Artikel aus "Der neue Mahnruf"

Die aktuellen Ausgaben unserer Verbandszeitschrift "Der neue Mahnruf" sind auf der Website des Bundesverband im PDF-Format verfügbar.

 

"Der neue Mahnruf"

   1949 - 2005

Artikel mit Bezug zu Salzburg

 

Internationale Konferenz in Salzburg

Eine Konferenz für europäische Entspannung und Sicherheit wird im November 1964 in Salzburg stattfinden. Zu ihrer Vorbereitung wurde eine internationale Arbeitsgruppe gebildet.

Auf einer vorbereitenden Besprechung in Wien, an der 29 Teilnehmer aus 19 europäischen Staaten teilnahmen, fand ein Meinungsaustausch über eine Reihe aktueller Fragen statt, unter anderem über die Verminderung der Atomwaffengefahr, die Verringerung der Möglichkeiten von Zwischenfällen, die Herabsetzung der Rüstungen sowie weitere Maßnahmen zur Regelung von Streitfragen zwischen den Mächten. Es wurde überdies angeregt, daß die Konferenz in Salzburg darüber berät, wie die wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den europäischen Staaten erweitert werden könnten, und neue Möglichkeiten in diesen Bereichen sucht. Dies würde die Atmosphäre des Vertrauens zwischen den Nationen fördern. Wünschenswert sei es, daß die Konferenz sich davon freihalten sollte, in der Behandlung von politischen Irrtümern und Fehlentwicklungen der Vergangenheit steckenzubleiben; vielmehr sollte im Anschluß an das Moskauer Atomteststopp-Abkommen nach Möglichkeiten zur schrittweisen Entspannung gesucht werden.

Zu der vorbereitenden Besprechung hatten eingeladen:
Dr. Robert Jungk (Österreich), Professor J. D. Bernal (Großbritannien), Professor Dionyz Blaskovic (Tschechoslowakei), Heinrich Buchbinder (Schweiz), Pfarrer Professor Georges Casalis (Frankreich), Kanonikus L. J. Collins (Großbritannien), Professor Pierre Cot (Frankreich), Gewerkschaftssekretär Vittorio Foa (Italien), Oberkirchenrat Heinz Kloppenburg (Bundesrepublik Deutschland), Generaldirektor Maurice Lambilliotte (Belgien), Professor Oscar Lange (Polen), Oberbürgermeister Giorgio La Pira (Italien), Nobelpreisträger Professor Nikolai Semjonow (Sowjetunion), Parlamentsabgeordneter August Spangberg (Schweden), Senator Velio Spano (Italien), Parlamentsabgeordneter Veikko E. Svinhufvud (Finnland), Parlamentsabgeordneter William Warbey (Großbritannien).

Die Beratung war eröffnet worden durch ein einleitendes Referat von Dr. Robert Jungk:
„Am Ende des Kalten Krieges — Ein neuer Anfang.“

NM-1964 / Nr 10 / Jg17 / S6

 

Kamerad Embacher gestorben

Der Landesverband Salzburg gibt Nachricht vom Hinscheiden des Kameraden Ferdinand Embacher, der am 10. September nach langem schwerem Leiden im 71. Lebensjahr verstorben ist.

Als Sohn des Landes Salzburg hing er mit ganzer Liebe an seiner österreichischen Heimat, für die er kein Opfer scheute. Als junger Mensch lernte er die Schrecken und die Folgen des ersten Weltkrieges kennen. Für den durch brutale Gewalt zur Macht gelangten Faschismus empfand Kamerad Embacher ­nur Verachtung. Als Opfer des Gestapoterrors wurde er jahrelang in verschiedenen Konzentrationslagern des „dritten Reiches" inhaftiert. Aber auch die fürchterlichen Verfolgungen, denen er unterworfen war, konnten seinen Mut nicht brechen. Er war stets von dem Glauben erfüllt, daß seine Heimat vom nazistischen Joch befreit und einer besseren Zukunft entgegengehen werde. Ferdinand Embacher war immer bereit, seinen Leidensgenossen durch Wort und Tat zu helfen, obgleich er sich selbst ein heimtückisches, schleichendes Leiden im KZ geholt hatte, dessen Opfer er nun, für alle, die ihn kannten, viel zu früh, geworden ist. Viele Jahre wirkte Embacher als Sekretär im Landesverband Salzburg und vertrat in der Rentenkommission die Interessen der Opfer des Faschismus.

