Artikel aus "Der neue Mahnruf"

Die aktuellen Ausgaben unserer Verbandszeitschrift "Der neue Mahnruf" sind auf der Website des Bundesverband im PDF-Format verfügbar.

 

Artikel mit Bezug zu Salzburg

"Der neue Mahnruf"

   1949 - 2005

 

Zu Ehren der Glasenbacher

Treffen der Glasenbacher in Salzburg - Proteste gegen diese Provokation
Das Innenministerium hüllt sich in Schweigen

Wir mußten bereits in unserer letzten Nummer davon berichten, daß die „Unentwegten“ am 7. und 8. September in Salzburg ein Treffen der ehemaligen Glasenbacher durchführen wollen. Wir haben in dem Zusammenhang Herrn Innenminister Oskar Helmer öffentlich gefragt, ob er es nicht für notwendig hält, das Treffen von solchen Personen, die sich seinerzeit offenkundig gegen den österreichischen Staat vergangen haben, zu verhindern.

 

Wir haben vom Innenministerium bisher keine Antwort auf diese Frage erhalten. Nun hat sich der Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs in einem Schreiben an den Innenminister Oskar Helmer in derselben Angelegenheit gewandt und darin folgendes ausgeführt:
 „Die Abhaltung dieses Treffens würde eine außerordentliche Provokation für alle jene bedeuten, die in der Zeit von 1933 bis 1945 Unsägliches erlitten und erduldet haben, insbesondere aber für die jüdische Bevölkerung in Österreich. Die Abhaltung dieses Treffens würde ein sichtbares Zeichen und ein Signal für die Sammlung der ehemaligen Nationalsozialisten. SS- und Gestapoleute und zum Aufleben einer neonazistischen und faschistischen Bewegung sein.“

Das Schreiben schließt mit dem Appell an Innenminister Helmer, die Abhaltung dieses Treffens auf Grund der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen verbieten zu lassen.

Unser Bundesverband so wie der Landesverband Salzburg wandten sich an den Landeshauptmann von Salzburg. Der Landesverband führte in seinem Schreiben aus, daß eine Verbandsgründung der ehemaligen Glasenbacher allein schon ein Umstand ist, der dem internationalen Ruf der Fremdenstadt Salzburg auf keinen Fall förderlich sein kann. Das Treffen selbst würde, wenn dessen Abhaltung tatsächlich gestattet werden sollte, eine noch größere Provokation bedeuten. Im Schreiben des Bundesverbandes wird darauf hingewiesen, daß es allgemein bekannt ist, daß in Glasenbach seinerzeit Personen festgehalten wurden, die in den schlimmsten Jahren der Geschichte Österreichs durch aktiven Verrat an der Heimat dieser schweren Schaden zugefügt haben.

„Ein Treffen der ehemaligen Glasenbacher Häftlinge kann wohl nichts anderes bedeuten, als daß dieser Personenkreis die verderblichen Traditionen weiterhin pflegen will, die ihn seinerzeit zu so verwerflichen Taten inspiriert hatten.“

Schließlich wird der Landeshauptmann von Salzburg ersucht, die geeigneten Schritte durchzuführen, damit dieses provokatorische Treffen nicht stattfindet.

 

Salzburg liegt unmittelbar an der deutschen Grenze. Die Verbindungen der „Neuen Front“, die sehr nachdrücklich für das Glasenbacher Treffen Reklame macht, mit sehr gut bekannten Kräften aus der Bundesrepublik Deutschland sind allgemein bekannt.

Die Funktionäre der NSDAP, der SS und der Gestapo, die seinerzeit in Glasenbach festgehalten wurden, haben vor allem deswegen schwere persönliche Schuld auf sich geladen, weil sie ihre Heimat verraten und im Stich gelassen haben. Wer kann daran zwei zweifeln, ­daß auch heute die Inspiratoren solcher Treffen, wie es das Glasenbacher sein soll, wiederum jenseits der Grenze zu suchen sind, in denselben Kreisen, denen die Unabhängigkeit Österreichs stets ein Dorn im Auge war?

Das Glasenbacher Treffen ist zweifellos eine große Provokation. Es scheint uns aber, daß es nicht ausschließlich eine Provokation von „Unverbesserlichen“ ist, die österreichische Staatsbürger sind.

