, die ihrerseits wieder Zellen bildeten mit fünf bis zehn Mitgliedern. Schließlich umfasste die Unterorganisation etwa 40-50 organisierte Reichsbahn-Arbeiter, in einer für die Nationalsozialisten strategisch höchst bedeutsamen Industrie.

Natürlich stand Reindl auch in Verbindung mit dem ZK in Wien. Die Wiener Funktionäre, insbesondere Walter Kämpf,  legten Sabotageakte in Form von Brand- und Sprengstoff-anschlägen nahe,  was er,  wie Ofner, jedoch generell ablehnte. Reindl entwickelte auch Manuskripte für kommunistische Schriften, die vervielfältigt und verbreitet wurden, darunter Aufrufe an Soldaten, zu desertieren.

Anton Reindl wurde am 6.April 1943 in Berlin wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt und am 8. Juli 1943 in München-Stadelheim hingerichtet.

Franz Ofner

 

 

28.7.1921 – 15.7.1943
KP-Landesleiter

Franz Ofner wuchs in einer sozialdemokratischen Familie in Salzburg auf. Sein Vater war Mitglied des Landesparteivorstandes der SPÖ in Salzburg, Obmann des Arbeiter-Turn- und Sportvereins und Führer des Republikanischen Schutzbundes. Ofner war Friseur, trat 1935 dem KJVÖ bei und bereits ein Jahr darauf wurde er in die Leitung des Kreises Salzburg berufen. Er versuchte ab 1938, die KPÖ als Kaderorganisation wieder neu aufzubauen. So gelang ihm, bis ins Frühjahr 1940 durch die intensive Werbung von neuen Mitgliedern, in der Stadt Salzburg sechs Zellen zu bilden und ein weitverzweigtes Organisationsnetz aufzubauen, das nach Mattighofen, Bürmoos, Oberndorf und Hallein reichte. 

Ofner gründete Kreis- und Ortsleitungen in Salzburg und in Hallein, während er selbst die Leitung des Kreises Salzburg inne hatte.  In dieser Funktion stand er mit den KJV-Gruppen in Verbindung und gab Richtlinien aus. Er entwickelte auch Materialen für politische Schulungen, so verfasste er den „Politischen Schulungsbrief der KPÖ“ zu theoretischen Fragen und die außenpolitische Schriften „Informationsblätter“. Seine Schriften wurden vervielfältigt und den Ortsgruppen der KPÖ und teilweise den KJV-Gruppen übermittelt, wobei diese jedoch nie direkt ausgehändigt, sondern stets mündlich von den Leitern weitergegeben wurden. So ist auch keines der Papiere jemals sichergestellt worden. Landeleiter Ofner bemühte sich auch um die Verbindung zur Wiener Parteileitung und koordinierte seine weitere Arbeit mit Wien. Von den Wiener GenossInnen erhielt er Schulungsmaterial und verbreitete dieses, insbesondere die „Rote Fahne“ und „Weg und Ziel“. Er erhielt auch den Auftrag, eine Landessektion mit versteckter Landesleitung in der Stadt Salzburg zu bilden und Parteiämter und Funktionärsstellen zu besetzen. Die Ortsgruppen, die aus Zellen bestanden, dehnten die Organisation schließlich auf ganz Salzburg aus (bis zum Salzkammergut in Goisern, Gruppe in Braunau).

Im Februar 1941 musste Franz Ofner zur Wehrmacht als Sanitätssoldat einrücken, versuchte aber weiterhin, seine Verbindungen aufrechtzuerhalten. Anton Reindl wurde sein Nachfolger.

Am 16.1.1942 wurde er bei seinem Wehrmacht-Truppenteil verhaftet, seine Anklage lautete auf Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung. Im Verhör hat er übrigens durch seine Standhaftigkeit seinem Genossen Georg Hofweirer das Leben gerettet, der von 1942 bis 1945 inhaftiert war. Schließlich wurde Franz Ofner am 27.10.1942 zum Tode verurteilt und in München-Stadelheim am 15.7.1943 hingerichtet.

In Salzburg erinnert an ihn die Franz-Ofner-Straße in Itzling.