Unsere Anteilnahme gilt im besonderen der Witwe, die stets an der Seite ihres Gatten stand und viel dazu beitrug, seine Leiden zu lindern, und ihm dadurch die letzten Lebensjahre erleichtert hat. Unser Kamerad Embacher fühlte sich mit Leib und Seele den arbeitenden Menschen verbunden und kämpfte zeit seines Lebens für Freiheit und Gleichberechtigung.
Wir alle, Ferdinand Embacher, trauern um dich und werden dir ein treues Andenken bewahren.

Landesverband Salzbug
KZ-Verband

NM-1964 / Nr 10 / Jg17 / S6

 

Kamerad Musil - 70 Jahre

Anfang Dezember beging unser Präsidiumsmitglied und Obmann des Landesverbandes Salzburg Kamerad Josef Musil seinen 70. Geburtstag.

Kamerad Musil hat sich immer für die Interessen der arbeitenden Menschen eingesetzt und ist ohne Rücksicht auf sein Leben und seine Gesundheit als Kämpfer gegen den Faschismus entschlossen für sein Vaterland Österreich eingetreten.

Vielen Verfolgungen des Hitler-Regimes ausgesetzt - die auch schließlich zu seiner vor kurzem so schweren Erkrankung führten - , hielten sie ihn nicht davon ab, sich nach der Befreiung unseres Landes sofort dem Aufbau der Landesexekutive zu widmen, der er bis vor nicht allzu langer Zeit als hervorragender Fachmann angehörte. Das Verdienst von Kamerad Musil ist auch der Aufbau einer Organisation der Widerstandskämpfer und der Opfer des Faschismus im Land Salzburg. Vielen Kameraden steht er bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche nach der Opferfürsorgegesetzgebung mit Rat und Tat zur Seite. Immer wieder ist Kamerad Musil bemüht, die Widerstandskämpfer und die Gegner des Nazismus zu einem Vorgehen gegen Großdeutschtum und Neonazismus zu vereinigen. Durch seine Selbstlosigkeit, Bescheidenheit und Offenheit erfreut sich Kamerad Musil weit über die Kreise der Widerstandskämpfer hinaus in Salzburg großer Beliebtheit.

Das Präsidium des Bundesverbandes beglückwünscht Kamerad Musil zu seiner Genesung. Es wünscht dir, Kamerad Musil, daß der gute Gesundheitszustand anhalten und dir noch viele glückliche Jahre im Kreise deiner Familie und deiner Freunde beschieden sein mögen. Alles Gute zu deinem 70. Geburtstag.

Die Redaktion des „Neuen Mahnruf“ schließt sich den Gratulationen aus ganzem Herzen an.


Dir, lieber Musil, Dir Kamerad,

Gratulieren wir herzlichst zum Jubeltag - 

Zu Deiner Genesung - zur Wiederkehr -

Und mit donnerndem Hoch zum Siebziger.
Genieße noch lange im trauten Kreise

Den Herbst Deines Lebens in froher Weise.

Laß geh'n uns gemeinsam durchs friedliche Land.

Es grüßt Dich

 

Salzburgs KZ-Verband.

NM-1963 / Nr 12 / Jg16 / S4

 