Das ist also „wahre Volksgemeinschaft''

Wie die Pressenachrichten der Israelitischen Kultusgemeinde mitteilten, hielt die sogenannte „Wohlfahrtsvereinigung der Glasenbacher“ am 26. Juli in Linz eine Mitgliederversammlung ab.

Dort sprach General a. D. Punzert, der behauptete, die Haltung der Glasenbacher sei der Ausdruck einer wahren Volksgemeinschaft gewesen.

Der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt, daß dieser Punzert Landesorganisationsreferent der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) ist.

NM-1957 / Nr 9 / Jg10 / S2

 

Kriminalrayonsinspektor Priewasser - Unsere Toten

Am 25. Mai haben wir unseren Kameraden Kriminalrayonsinspektor Priewasser das letzte Geleite gegeben. Zwei Tage zuvor hatte er Hand an sich gelegt und damit eine selten tragisches Lebensschicksal beendet. In der nationalsozialistischen Zeit wurde er wegen antifaschistischer Betätigung und Unterstützung von Familien Hingerichteter zum Tode verurteilt. Zehn Monate wartete er jeden Dienstag und Freitag darauf, zum Schafott geführt zu werden. Schließlich wurde er begnadigt und in das Zuchthaus Straubing überstellt, wo er im Mai 1945 befreit wurde. Er trat dann bei der Salzburger Polizeidirektion als Kriminalbeamter ein und hatte eine ausgezeichnete Dienstbeschreibung. Er wurde außertourlich befördert und prämiiert. Nach seiner Überstellung zur Sittenpolizei mußte er in Begleitung der MP regelmäßig Razzien in der Stadt Salzburg durchführen. Dadurch verfiel der bisher so ruhige, nüchterne Beamte und vorbildliche Familienvater dem Alkohol, der seine Willenskraft brach. Die Angst vor einer bevorstehenden Disziplinarverhandlung hatte ihm den Revolver in die Hand gedrückt. Dem Tod durch seine Feinde war er entronnen nun hat er ihn freiwillig gewählt.

Unser Salzburger Landesverband verdankt dem Kameraden Priewasser die Zurückführung der Urnen von 13 in München-Stadelheim enthaupteten Kameraden. Ohne seine Energie und sein Verhandlungsgeschick bei den bayrischen Behörden wäre dies kaum je möglich gewesen. Nun ist er gleich ihnen in der heimischen Erde beigesetzt. Wir werden seiner nie vergessen.

NM-1956 / Nr 7-8 / Jg9 / S8

 

Landesverband Salzburg - Generalversammlung

Am Samstag, den 14. April, fand in Salzburg eine Generalversammlung unseres Landesverbandes statt. Nach einem ausführlichen Bericht des Obmannes, Kameraden Josef Musil, wurde über die kommenden Arbeiten gesprochen, sowohl auf sozialem als auch auf politischem Gebiet. Besonders unterstrichen wurde die Notwendigkeit, gerade in Salzburg - wo sich der Schwerverbrecher Sanitzer jetzt häuslich niedergelassen hat - unsere Tätigkeit zur Aufklärung der Bevölkerung über diesen unerträglichen Justizskandal zu verstärken. Schließlich wurde eine Statutenänderung einstimmig beschlossen. Ebenso einstimmig wurde ein Präsidium des Landesverbandes neu gewählt, an dessen Spitze als Obmann Josef Musil und als dessen Stellvertreter Kamerad Richard Schubert. Der rege Besuch und die gute Stimmung dieser Versammlung war ein schöner Beweis für den mutigen Geist unserer Salzburger Kameraden.

NM-1956 / Nr 5/ Jg9 / S6

 

Salzburg ehrt seine Helden

Vor kurzem ist auf dem Kommunalfriedhof in Salzburg der Öffentlichkeit ein Ehrenmal für die Opfer der politisch Verfolgten übergeben worden.
Dieses Denkmal, das nach einem Entwurf von Prof. Kubiena gestaltet wurde, besteht aus einem großen Marmorblock, der auf zwei Säulen ruht und die Inschrift trägt:

"Dem Gedenken der Opfer für Freiheit und Menschenwürde"

Vor dem Stein befindet sich ein aus rot-weiß-rotem Marmor gebildetes Staatswappen, inmitten einer Dornenkrone aus Schmiedeeisen.
Bei der feierlichen Enthüllung dieses Mahnmals, an der Vertreter der Behörde und Abordnungen aller politischen Parteien und Verbände teilnahmen, übernahm Bürgermeister Pacher das Denkmal in die Obhut der Stadt und versprach, das Andenken der toten Freiheitskämpfer in liebevolle Pflege zu nehmen. Ihr Opfer ist nicht umsonst gewesen, denn ihr Tod hat die Voraussetzung für den Wiederaufbau geschaffen, mit dem sich die Heimat in zehn Jahren aus tiefster Not und Erniedrigung zu neuer Schönheit erhoben hat. Das Mahnmal wurde aus Mitteln der Stadt und Land Salzburg errichtet.

