Artikel aus "Der neue Mahnruf"

Die aktuellen Ausgaben unserer Verbandszeitschrift "Der neue Mahnruf" sind auf der Website des Bundesverband im PDF-Format verfügbar.

 

"Der neue Mahnruf"

   1949 - 2005

Artikel mit Bezug zu Salzburg

 

Landeskonferenz Salzburg

Am 18. Mai dieses Jahres fand der Delegiertentag des Landesverbandes Salzburg statt. Nach der Begrüßung und einem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder gab Landesobmann Kamerad Schubert den Tätigkeitsbericht für den Zeitabschnitt der letzten drei Jahre. Insbesondere wurde auf die Wahrnehmung der Interessen der Opfer des Faschismus in der Landesrentenkommission hingewiesen. Sehr wirksam und eindrucksvoll verlief auch die Besichtigung des Museums in der Mahn- und Gedenkstätte Mauthausen, an der sich viele Nichtverbandsmitglieder beteiligten.
Nach den Berichten des Kassiers und der Kontrolle sprach Verbandsobmann Dr. Soswinski zu aktuellen Problemen, die die Opfer tangieren, unter anderem auch über die 23. Novelle zum Opferfürsorgegesetz.

In den neuen Vorstand des Landesverbandes Salzburg wurden einstimmig folgende Kameradinnen und Kameraden gewählt:

Obmann: Richard Schubert; Obmannstellvertreter: Johann Neumeier; Kassier: Josef Sulzberger; Schriftführerin: Irmgard Duben. Weiters gehören dem Vorstand Theodor Bieberhofer, Josef Hofstätter, Jakob Stöllinger, Dr. Hans Lackner (alle Salzburg), Georg Berger und Josef Stangassinger (Hallein), Hermann Dünser (Zell am See) an. In die Kontrolle wurden gewählt: Anna Mayer und Karl Hollweger.

NM-1974 / Nr 6/ Jg27 / S6

 

Salzburger KZ-Verband ehrt Opfer

Anläßlich der 30. Wiederkehr der ersten Massenverhaftungen in der Zeit 1938—1945 gedachten die Funktionäre des Landesverbandes Salzburg jener Opfer, für die diese Verhaftungswelle das Todesurteil bedeutete. Am Kommunalfriedhof vor dem Mahnmal für die Opfer Faschismus, beim Urnengrab des KZ-Verbandes, bei der Gedenktafel im Haus der Polizeidirektion Salzburg und vor der Gedenktafel bei der Zugförderungsleitung Salzburg-Gnigl wurden Kränze niedergelegt.
Die Worte des Gedenkens, die Landesobmann Kamerad Schubert sprach, wurden vom Polizeidirektor in Anwesenheit seines Stellvertreters und des Polizeireferenten, Kamerad Dr. Lackner, mit Dank an den KZ-Verband, daß er die Opfer nicht vergißt, erwidert.
Auch bei der Zugförderungsleitung waren in Würdigung der Opfer Herren des Vertrauensmännerausschusses anwesend. Besonders freute unsere Kameraden, daß jener Funktionär des Vertrauensmännerausschusses, der die kulturelle Betreuung der Lehrlinge bei den Bundesbahnen innehat, sich für die Schallplatte „Zum Tode verurteilt“ interessierte und sich somit in den Dienst der Übermittlung von Zeitgeschichte an die Jugend stellte.

NM-1972 / Nr 6 / Jg24 / S6

 