Ravensbrück-Ausstellung von Salzburg nach Klagenfurt

Die Ausstellung „KZ Ravensbrück“, die vom 7. bis 22. Oktober in Salzburg gezeigt worden war. Ist nun in Klagenfurt zu sehen.
Wie überall bisher, war auch in Salzburg die Ausstellung ein großer Erfolg und hat dank der aufopferungsvollen Arbeit der Kameradinnen von der Lagergemeinschaft Ravensbrück mit dazu beigetragen, vor allem Aufklärungsarbeit unter der Schuljugend zu leisten. Im Rahmen der Ausstellung gab es wieder eine Reihe von Veranstaltungen, wie Filmvorführungen („Nacht und Nebel“. „Hier fliegen keine Schmetterlinge“), Lichtbildervorträge (Dachau) usw. Am 19. Oktober wurde eine Jugendforumdiskussion abgehalten.
Über diese Diskussion haben bedauerlicherweise Salzburger Zeitungen in einer Art und Weise berichtet, die nicht den Tatsachen entspricht. So hieß es darin unter anderem, daß die Erwachsenen in der Überzahl gewesen seien, wodurch die Jugendlichen nicht recht zu Worte gekommen wären. Dazu erhalten wir aus Salzburg folgende Nachricht: „In Wahrheit waren rund 60 Jugendliche anwesend und nur 22 Erwachsene, die Leiterin der Diskussion
(Frau Landtagsabgeordnete Martha Weiser) und zwei Kameradinnen der Lagergemeinschaft Ravensbrück mit eingerechnet. Ferner entspricht es nicht den Tatsachen, daß die Jugend an diesem Abend nicht zu Wort gekommen sei. Zwei Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit wurden von jugendlichen, ein Drittel wurde von erwachsenen Diskussionsteilnehmem genützt.“
Auch die Ausstellung selbst wurde erfreulicherweise von vielen jungen Menschen besucht. Von offiziellen Persönlichkeiten haben unter anderem Finanzminister Dr. Klaus, Erzbischof Rohracher, Vizebürgermeister Donnenberg sowie zahlreiche Landesräte und Landtagsabgeordnete die Ausstellung besucht. Auch viele Ausländer sah man.

NM-1961 / Nr 11 / Jg14 / S4

 

Landesdelegierfenkonferenz in Salzburg

Freitag, den 6. März, fand in der Restauration Dittmann in Salzburg unter zahlreicher Teilnahme von Delegierten aus dem Bundesland Salzburg die Landeskonferenz statt. Nach der Begrüßung erstattete der Landesobmann, Kamerad Musil, den Tätigkeitsbericht der Landesleitung.
Aus dem Bericht war zu entnehmen, daß trotz den nicht leichten Bedingungen des Kampfes für unsere Kameraden - durch die aufopfernde Tätigkeit der Funktionäre - Erfolge erzielt werden konnten. So hatte der Verband wesentlich dazu beigetragen, daß das in Salzburg beabsichtigte SS-Treffen der „Sorbe“ verboten werden mußte. Die Unterschriftenaktion des Bundesverbandes für die Durchsetzung einer Wiedergutmachung für die Opfer des Faschismus hat bei den Mitgliedern ein lebhaftes Echo hervorgerufen, und es werden, wie auch aus den Diskussionsbeiträgen der Delegierten bekannt wurde; die Unterschriften von Geschädigten erbracht, die oft in den entlegensten Gebieten des Landes wohnen. Versuchte Irreführungen und falsche Empfehlungen, an verschiedenen zweifelhaften Aktionen teilzunehmen, von Leuten ersonnen, um die Einheit und Geschlossenheit der Mitglieder unseres Verbandes zu stören, waren immer erfolglos geblieben. Kamerad Musil beendigte seinen
Bericht, der auch einstimmig zur Kenntnis genommen wurde, mit der Mahnung, nicht zu erlahmen in dem Kampf um ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus auch in Salzburg, und mit der Aufforderung an alle Tagungsteilnehmer, wieder für eine starke Beteiligung an der Mauthausen-Kundgebung zu sorgen. Der Delegierte aus dem Pinzgau berichtete über die Empörung unter den Mitgliedern, daß man den Religionsgemeinschaften der katholischen Kirche 200 Millionen Schilling als Anzahlung auf eine Wiedergutmachung gegeben und den Opfern des Faschismus eine Wiedergutmachung bisher verweigert hat. Auch ein Pfarrer als Geschädigter hat sich dagegen gewendet, daß der Kirche solch hohe Beträge gegeben werden und er als Opfer bis dato noch keinen Groschen bekam. Kamerad Kamhuber. Mitglied des Bundespräsidiums, nahm zu den in der Diskussion vorgebrachten Fragen Stellung und berichtete über den Stand der Unterschriftenaktion in ganz Österreich sowie über den erfolgreichen Ablauf des FIR-Kongresses in Wien und forderte alle Funktionäre und Mitglieder auf, den neonazistischen Umtrieben, besonders in Salzburg, erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden und entschlossen dagegen aufzutreten. Er schloß seine beifällig aufgenommenen Ausführungen mit dem Appell, dem Beispiel und der Erfahrung aus früheren, erfolgreichen Kämpfen um Entschädigungsgesetze folgend auch im Kampf um eine Wiedergutmachung weiterhin alle Anstrengungen zu unternehmen. Nach einer lebhaften Diskussion wurden die Berichte der Funktionäre einstimmig zur Kenntnisgenommen und der Landesleitung das Vertrauen ausgesprochen.
Die Wahlvorschlagskomrhission empfahl den Delegierten, die unter der bewährten Führung des Landesobmannes Kameraden Musil stehende Landesverbandsleitung wiederzuwählen, die auch einstimmig gewählt wurde. Die Geschädigten und Opfer des Faschismus im Lande Salzburg haben hiermit eine Landesleitung, die gemeinsam mit allen Geschädigten erfolgversprechend ihr Interessen weiterhin vertreten wird.