NM-1956 / Nr 2/ Jg9 / S3

 

Salzburger Widerstandskämpfer protestieren

Am 2. April fand in Salzburg eine Versammlung der Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus statt, die gegen die Reise Kesselrings nach Österreich und die verschiedenen Beschimpfungen der Opfer des Faschismus in den „Salzburger Nachrichten“ Stellung nahm.
Die Anwesenden beschlossen eine Protestresolution, in der es heißt:
Die Tatsache, daß es Zeitungen und sogenannte Journalisten gibt, die, wie die „Salzburger Nachrichten“ und die dort tätigen Dr. Gustav Canaval und Leitenberger nebst allen anderen Auch-Journalisten gleichen Geistes, die Opfer des NS-Regimes bisher ungestraft schmähen dürfen, hat die Empörung nicht nur dieser Opfer und der Hinterbliebenen nach solchen Opfern herausgefordert, sondern auch den einmütigen Protest aller anständigen Österreicher hervorgerufen.
Ebenso empört hat die österreichische Öffentlichkeit von der Agitationsreise des Kriegsverbrechers Kesselring und des ebensowenig erwünschten ehemaligen Obersten Rudel nach Österreich Kenntnis genommen.

Mit Erbitterung sieht die vaterlandsliebende Bevölkerung Österreichs des weiteren die allerorten stattfindenden Soldatentreffen und Wiedersehensfeiern, auf denen offenkundig nazistisches Gedankengut verbreitet wird. Im Zusammenhang mit anderen Vorkommnissen — wie etwa die Gewährung einer Pension an die inzwischen wiederverheiratete Witwe nach dem wegen Hochverrates zu lebenslänglichem Kerker verurteilt gewesenen Hochverräter Rintelen, erblicken die Opfer des NS-Regimes darin gefährliche Zeichen für das Wiedererwachen des NS-Geistes und die Wiederaufnahme nazistischer Propaganda und Tätigkeit.

Die in Salzburg versammelten Opfer des Nazismus fordern:

1. Verbot der „SN“ und Schreibverbot für Canaval und Leitenberger.
2. Sofortige Ausweisung Kesselrings und striktestes Einreiseverbot für alle derartigen Gestalten, vor allem abgeurteilte Kriegsverbrecher.
3. Strafverfahren gegen Sepp Schöpp, der sich öffentlich als Untergebener Kesselrings bezeichnet und damit allein schon Nazipropaganda getrieben hat.

NM-1954 / Nr 5 / Jg7 / S2

 

Salzburg rührt sich!

Während ein Teil unserer Landes- und Bezirksverbände der Meinung sind, daß im Kampfe um die Beschleunigung der Auszahlung der Haftentschädigung es genüge, Resolutionen an den Bundesverband zu senden, organisierte unser Landesverband Salzburg eine Versammlung, wählte eine Delegation und begab sich zu Herrn Landesrat Weißkind, um mit ihm über die Gründe der Verzögerung der Auszahlung der Haftentschädigung zu sprechen. An der Besprechung nahmen auch die zuständigen Abteilungsleiter Herr Hofrat Dr. Wozzak und der Sachbearbeiter Herr Kittel, teil. Im Laufe der etwa zwei Stunden dauernden Unterredung wurde von seiten des Herrn Landesrates Weißkind die Erfüllung folgender Wünsche zugesagt:
1. Verstärkung des Personals in der Opferfürsorgeabteilung.
2. Erlassung nachdrücklicher Weisungen durch die Landesregierung an die Bezirkshauptmannschaften und Gemeinden, die einlangenden Anträge samt Unterlagen möglichst genau auf Richtigkeit und Vollständigkeit der Anträge sofort zu überprüfen, um unnötige und zeitraubende Rückfragen zu vermeiden.
3. Bevorzugte Erledigung jener Fälle, in denen eine Auszahlung der Haftentschädigung aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen dringendst erforderlich ist.