Nachahmenswerte Initiative

Eine Delegation des Landesverbandes Salzburg österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus sprach im April beim Bürgermeister der Stadt Salzburg vor, um die weitere Benennung von Straßen nach Widerstandskämpfern zu erwirken. Bürgermeister Heinrich Salfenauer wurde eine Liste mit Namen von Hingerichteten, von zum Tode Verurteilten, die begnadigt wurden, jedoch nach 1945 versterben, von Salzburger Bürgern, die in Konzentrationslagern den Tod fanden, überreicht.
Im Verlaufe des Gespräches wurde erörtert, daß es bereits einige Straßen nach hingerichteten Freiheitskämpfern in der Stadt Salzburg gibt, wie die August-Gruber-Straße, die Franz-Ofner-Straße, den Engelbert-Weiss-Weg und daß es noch einige andere Gedenkstätten, wie zum Beispiel die Gedenktafel für Rosa Hofmann an ihrem Wohnhaus gibt.
Die Salzburger Kameraden vertraten die Ansicht, daß es etwas bisher Versäumtes nachzuholen gibt, nämlich, allen Salzburger Bürgern, die ihr Leben für Österreichs Freiheit hingaben, in der Öffentlichkeit ein bleibendes Denkmal zu widmen. Bürgermeister Salfenauer brachte den Vorschlägen Verständnis entgegen, zeigte sich dem Anliegen gegenüber aufgeschlossen und versprach seine Unterstützung.

NM-1972 / Nr 5 / Jg24 / S5

 

Kamerad Musil gestorben

Völlig unerwartet ist unser Präsidiumsmitglied, Landesobmann des KZ-Verbandes Salzburg, Amtsrat der Bundesverwaltung i. R. und Hauptmann a. D., Kamerad Josef Musil im Alter von 75 Jahren verstorben.  Das Präsidium des KZ-Verbandes sprach der Familie unseres dahingeschiedenen Kameraden seine tief empfundene Anteilnahme aus. Dem plötzlichen Tod - denn Kamerad Musil war bis zuletzt noch sehr rege tätig - ging vor vielen Jahren eine schwere Erkrankung voraus. Sie stand im Zusammenhang mit seinem kämpferischen Leben und mit den Verfolgungen, die er in der Zeit des Faschismus auf sich nehmen mußte. Bei der Trauerfeier auf dem Salzburger Kommunalfriedhof sprach Präsidiumsmilglied Kamerad Tschotenig Worte des Gedenkens.
Kamerad Musil war schon in seinen jugendjahren in der Arbeiterbewegung tätig und widmete sich vor allem der Jugenderziehung. Er war Sekretär der Kinderfreunde und Funktionär der Sozialdemokratischen Partei. Im Kampf gegen den Faschismus wandte er sich der Kommunistischen Partei Österreichs zu. Er war den Gegnern der Demokratie, den Feinden eines souveränen, unabhängigen Österreichs kein Unbekannter, und deshalb blieben Jahre der Konzentrationslagerhaft nicht erspart. Diesem humorvollen und doch ernsten Menschen konnte der Faschismus gesundheitlich schwere Schädigungen zufügen, nicht aber beugen oder abhalten nach der Befreiung im Jahre 1945 die Sammlung der Opter des Faschismus im Lande Salzburg durchzuführen. Er war Mitbegründer des KZ-Verbandes, jeder konnte sich bei ihm Rat holen. Die Wahrung der Interessen in der Opferfürsorge war bei ihm in guten Händen. Kamerad Musil erwarb sich auch in seiner beruflichen Laufbahn nach 1945 beim Wiederaufbau der Salzburger Landesexekutive große Verdienste, viele Freunde und Anerkennung.
Seine Bestrebungen, mit der Vereinigung Österreichische Gemeinschaft und mit den anderen Opferverbänden eine Zusammenarbeit zu erreichen, um der Jugend die Zeitgeschichte näher zu bringen, damit sie aus der Vergangenheit lerne, sollen ihre Fortsetzung finden. So wahren wir am besten das Gedenken an unseren Freund und Kameraden. 

NM-1969 / Nr 5 / Jg22 / S4

 

AUS DEN ORGANISATIONEN

Der Landesverband Salzburg hat durch das Hinscheiden einer Kameradin und zweier Kameraden einen schweren Verlust erlitten und den Hinterbliebenen seine aufrichtige Anteilnahme zum Ausdruck gebracht.

Am 4. Jänner ist nach langer, schwerer Krankheit Kameradin Maria Velek verstorben. Sie war eine tapfere Kämpferin für Östereichs Freiheit.

Am 10. Jänner nahm der Tod Kamerad Jakob Haidinger ganz plötzlich aus unseren Reihen.