NM-1959 / Nr 5 / Jg12 / S6

 

Die SORBE und ihr SS-Kongreß verboten

Jetzt Auflösung der anderen NS-Organisationen — Keine weiteren SS-Treffen!

In der Sitzung des Ministerrates vom 21. Oktober 1958 teilte Innenminister Helmer mit, daß der Verein SORBE (Soziale Ordnungsbewegung Europas) für eine Generalversammlung in Salzburg ein Lokal gemietet und ausländische Delegationen zur Teilnahme eingeladen hat. Der Innenminister gab bekannt, daß er auf Grund der vorliegenden Erhebungen eine Auflösung dieses Vereines verfügen wird.

So war es in den Zeitungen vom 22. Oktober 1958 zur Freude der gutösterreichisch gesinnten Bevölkerung zu lesen. In der Zwischenzeit ist die Auflösung dieser nazistischen Organisation erfolgt. Zweifellos ein großer Erfolg, der im besonderen alle österreichischen Widerstandskämpfer mit Genugtuung erfüllt. Dieser Erfolg ist das Ergebnis eines beharrlichen Kampfes, der, weit über die Grenzen einer Organisation hinaus, weite Kreise der österreichischen Bevölkerung erfaßt hatte. 

Wie kam der Erfolg zustande?

Die einheitliche Ablehnung eines solchen SS-Treffens und der Ruf nach Auflösung der SORBE durch die Organisationen der österreichischen Widerstandskämpfer war eine der Voraussetzungen für diesen Erfolg. Die entschiedene Verurteilung dieser SS-Veranstaltung in mehreren Tageszeitungen, wie zum Beispiel in einem treffenden Leitartikel des „Neuen Österreich“, betitelt: „Salzburg und Auschwitz“. Nicht zu übersehen war der große Widerhall der Protestbewegung in den Betrieben und Gewerkschaftsorganisationen.

In vielen Betrieben erhob die Arbeiterschaft solcher Großbetriebe wie zum Beispiel Alpine-Donawitz, Simmering-Graz-Pauker-Werke, Schoeller-Bleckmann, Stahlwerke Mürzzuschlag, Halleiner Zellulose, die Aluminium-Werke Lend, Austro-Fiat, österreichische Mineralöl-Verwaltung ihre Stimme des Protestes.

Nicht unwesentlich waren auch die Schritte des Protestes, die von seiten der Organisationen der Widerstandskämpfer im Ausland eingeleitet wurden.