Eisenbahner-Widerstand in Salzburg

 

Josef Haidinger
15.2.1898 - 11.5.1943
KP-Funktionär

Franz Aschenberger
11.7.1898 - 11.5.1943
KP-Funktionär

 
Josef Haidinger und Franz Aschenberger waren beide schon mehr als zehn Jahre Mitglieder der SPÖ und der Eisenbahnergewerkschaft und also bereits politisiert. Die kommunistischen Ideen und Ziele waren ihnen auf diese Weise vertraut und so haben sie sich für die KPÖ vom Sommer 1940 bis Jänner 1942 intensiv illegal betätigt. Beide übten führende Funktionen in der Reichsbahn aus. Haidinger, aus Salzburg-Gnigl, arbeitete in der Reichsbahn-Werkstatt als Schlosser und Oberwerkmann. Er war außerdem Obmann des Gnigler Sportvereins.


Franz Ofner warb Haidinger, dieser wurde daraufhin im Sommer 1940 KPÖ-Mitglied. Er wurde gemeinsam mit seinem Kollegen Franz Aschenberger von ihm mit der Gründung einer Ortsgruppe von Eisenbahnern beauftragt. Der in Lohnsburg (im Bezirk Ried) geborene Reichsbahn-Schaffner Franz Aschenberger wurde von Anton Reindl geworben, den er schon seit einigen Jahren kannte.

So warben sie neue KPÖ-Mitglieder, indem sie Reichsbahnbedienstete organisierten und Eisenbahner veranlassten, wiederum selbst Mitstreiter zu gewinnen und weitere Zellen aufzubauen. Durch den großen Zuwachs wurde ein neues Untergebiet Reichsbahn etabliert mit den zwei große Gruppen Werkdienst und Fahrdienst.

Während Franz Aschenberger die Aufgabe des Leiters und Kassiers der Gruppe „Fahrdienst“ und später auch des Untergebiets erfüllte, übernahm Haidinger Ende 1940 die politische Leitung und leitete so neben seiner Gruppe „Reichsbahnwerkstätten“ (mit etwa 20 Mitgliedern und drei Zellenleitern) das Untergebiet „Reichsbahn allgemein“. In dieser Funktion  war er auch in Kontakt mit der Landesleitung, mit der er Besetzungen von Funktionen und die weitere Arbeitsweise koordinierte. Vor allem beriet er sich mit Anton Schubert, der  ihm Weisungen erteilte, und von dem er regelmäßig KPÖ-Materialen erhielt. Diese Schriften gab Haidinger wiederum zur Verbreitung an die Zellen weiter. Haidinger nahm auch die seit Ende 1941 unterbrochene Verbindung zur KPÖ Hallein wieder auf.

Er hielt ebenfalls den Kontakt zwischen der Landesleitung Salzburg und Wien aufrecht und  organisierte zu diesem Zweck mehrere Besprechungen mit Wiener Funktionären in seiner Wohnung.  Die geheime Anlaufstelle in Wien war dabei seine Schwester Therese Schestag, die Nachrichten zwischen Wien und Salzburg übermittelte.

Schließlich stellten die organisierten Eisenbahner mit 40-50 (gerichtlich belangten) Mitgliedern die größte kommunistische Widerstandsgruppe in Salzburg dar.Das Ausmaß von Aschenbergers und Haidingers Widerstandstätigkeit als Reichsbeamte auf Lebenszeit ist für die NS-Justiz besonders schwerwiegend, wie aus dem Fazit des sog. Volksgerichtshofs-Urteil hervorgeht:

 „Sie hatten mit ihrer Werbung Erfolge, die sich einmal sehr gefährlich auswirken konnten, da sie zuletzt 40 bis 50 Mitglieder allein in der lebenswichtigsten Verkehrszentrale der Reichsbahn geworben hatten. Sie waren Reichsbeamte, die den Treueid auf den Führer geleistet hatten und trotzdem der kämpfenden Front in den Rücken gefallen sind.“

 Josef Haidinger und Franz Aschenberger sind wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt und am 11. Mai 1943 in München-Stadelheim hingerichtet worden.