Am 12. Februar ist nach langer, schwerer Krankheit Kamerad Josef Steiner aus Bischofshofen verstorben. Als es galt, Freiheit und Demokratie zu verteidigen, ging er nach Spanien. Später, im illegalen Widerstandskampf verhaftet, war Kamerad Steiner mehrere Jahre in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald inhaftiert.

NM-1969 / Nr 3 / Jg22 / S6

 

Zeugen österreichischer Geschichte

Der Salzburger KZ-Verband veranstaltete anläßlich des Tages „50 Jahre Republik", eine Würdigung österreichischer Widerstandskämpfer und Patrioten. Bei dieser Veranstaltung, zu der Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Vertreter der Behörden und Schulen, die ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten, der Bund Sozialistischer Freiheitskämpfer eingeladen waren, wurde die Langspielplatte „Letzte Briefe von Hingerichteten österreichischen Patrioten" und der Film „Gewalt und Gewissen" vorgeführt.
Präsidiumsmitglied Landesobmann Kamerad Musil sagte in seinen einleitenden Worten unter anderem: „Das bald zu Ende gehende Jahr 1968 schließt recht unterschiedliche Zeitabschnitte aus der österreichischen Geschichte der letzten 50 Jahre ab. Die Rückschau über die historischen Begebenheiten dieses halben Jahrhunderts hat den von ungezählten Generationen gehegten Wunsch wieder besonders laut werden lassen: nach einem endlichen, dauernden Frieden unter den Menschen. Dem entspricht auch die Vorstellung, das Jahr 1968 als ein Jahr der Menschenrechte zu benennen.
Vor 30 Jahren überfiel Hitler-Deutschland Österreich; damit begann aber auch der mutige und opferreiche Widerstands und Befreiungskampf österreichischer Patrioten. Sie stammten aus allen Lagern und Schichten des Volkes, ohne Unterschied der weltanschaulichen, politischen, religiösen, rassischen oder sonstigen Gruppierungen. Sie alle einte das Bewußtsein, dem gemeinsamen Feind Österreichs, dem nationalsozialistischen Terrorregime, gegenüberzustehen.
Der Salzburger KZ-Verband verbindet mit dieser Veranstaltung auch das Gedenken an die Salzburger Todesopfer, deren erste 1943, also vor 25 lahren, gefallen sind. Viele weitere Salzburger Katholiken, unter ihnen zehn Priester, Sozialisten, Kommunisten, Bibelforscher und andere folgten ihnen.
Alle Österreicher sind heute verpflichtet, das Vermächtnis des Widerstandes an die Jugend „weiterzugeben."

NM-1968 / Nr 12 / Jg21 / S8

 

Landesverband Salzburg

Am Vortag des Nationalfeiertages, am 25. Oktober, begab sich eine Delegation unseres Landesverbandes in das Gebäude der Salzburger Bundespolizeidirektion und brachte an der den Opfern aus der Exekutive gewidmeten Gedenktafel einen Ehrenkranz an. Dieser schlichten Erinnerung wohnten außer dem Stellvertreter des dienstlich verhindert gewesenen Polizeidirektors noch Vertreter der Sicherheitswache, der Kriminal- und Staatspolizei und der Verwaltungspolizei bei. Am selben Tag legte eine Delegation des KZ-Verbandes an der im Gebäude der Zugsförderung der ÖBB in Gnigl befindlichen Gedenktafel für die Opfer des Naziregimes der Salzburger Eisenbahner einen Kranz nieder.
Vor Allerheiligen legte eine Delegation des Landesverbandes Blumengebinde in drei Salzburger Friedhöfen an zehn einzelnen Grabstätten zur Ehrung der ersten vor 25 Jahren (im Jahre 1943) hingerichteten Kameraden nieder. Am Allerheiligentag selbst fand unter zahlreicher Teilnahme die traditionelle Opfergedenkfeier vor dem Mahnmal auf dem Salzburger Kommunalfriedhof statt.

NM-1968 / Nr 12 / Jg21 / S8

* Die Gedenktafel aus der Zugsförderung der ÖBB in Gnigl befindet sich heute am Hauptbahnhof.