Die Erkenntnis, daß man Mördern nicht die Möglichkeit der Organisierung in einem demokratischen Staat geben kann, hat sich durchgesetzt.
So wie im Fall SORBE muß auch das Verbot der anderen offenen und getarnten NS- und SS-Verbände, wie zum Beispiel die Kameradschaft IV des Kameradschaftsbundes, die Vereinigung der Glasenbacher, der ÖTB (österreichischer Turnerbund) oder die ANJÖ (Arbeitsgemeinschaft nationaler Jugendverbände Österreichs), die neuerlich versuchen, sich in Österreich breitzumachen, erzwungen werden.

NM-1958 / Nr 11 / Jg11 / S1

"Lager Glasenbach" -  Salzburg Wiki

"Mein Großonkel hat das Gas geliefert" - FRÄULEIN FLORA

"Die neue Masche des ÖTB-Organs" NM-1981 / Nr 6 / Jg34 / S1

"Anzeige gegen ÖTB wegen Verwendung des "Hakenkreuzes"Website des Parlaments
"Völkische Sommerfrische-II" - Stoppt die Rechten

 

"Deutsche Trümpfe"

Das Verbot des für 15. und 16. November in Salzburg vorgesehenen internationalen SS-Treffens sowie das ebenfalls vom Innenministerium ausgesprochene Verbot der „Sozialorganischen Ordnungsbewegung Europas" (SORBE) ist ein Erfolg aller antifaschistischen und patriotischen Kreise und Kräfte unseres Landes.

Wir dürfen uns aber mit diesem Ergebnis nicht zufrieden geben. Im Gegenteil, wir müssen unsere Wachsamkeit und unsere Anstrengungen in der Richtung einer Bekämpfung aller neonazistischen und neofaschistischen Regungen, welcher Art immer, vervielfachen. Die SORBE und das beabsichtigte internationale SS-Treffen haben nun gewissermaßen blitzartig eine Situation beleuchtet, die alle österreichischen Patrioten, Antifaschisten und Demokraten schon seit Jahren mit immer größer werdender Besorgnis verfolgen.

Nicht zum erstenmal beschäftigt uns das Überhandnehmen von Literatur, Büchern, Zeitschriften und Zeitungen, die auf verschiedenste Weise nicht nur die fluchwürdige Vergangenheit des Faschismus, Nationalsozialismus und des Hitler-Krieges sowie deren Träger verherrlichen und gleichzeitig den Widerstandskampf und die Widerstandskämpfer diffamieren und die Opfer des Faschismus verhöhnen, sondern die auch in manchmal sehr geschickter Weise, unter Ausnutzung modern gewordener Begriffe und Schlagworte versuchen, ihre alten „Ideen“
unter neuer Flagge zu tarnen und an den Mann zu bringen.

Die Zahl dieser Literatur- und Presseerzeugnisse, die sich diese Aufgabe gestellt haben, ist Legion. - Diese Tatsache darf uns aber nicht veranlassen, den Kampf dagegen abzuschwächen oder gar aufzugeben. — Das Gegenteil müßte der Fall sein. — Österreich hat sich im Staatsvertrag dazu verpflichtet, gegen alle Versuche des Wiederauflebens des Nationalsozialismus (zweifellos ist damit auch der Faschismus mit eingeschlossen) einzuschreiten. Daß das geschriebene nazistische oder faschistische Wort mindestens die gleiche Gefahr bedeutet wie die Errichtung von neonazistischen und neofaschistischen Organisationen, ist eine Tatsache.

Einige Beispiele sollen die Situation auf diesem Gebiet der Literatur und Presse zeigen: Nicht durch Zufall, sondern mit Vorbedacht wurde das Buch Souceks, der sich „Kanzler“ der Sozialorganischen Ordnungsbewegung Europas nennt, mit dem Titel „Wir rufen Europa“, zur Bibel des Neonazismus. Ist es doch modern geworden, faschistisch mit „europäisch“ zu tarnen und die SS als Vorläufer der Europa-Idee zu bezeichnen. Dieses Buch ist in einem österreichischen Verlag (Weisermühl) erschienen.