Der Widerstandskampf der KPÖ 1933–1945

 

In der Geschichte der Arbeiterbewegung gab es immer wieder Perioden, in denen sie den Kampf um ihre Rechte und Freiheiten im geheimen, von den Herrschenden verboten, ja vielfach sogar unter extremen Verfolgungen führen musste. Dies gilt im besonderen für die Kommunisten. Es gibt keinen Zeitabschnitt seit ihrer Existenz, in dem nicht irgendwo auf der Erde mit allen Mitteln, von denen des bürgerlich-demokratischen Staates mit seinen subtilen Ausgrenzungsstrategien, bis hin zur äußersten Gewaltanwendung, dem Mord, in der faschistischen Diktatur, gegen sie vorgegangen wurde. Für die Kommunisten stand nie die Frage, ob ein Verbot ihrer Organisation gleichzeitig auch das Ende ihrer Tätigkeit sei. Die Geschichte der kommunistischen Bewegung zeigt, dass sie, obschon existentiell bedroht, immer versucht hat, auch mit den kleinsten Mitteln für ihre demokratisch-humanistischen Ziele tätig zu werden und sich nie in eine passive Rolle zurückgezogen hat.

Als die „Arbeiter-Zeitung“ zu Beginn des Jahres 1936 an die Sozialisten die Aufforderung adressierte, bis die Geschichte selbst das Zeichen zum Handeln gibt, antworteten die Kommunisten in der illegal erscheinenden „Roten Fahne“: „Nein, mit solch einer Taktik können wir uns nicht einverstanden erklären. Wir wollen nicht ... Beobachter und Registratoren der heranziehenden Wogen am Ufer bleiben und auf gut Wetter warten, sondern durch aktives Eingreifen den Gang der Ereignisse bestimmen. Die scheinbar revolutionäre Auffassung vom baldigen Zusammenbruch des Faschismus, von der Konservierung der Gesinnung, bis die Geschichte selbst ruft, ist praktisch nur eine Erscheinungsform des Reformismus.“

Der Widerstandskampf ist ein nationaler Freiheitskampf

In Fortsetzung ihrer Strategie des Kampfes für ein freies, unabhängiges Österreich, die 1936 am Juli-Plenum des erweiterten Politbüros der KPÖ als „Kampf um die demokratische Republik“ ausformuliert wurde, betonte die Partei die Tatsache der nationalen Unterdrückung Österreichs infolge der Annexion. In der ZK-Resolution „Der Kampf um die Befreiung Österreichs von der Fremdherrschaft“ (sie wurde von der ZK-Tagung Anfang August 1938 verfasst) wird auf die Hintergründe des Überfalls eingegangen. Nicht eine „nationale Befreiung“, wie es die demagogische Propaganda der Nazis behauptete, war der „Anschluss“, sondern eine Eroberung, wobei Österreich nur ein weiterer Schritt „der imperialistischen Raubpläne des deutschen Finanzkapitals“ bedeutete. „Der Kampf des österreichischen Volkes gegen den Hitlerfaschismus trägt daher den Charakter eines nationalen Freiheitskampfes gegen die imperialistische Fremdherrschaft und für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit.“ Diese Aussagen waren nur möglich, weil sich die Partei nach dem 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (1935) mit der Frage der österreichischen Nation beschäftigte und das ZK-Mitglied Dr. Alfred Klahr die erste historisch-materialistische Abhandlung dazu im theoretischen Organ der KPÖ „Weg und Ziel“ im März/April 1937 vorlegte. Als die Hauptaufgaben, die vor dem österreichischen Volk, der österreichischen Arbeiterklasse und der KPÖ stehen würden, nannte die Partei den Kampf gegen die Fremdherrschaft, die wirtschaftliche Ausplünderung, die Kriegspolitik, die Kulturbarbarei und den Antisemitismus. Die fünf Forderungen lauteten:

  1. Kampf gegen die Fremdherrschaft und für die Selbstbestimmung und Selbstverwaltung des österreichischen Volkes.

  2. Kampf für die demokratischen Rechte des Volkes durch die Wahl von Betriebsvertrauensleuten, von Bauernvertretern, Forderung nach Kontrolle durch das österreichische Volk und nach Selbstbestimmung.