 

Es gab keinen Befehlsnotstand

Die SS-Brüder Johann und Wilhelm Mauer sind wegen ihrer Mitwirkung an der Judenausrottung in Stanislau sowie wegen der von ihnen begangenen Einzelmorde zu acht beziehungsweise zwölf Jahren schwerem Kerker verurteilt worden. Sie wurden in 22 von 25 Anklagepunkten unmißverständlich für schuldig befunden. Von den acht Geschwornen - fünf Frauen und drei Männer - hat nur einer in allen Punkten für die Mörder entschieden. Auch die Zusatzfrage, ob die Mörder "unter unwiderstehlichem Zwang" gehandelt haben, wurde 7:1 verneint. Und das scheint uns das Wesentliche an diesem Wahrspruch (das Strafausmaß hingegen ist mehr als diskutabel) zu sein: daß hier einwandfrei erkannt wurde, daß es keinen Befehlsnotstand gegeben hat.

Halten wir uns vor Augen: Die Brüder Mauer, in Lemberg geboren, dienten in der polnischen Armee. Johann, der ältere, war sogar polnischer Offizier. Als Polen von der Hitler-Wehrmacht überrannt war, da schlugen sich die beiden Mauer flugs auf die deutsche Butterseite und zogen die SS-Uniform an. Zuerst waren sie als Ausbildner bei der Gestapo für ukrainische Söldner und dann bei der „Außenstelle Stanislau des           NM-1966 / Nr 11 / Jg19 / S1

Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des SD Lemberg“ tätig.    

In Stanislau taten sie nicht nur bei allen Massenmorden mit, sie machten auch Fleißaufgaben. Kinder und Frauen wurden von ihnen wie Hunde auf der Straße erschossen. Besonders eifrig waren sie auch bei der Jagd auf polnische Widerstandskämpfer und Partisanen, die sie - so sie ihrer habhaft wurden - bestialisch folterten. Die Stümpfe der im Türspalt abgequetschten Finger hielt der Zeuge Pawel Swistak den Geschwornen vor Augen.

Das alles haben die SS-Brüder ebenso freiwillig und ohne Zwang gemacht, wie sie ihren Frontwechsel vom geschlagenen Heer zur SS vollzogen. Dennoch wollten sie „Befehlsnotstand“ geltend machen, als sie merkten, daß das Leugnen nichts nützte. Die Geschwornen haben ihnen den „unwiderstehlichen Zwang“ ebenso wenig abgenommen wie das unverfrorene Abstreiten der ihnen zur Last gelegten und durch Zeugenaussagen belegten Verbrechen. Auch die antisemitischen Tiraden des Verteidigers, der — ebenso wie die Angeklagten — eine „jüdische Ver Verschwörung“ ­glaubhaft machen wollte, verfing nicht. Sie wurden für schuldig befunden und verurteilt. Und sie sind sehr billig davongekommen, die Mörder von gestern, die heute als Biedermänner auftreten.

NM-1966 / Nr 11 / Jg19 / S3

 
 

"Fall Boro" auch in Salzburg?

Der Bund der Opfer der politischen Freiheitskampfes in Tirol hat das nachstehende Schreiben an Unterrichtsminister Piffl-Percevic adressiert:
Wie wir erfahren haben, besteht die Absicht, Herrn Dr. Adalbert Schmidt als Professor für Literaturgeschichte und Germanistik an die Salzburger Universität zu berufen. Es dürfte sicherlich auch Ihnen bekannt sein, daß der Genannte im Jahre 1935 im Luser-Verlag ein Buch „Deutsche Dichtung in Österreich“ herausgebracht hat, welches eindeutig antisemitische Tendenzen enthält. (Seiten 13, 14, 22, 23, 30. 62, 78, 111 und 161 unter anderem) Solche antisemitischen Werke und Personen, die insbesondere der Jugend den Antisemitismus beigebracht haben, waren die Voraussetzung dazu, daß dann mit der sogenannten „Endlösung“ Millionen Juden durch die Nationalsozialisten ermordet wurden.