Es gibt aber zum Beispiel auch eine Monatszeitschrift „Nation Europa“, die gleichfalls in Österreich vertrieben wird, in der ein Jan A. van der Made (Heft 1. Jänner 1956) in einem Artikel „Resistance“ — das Krebsgeschwür“ schreibt:
„Man hat dem Dritten Reich vorgeworfen, mit ihm sei die Barbarei in Europa eingebrochen: aber wenn man der Sache auf den Grund geht, sind es die Diebe, die hier „haltet den Dieb!“ rufen. Die Rückkehr zu einer richtigen Wertung des Banditentums der „Resistance“ und die schleunige Entfernung der Meuchelnden und Verräter aus den Schlüsselpositionen unserer Welt ist eine Voraussetzung für die Rettung Europas.“

Hier ist wohl der Beweis für unsere Behauptung der Diffamierung der Widerstandsbewegung erbracht. In dieser Zeitschrift, die also auch in Österreich zugelassen ist, schreibt aber auch der „Europa-Rufer“ Soucek im Zusammenhang mit dem Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Nürnberger Weltgerichtshof:

„Der einfache Europäer schließt heute kurz und phrasenlos: in Nürnberg wurden die Falschen gehenkt.“

(„Nation Europa“, Heft 12. Dezember 1956).
Die Aufgabe solcher Darlegungen ist: Rehabilitierung auch der größten Kriegsverbrecher.
Aber sind es nun einzelne, die solche Ansichten vertreten? Vorläufig vielleicht noch nicht allzu viele, die sich so offen mit ihren wirklichen Ansichten hervorwagen. Es gibt aber in Österreich schon genügend Zeitungen,  Wochenblätter und Monatsschriften, die systematisch neben neonazistischen vor allem großdeutsche Ideen verbreiten. Dazu gehört die „Wegwarte“. Dort wurde vor kurzem berichtet, daß der bekannte Industrielle Reininghaus in einem Brief an den Notring wissenschaftlicher Verbände geschrieben habe, jeder Geschichtskenner (!) wisse, daß wir Österreicher Deutsche seien und daß die Jugend „vergiftet“ werde, wenn die Deutschen in Deutsche und Österreicher gespalten würden, was so weit ginge, daß sogar „der Urösterreicher Weinheber“ in einem österreichischen Geschichtsbuch nicht erwähnt werde, man Nietzsche nur sieben Zeilen widme, um von der „nordischen Bestie“ sprechen zu können, während Csokor mehr als zwei Seiten gewidmet werden würden. Dieser „österreichische“ Industrielle Reininghaus möge doch sein Bier bei seinen Deutschen absetzen, uns aber mit seinem großdeutschen Bierschwefel verschonen.

Diese Ausführungen Reininghaus' sowie die „Wegwarte“ sind nur ein Beispiel — vielleicht noch gar nicht das krasseste — für viele.

„Die Kameradschaft“ (österreichischer Soldatenverband, Kameradschaft IV) nimmt im Oktober 1956 unter dem Titel „Durchbruch in die Öffentlichkeit“ zum Soldatentreffen (August 1958) in Innsbruck Stellung und meint, daß dieses noch immer Gesprächsthema vieler ehemaliger Angehöriger der deutschen Wehrmacht sei, in der wir Österreicher getreu einer jahrhundertealten Tradition in aufrechter Pflichterfüllung für Volk und Heimat, als Bürger des eigenen (!) Staates dienten. (Es sei nur noch erwähnt, daß besonders rühmend die Beteiligung von Behördenvertretern, von Parteien (!), des Bundesheeres und so weiter hervorgehoben wird. Namentlich genannt wird der Innsbrucker Bürgermeister Lugger, der den Ehrenschutz übernahm, er gehört der ÖVP an, und der SP-Vizebürgermeister Flöckinger, der es sich nicht nehmen ließ, trotz seinem Urlaub zu kommen.) Auf dieser Kundgebung hat auch der Europarufer Theodor Soucek gesprochen (in Anwesenheit der Behörden, des Bundesheeres, Parteien, unter dem Ehrenschutz des Bürgermeisters, unter Anwesenheit des Vizebürgermeisters), jener Soucek, dessen Organisation kaum zwei Monate später wegen Neonazismus aufgelöst werden mußte. Also— die österreichischen Soldaten in der Hitler-Wehrmacht haben als „Bürger des eigenen Staates“ gekämpft. —
 Gab es damals einen eigenen Staat Österreich? Doch nicht. — War also der eigene Staat das „Großdeutsche Reich“? Es ist allzu durchsichtig, wenn man sehen will, welchen Zwecken solche Darstellungen dienen. Nur unsere Behörden sehen es anscheinend nicht. Vielleicht hängt dies mit ihrer „Vertretung“ bei solchen Anlässen zusammen! Im übrigen: irren wir uns nicht, die Kameradschaft IV, das sind doch die ehemaligen SS-Angehörigen? Warum aber der Titel unseres Artikels „Deutsche Trümpfe“? Weil dies alles zu einem kürzlich erschienenen Buch gleichen Titels eines Herrn F. Barnik paßt, das wohl an Offenheit dessen, was gemeint ist, alles übertrifft.