  3.  Kampf gegen die wirtschaftliche Ausplünderung des Landes, gegen die Verschlechterung der Lebenslage, die Zwangswirtschaft und den wirtschaftlichen Raub an Österreich.

  4. Kampf gegen die Kriegspolitik des deutschen Faschismus. Aufklärung der Volksmassen über seine Kriegspläne und Kriegsziele. Keine Konzessionen in der nationalen Frage, Aufklärung, dass der Hitlerfaschismus das österreichische und deutsche Volk nicht einer schöneren Zukunft, sondern einer Kriegskatastrophe entgegenführt.

  5. Kampf gegen die Kulturbarbarei und den Antisemitismus, gegen die Lügenpropaganda in Rundfunk und Presse, gegen die nationalsozialistische Verhetzung, Verrohung und Verdummung. Die breiten Volksmassen sind davon zu überzeugen, dass der Schutz der jüdischen Mitbürger ein unbedingt notwendiger Bestandteil des antifaschistischen Kampfes ist.

Der nazistische Terrorapparat

Bis Ende Dezember 1938 wurden – nach einer Statistik der Gestapo von Anfang 1944 – nahezu 750 Kommunisten „beamtshandelt“. 1939 stieg diese Zahl auf mehr als 1100, sank 1940 auf mehr als 800, um 1941 mehr als 1500 zu erreichen. Diese aus dem Rhythmus des Organisationsaufbaues und der darauf folgenden Aufdeckung resultierende, signifikante Wellenbewegung setzte sich 1942 fort, als die Zahl auf das Niveau von 1940 absank, um 1943 nahezu 1200 zu erreichen. Allein in Wien wurden im Landesgericht I über 1.100 Menschen in dieser Zeit hingerichtet. Die Brutalität dieser Rechtsprechung wird auch daran ersichtlich, dass es im Zeitraum zwischen 1876 bis 1918 dort lediglich 12 Hinrichtungen gegeben hat; und die Nazijuristen – unter ihnen auch Österreicher, die die Robe der Mörder trugen – auch nicht davor zurückschreckten, Jugendliche unter 20 Jahren ermorden zu lassen, wie auch das Beispiel der Jungkommunistin Anny Gräf zeigt, die wenige Tage vor ihrem 19. Geburtstag geköpft wurde. Sie gehörte zu der Gruppe „Soldatenrat“, von der fünf Mitglieder in einem anderen Prozess, vom Nazistaatsanwalt und späteren bundesdeutschen Ankläger Lenhardt angeklagt, in nur vier Stunden zum Tode verurteilt wurden. Kommunistische Widerstandskämpfer wurden aber nicht nur in Österreich hingerichtet, sondern auch, klammert man die Wehrmachtsjustiz aus, in München (Stadelheim) und in Berlin (Plötzensee). Bislang wurden mehr als 2200 österreichische Kommunistinnen und Kommunisten als Opfer des Kampfes gegen den Faschismus, darunter die zwölf Mitglieder des Zentralkomitees: Willi Frank, Leo Gabler, Oskar Grossmann, Alfred Klahr, Hermann Köhler, Erwin Puschmann, Anton Reisinger, Franz Schuster, Franz Sebek, Ferdinand Strasser, Sepp (Josef) Teufl und Hedy (Hedwig) Urach erfasst. Ob als Opfer der Februarkämpfe, als Freiwillige in den Reihen der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, in den deutschen Konzentrationslagern, als Angehörige von Widerstands- und Partisanengruppen im französischen und belgischen Exil, als Partisanen oder Soldaten der Roten Armee, des Österreichischen Freiheitsbataillons in Jugoslawien oder sonst Opfer des menschenverachtenden Faschismus starben sie im Kampf für ein freies, unabhängiges und letztlich sozialistisches Österreich.

 

Auszug aus der von Willi Weinert verfassten Einleitung zu Ich möchte, daß sie Euch alle immer nahe bleiben... Biografien kommunistischer WiderstandskämpferInnen in Österreich. Mit Anmerkungen zum Widerstandskampf der Kommunistischen Partei Österreichs (hg. von der Alfred Klahr Gesellschaft). Wien 1997