Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Antifaschisten und Antifaschistinnen aus den Reihen der Opferverbände Sozialdemokratische Freiheitskämpfer, ÖVP-Kameradschaft und KZ-Verband.

Es hat also mehr als sieben Jahrzehnte gedauert, bis die Stadt Salzburg ein Mahnmal für die größte von den Nazi-Schergen auf österreichischem Boden organisierte Bücherverbrennung errichten konnte. Das ist spät, aber natürlich besser als nie.


Der KZ-Verband Salzburg bedankt sich ausdrücklich bei all jenen, ohne deren langjähriges Engagement der heutige Tag in dieser Form nicht zustande gekommen wäre.


Besonderer Dank gilt:
•    Dem Münchener Künstler Wolfram Kastner und der Schauspielerin Hanne Hiob.
•    Dem Historiker Gert Kerschbaumer.
•    Der Initiative Freies Wort – namentlich Tomas Friedmann, Karl Müller und Albert Lichtblau.
•    Gemeinderätin Inge Haller, die auch stellvertretend für den KZ-Verband die Stadtoberen fast im Jahresrhythmus mit Anträgen an ihr Versäumnis erinnert hat.


Unser Dank gilt aber auch jenen aktuell in der Stadtregierung und in der Beamtenschaft Verantwortlichen, die das Projekt aus ehrlicher Überzeugung unterstützt haben – im Unterschied zu vielen ihrer Vor- und Vorvorgänger.


Dass ich heute hier namens des KZ-Verbandes ein paar Worte zur Bedeutung dieses Mahnmales sagen kann, ist ein Zeichen dafür, dass man im Unterschied zu früheren Jahrzehnten die Opferverbände nicht mehr so einfach übersieht. Deswegen möchte ich – unabhängig von unserer Kritik am Standort des Mahnmales – eines besonders hervorstreichen: Dieses Mahnmal ist nicht einfach „nur“ eines zur Erinnerung an den barbarischen Akt im April 1938 an sich. Es ist – im Sinn von Heinrich Heine: „…, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ - ein Mahnmal zur Erinnerung an das schlimmste Verbrechen, das Menschen je an Menschen verübt hatten: Den Holocaust – die industrielle Vernichtung von Millionen Menschen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Freundinnen,

Sie wissen, dass auch mein Vater, Karl Rupitsch, 1944 von den Nationalsozialisten im KZ-Mauthausen ermordet wurde. Daher ist es gerade für mich wichtig, auf die aktuelle Bedeutung dieses Denkmales hinzuweisen. Wir leben heute in einer gesellschaftlichen Situation, die man mit Bert Brechts „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“  gut beschreiben kann.

Am Denkmal hier, kann man auch gut sehen, wohin Rechtsextremismus und Faschismus führen: Es waren nämlich nicht nur jüdische Autoren, Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, deren Schriften am Scheiterhaufen loderten. Es waren auch viele bürgerliche und konservative Autoren darunter.
Der große Erich Kästner hat gesagt:

„Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat.“  

Die Worte Erich Kästners sind heute aktueller denn je – in Österreich und in ganz Europa.


Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!