Seit dieser Vorsprache bei der Landesregierung zeigte es sich, daß im Bereich von Salzburg das Verfahren zwecks Auszahlung der Haftentschädigung tatsächlich beschleunigt wurde. Die Schwierigkeiten, die derzeit noch in Salzburg bestehen, können nur durch eine raschere Arbeit des Bundesministeriums für soziale Verwaltung behoben werden.

Es wäre notwendig, daß auch die übrigen Landesverbände diese oder ähnliche Schritte bei ihren zuständigen Landesregierungen unternehmen.

NM-1953 / Nr 7-8 / Jg6 / S7

 

Salzburger Opfer des Faschismus gegen die Rüstungsbauten 

Unsere Salzburger Kameraden beschlossen bei ihrer letzten Zusammenkunft eine Protestresolution gegen die Salzburger Rüstungsbauten, in der es unter anderem heißt:
„Die infolge ihres aufrechten Widerstandes gegen die früheren faschistischen Machthaber und ihre diktatorischen Terrormethoden seinerzeit gemaßregelten ehemaligen KZler, Häftlinge und politisch Verfolgten von Salzburg verfolgen mit größter Besorgnis und höchster Empörung den Fortschritt der Kriegsrüstungen in Salzburg, die nach allgemeiner Ansicht und Erkenntnis weit über den Rahmen der Besatzungsaufgaben hinausgehen und unsere Heimatstadt, die Festspielstadt Salzburg, und deren Bewohner aufs schwerste bedrohen; neuerdings insbesondere durch die Bodenbeschlagnahmen für einen beabsichtigten Panzerübungsplatz und durch die Giftgaseinlagerungen im Loferer Hochtal.

Die Versammelten begrüßen daher das einmütige Einschreiten des Bürgermeisters und des gesamten Gemeinderates von Salzburg gegen diese Aufrüstungsmaßnahmen und unterstützen diese wahrhaft österreichische Haltung mit aufrichtigen solidarischen Gefühlen und ihrer Bereitschaft, auch dafür in jeder Weise einzutreten. Ebenso begrüßen sie die gleichgearteten Schritte der Landesregierung von Salzburg.

Mit Bestürzung und Bedauern erfüllt sie jedoch das unbegreifliche Schweigen der österreichischen Bundesregierung in dieser Stunde der Gefahren, die nicht nur Salzburg allein, sondern — von hier ausgehend —  ganz Oesterreich bedrohen und Anlaß zur Entfesselung eines neuen Weltkrieges sein können.

Die Versammelten stellen daher an den Bürgermeister, den gesamten Gemeinderat der Stadt Salzburg, an den Landeshauptmann von Salzburg und die Landesregierung die fordernde Bitte, konsequent auf ihren Ablehnungsbeschlüssen und deren Ausführung zu beharren und alles zu unternehmen, um die besprochenen drohenden Gefahren zu bannen.“

NM-1952 / Nr 10 / Jg5 / S20

 

Eine aufreizende Provokation

Samstag, den 26. Mai, sprach im Salzburger Festspielhaus der ehemalige Finanzminister Hitlers, Herr Hjalmar Schacht, vor einem ausgewählten Publikum ehemaliger Nazigrößen und Angehöriger der sogenannten „guten Gesellschaft“. Die Veranstaltung stand unter dem Ehrenschutz des Landeshauptmannes von Salzburg Herrn Dr. Klaus. 

Die wenigen KZler, die sich Eintritt in diese illustre Versammlung verschaffen konnten, protestierten durch Zurufe gegen das Auftreten Schachts, der bezeichnenderweise vom Chefredakteur der „Salzburger Nachrichten“ Dr. Canaval eingeführt wurde. Dieser Dr. Canaval gehörte auch zum Kreis jener, die bei den Präsidentschaftswahlen Österreichs den Kandidaten des Neofaschismus Dr. Breitner besonders unterstützten.

Unsere Kameraden, die gegen Schacht auftraten, wurden aus dem Saal gedrängt, einer von ihnen verhaftet, und es bedurfte erst energischen Einschreitens, um ihn wieder freizubekommen.