Dieser Herr Barnik beschäftigt sich mit dem Problem der Wiedervereinigung Deutschlands und meint, daß die preußisch-protestantische Lösung, die Westdeutschland mit der DDR vereinige, nicht genüge, denn- „das ganze  Vaterland“ müsse es sein, und da sei auch die großdeutsche, die katholisch-österreichische, mit Wien als Hauptstadt noch ungenügend, sondern die böhmisch-kalixtinische Lösung mit Prag als „deutscher“ Hauptstadt sei die wahre Lösung. „Der Tscheche“ — so meint nämlich Barnik — ist ein typischer Ostdeutscher, der bloß nicht Deutsch spricht! Und weiter: „Grundsätzlich darf sich Deutschland mit keinem geringeren Ziel als der Wiedervereinigung des gesamten deutschen Kulturkörpers — einschließlich seiner nicht deutschsprechenden Teile — begnügen.“ Auch das Rezept zur Erreichung dieses Ziels weiß dieser Herr: „Und wie soll diese Lösung erreicht werden? Der dritte Weltkrieg trotz der Unabsehbarkeit seiner Folgen ist der einzig leidliche Weg zur Lösung der deutschen “ Wiedervereinigungsfrage.“

Und diesem Mann wurde in österreichischen Zeitungen Beifall gezollt, er erhielt Zustimmungserklärungen führender deutscher Politiker.
Damit zeigt sich aber die Gefährlichkeit dieser literarischen Wortführer des Neonazismus, des Großdeutschtums, der Revanchisten, denen also nicht einmal der Preis eines dritten Weltkrieges zu hoch ist, um ihre Ziele durchzusetzen.

Wie lange noch soll Österreich die Schande solcher und noch vieler anderer derartiger Literatur- und Presseerzeugnisse ertragen müssen; wie lange noch soll dieses nazistische und großdeutsche Gift unseren Volkskörper, vor allem aber die Gehirne der jungen Generation vergiften dürfen? Wenn es nicht gelingt, rechtzeitig dieser Art von Literatur, Zeitungen und Zeitschriften das Handwerk gründlich einzustellen, werden wir eines Tages Grausameres und Grauenvolleres erleben, als die Vergangenheit war.

Der Kampf gegen diese „Schundliteratur“ ist genau so notwendig wie jener, der auf anderen Gebieten gegen den Literaturschund geführt wird, der unsere Jugend auf Abwege bringt und ihr Schaden zufügt.
Hier, in dieser Literatur des Neonazismus und der Kriegshetze, liegt eine tödliche Gefahr für unser ganzes Volk, wenn wir nicht rechtzeitig alles unternehmen, um sie zu beseitigen.

- O. H. - 

NM-1958 / Nr 11 / Jg11 / S1

 

Kein SS-Treffen in Salzburg!

Bereits seit Monaten wissen es alle zuständigen Behörden:

Die sogenannte „Sozialorganische Ordnungsbewegung Europas“ - kurz „Sorbe“ genannt - wagt es, am 15. und 16. November in Salzburg einen sogenannten Europa-Kongreß durchzuführen. Und damit ja kein Zweifel über den Charakter dieses Kongresses entstehen kann, werden nicht nur die ehemaligen SS-Angehörigen aus Deutschland und Österreich, sondern auch die SS-Verbände, die in der Hitler-Zeit in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Italien gebildet wurden, sowie die kroatische und ukrainische SS zu diesem famosen Treffen eingeladen. Es handelt sich also um ein internationales SS-Treffen, das - wie üblich - „europäisch“ getarnt werden soll.

Bis heute haben die zuständigen Behörden dieses Treffen noch nicht verboten.

Der Organisator dieses Treffens ist der sattsam bekannte Theodor Soucek, der sich stilvoll und schlicht „Kanzler“ nennt. Wir verweisen auf Seite 5 unseres Blattes, wo wir diesen Herrn näher charakterisieren.

Die israelitische Kultusgemeinde, das Organ der sozialistischen Freiheitskämpfer Österreichs, der Bund der Opfer des politischen Freiheitskampfes in Tirol haben bereits gegen die Durchführung dieses provokatorischen Treffens bei den zuständigen Stellen schärfsten Protest eingelegt. Unser Verband hat sich in einem Schreiben an das Bundesministerium für Inneres gewandt und unter anderem ausgeführt:

„Wir sind der Meinung, daß es im Interesse Österreichs, seiner demokratischen Entwicklung und seines Ansehens im Ausland liegt, wenn das dortige Ministerium sich bereit findet, rechtzeitig ein Verbot dieser Veranstaltung auszusprechen, gleichzeitig auch die veranstaltende Organisation „Sozialorganische Ordnungsbewegung Europas“ sowie deren Proponenten und Repräsentanten einer Überprüfung zu unterziehen.“

Salzburger Verband beim Landeshauptmann

Eine Delegation des Landesverbandes Salzburg hat in derselben Angelegenheit am 23. September bei Herrn Landeshauptmann Dr. Klaus vorgesprochen. Der Landeshauptmann sagte zu, das ihm übergebene Protestschreiben eingehend zu studieren, und riet den Delegierten, auch beim Bürgermeister von Salzburg, Bäck, deswegen vorzusprechen, da dieser den Veranstaltern scheinbar das neue Kongreßhaus zur Verfügung stellen soll. Der Landeshauptmann erklärte, den Standpunkt der Delegation unseres Salzburger Verbandes voll zu würdigen und sich in dieser Angelegenheit mit dem Herrn Innenminister in Verbindung zu setzen.

Dem Herrn Landeshauptmann wurde gleichzeitig zur Kenntnis gebracht, daß der Betriebsrat der Halleiner Zellulosefabrik einstimmig einen energischen Protest gegen die Durchführung dieses SS-Treffens beschlossen hat.

Nicht dulden

Auf das Protestschreiben des Tiroler Bundes der Opfer erhielt dieser vom Herrn Landeshauptmann von Salzburg folgende bemerkenswerte Antwort:

Das Präsidialbüro teilt Ihnen mit, daß der Herr Landeshauptmann bereits vor einigen Tagen Proteste gegen die Abhaltung des sogenannten Zweiten Europa-Kongresses dem Herrn Innenminister vorgelegt und in seinem Schreiben auch ausdrücklich darauf hingewiesen hat, daß Treffen von Angehörigen der ehemaligen SS, noch dazu in großem Rahmen, nicht nur nicht gefördert, sondern überhaupt nicht toleriert werden sollen.

Der Herr Landeshauptmann hat auch die zuständigen Sicherheitsbehörden von seinem Schreiben in Kenntnis gesetzt.

Protest der Favoritner

Die Bezirksgruppe Wien X hat ebenfalls ein Protestschreiben an das Innenministerium gerichtet und festgestellt, daß sie dieses Treffen als eine Propaganda für eine gesetzwidrige Wiederbetätigung der Faschisten betrachten müsse. Sie hat sich ebenfalls an den Direktor des österreichischen Verkehrsbüros gewandt und ihn darauf aufmerksam gemacht, daß diese Tagung in der österreichischen Fremdenverkehrswerbung veröffentlicht wurde, was völlig unverständlich erscheint.

NM-1958 / Nr 10 / Jg11 / S1

1958/10 - 1964/10