Unser Salzburger Landesverband hatte sich bereits einige Tage vorher an den Landeshauptmann von Salzburg, Bürgermeister der Stadt Salzburg, an den Polizeidirektor und an den Sicherheitsdirektor mit der Aufforderung gewendet, das beabsichtigte Auftreten des als Kriegsverbrecher verurteilt gewesenen ehemaligen Reichsbankpräsidenten, Nazi-Reichswirtschaftsministers, Mitglied des schuldbeladenen Nazi-Reichstages und Träger des Goldenen Parteiabzeichens Hjalmar Schacht, zu verbieten. Unser Landesverband hat der Auffassung Ausdruck gegeben, daß dieser Mann als einer der Hauptverantwortlichen an der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und zweifellos auch einer der Hauptschuldigen an der Okkupation Österreichs anzusehen ist.

Auch der Präsidialausschuß des Bundesverbandes hat am 22. Mai gegen diese Herausforderung Stellung genommen. Unser Landesverband Salzburg forderte auch die anderen KZ-Verbände und demokratischen Organisationen auf, sich diesem Protestschritt anzuschließen. Es ist uns bekannt, daß der Bund rassisch Verfolgter in Salzburg dieser Aufforderung nachgekommen ist.

Der Landeshauptmann Dr. Klaus fühlte sich lediglich verpflichtet, in einem Antwortschreiben darauf hinzuweisen, daß es sich bei Schacht um einen „politisch rehabilitierten Wirtschaftsfachmann“ handelt. Es besteht, behauptete der Landeshauptmann, keine Möglichkeit, das Auftreten Schachts vor der österreichischen Öffentlichkeit zu untersagen. In seiner Eröffnungsrede ermahnte Dr. Canaval, der Chefredakteur der „Salzburger Nachrichten“, das Publikum, keine, „wenn auch vielleicht gutgemeinte“, Zwischenrufe zu machen. Sie könnten sonst als „Provokation“ aufgefaßt werden. Gegen wen als Provokation ließ Canaval unbeantwortet. Wahrscheinlich meinte er, daß sich die anwesenden Nazigrößen provoziert fühlen, wenn Antifaschisten; und Demokraten das Auftreten eines Kriegsverbrechers und Hauptschuldigen an der Zerstörung der österreichischen Freiheit und Unabhängigkeit verhindern wollen.

Schacht in Österreich war eine Provokation der Antifaschisten. Schacht in Österreich ist ein Schritt zur Eingliederung Österreichs in die westdeutsche Kriegsvorbereitung. Die Antifaschisten werden ihre Kräfte verstärken müssen, um das Auftreten weiterer Schachts in Österreich auch dann zu verhindern, wenn Behörden glauben, „keine Möglichkeit zu haben“, ein solches Auftreten zu verbieten.

Ein Erfolg des einheitlichen Auftretens

Wenige Tage nach dem Vortrag Schachts in Salzburg folgte eine zweite derartige Provokatioh. Von der sogenannten „Österreichischen Kulturvereinigung“, einer getarnten Organisation, hinter der der VdU und aktive Nazikreise stehen, wurde ein Vortrag des berüchtigten SS-Sturmbannführers Erich Kern, alias Kernmayer, in Linz angekündigt. Kemmayer war und ist nicht nur ein prominenter Nazi. Seine Bücher „Der große Rausch", „Das andere Lidice“ und andere sind nichts anderes als eine Verherrlichung des Krieges und des Nationalsozialismus, in seinen Artikeln propagiert er einen neuen Weltkrieg.

Dieser angekündigte Vortrag fand unter den demokratischen Kreisen von Linz und in ganz Österreich einmütige Ablehnung. Unser oberösterreichischer Landesverband erhob sofort ­gegen diesen Vortrag Kernmayers Protest. Diesem Protest schlossen sich auch die Linzer Jüdische Kultusgemeinde, das Jüdische Zentralkomitee, die Freie Österreichische Jugend, die kommunistische Parteileitung von Linz,  der Oberösterreichische Friedensrat und eine Reihe anderer Organisationen an. Sie verlangten ebenfalls das sofortige Verbot dieses provokatorischen Vortrages.

Unter dem Druck dieser Proteste sah sich die Polizeidirektion Linz veranlaßt, den Vortrag zu verbieten.
Diese mißglückte Provokation ist ein neuerlicher Beweis dafür, daß es überall dort, wo die antifaschistischen Kräfte einheitlich und geschlossen solchen Provokationen entgegentreten, gelingt, diese abzuwehren und die Faschisten zurückzudrängen. So muß jede Herausforderung auf die entschiedenste Ablehnung aller aufrechten Antifaschisten stoßen.

NM-1951 / Nr 6 / Jg4 / S13

1951/6 - 1957/9