Erst im Vorjahr wurde es wieder augenscheinlich, wie auch heute wieder junge Menschen in falsche Bahnen gelenkt werden. Die Affäre Borodajkewycz zeigt deutlich, wie notwendig es ist, daß die Jugenderziehung nur in Händen von Lehrkräften liegen darf, die niemals mit dem Nazismus oder dem Antisemitismus zusammengearbeitet hatten. Eine Jugenderziehung im patriotischen und humanistischen Geist ist eine Verpflichtung, die unser Vaterland allen jenen Opfern schuldet, die durch den Terror des Naziregimes zu leiden hatten und ihr Leben eingebüßt haben. Wir sind daher der Meinung, daß Dr. Adalbert Schmidt nicht geeignet erscheint, auf diesen Posten berufen zu werden. Wir ersuchen deshalb, von dieser Berufung an die Salzburger Universität Abstand zu nehmen und einen anderen Bewerber mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe zu betrauen, der keinerlei Bindungen mit Nazismus oder Antisemitismus hatte.

Wir hoffen bei Ihnen, sehr geehrter Herr Bundesminister, für diese sehr wichtige Frage Verständnis zu finden und zeichnen mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung!

NM-1966 / Nr 4 / Jg19 / S2

 

Geeignete Maßnahmen ergreifen!

Der Landesverband Salzburg des KZ-Verbandes hat im Zusammenhang mit dem Mauer-Prozeß nachfolgendes Schreiben an die Bundesregierung adressiert:
Der in seiner Art kaum erwartete vorläufige Ausgang des Salzburger Prozesses gegen die SS-Brüder Johann und Wilhelm Mauer hat im hiesigen Landesverband österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus und - wie sich jetzt schon beobachten läßt - darüber hinaus in weitesten Kreisen der demokratisch gesinnten Bevölkerung größte Bestürzung und Empörung hervorgerufen und schärfste Proteste laut werden lassen. Ohne auf bemerkenswerte Einzelheiten über den Prozeßverlauf und die suggestiv anmutende Fragestellung an die Geschwornen, die deren offensichtliche Fehlentscheidung ermöglicht hat, einzugehen, weist der Landesverband auf die Atmosphäre als tiefere Ursache hin, wie sie auch schon in den seit 1960 vorausgegangenen 15 Kriegsverbrecherprozessen mit sieben Freisprüchen, darunter insbesondere in den Fällen Murer und Verbelen, und im Verfahren gegen den Borodajkewycz-Anhänger und Totschläger Kümel sichtbar wurde.

Der KZ-Landesverband Salzburg verbindet seinen lebhaften Protest mit der eindringlichen Forderung, daß die Bundesregierung unter Heranziehung der zuständig erscheinenden Herren Bundesminister und Staatssekretäre sofort wirksame Maßnahmen zur Beseitigung jener Atmosphäre ergreife, die die Republik Österreich in den diskriminierenden Ruf geraten läßt, eine neue Pflegestätte nazistischen Ungeistes und ein schützendes Asyl für aus dem In- und Ausland stammende Kriegsverbrecher zu sein.

NM-1966 / Nr 3 / Jg19 / S6

 

Gustav Holztrattners letzter Weg

Immer mehr füllten sich Plätze und Wege vor und im Halleiner Kommunalfriedhof mit Menschen, die in großer Zahl gekommen waren, um von ihrem lieben Freund und tapferen Kameraden Gustl Holztrattner Abschied zu nehmen. Sein Herz hatte am 19. Dezember 1965 für immer zu schlagen aufgehört. Wohl war der Tod des im 73. Lebensjahre gestandenen Gustl auf Grund seines angegriffenen körperlichen Zustandes voraus zu ahnen gewesen, kam aber jetzt für alle, für die Angehörigen, für die Kameraden und Freunde, doch zu schnell. Aus den Augen aller Trauernden war die tiefe Ergriffenheit und der Schmerz über den so plötzlichen Verlust ihres bisherigen Weggefährten heraus herauszulesen. Jeder und jede wollte ihm am liebsten noch gerne die Hände drücken. Aber der Sarg gab das Sterbliche Holztrattners nicht mehr frei. Nur im eindrucksvollen und langen Trauerzug fanden sich die Teilnehmer an der Trauerkundgebung noch ein letztes Mal mit ihrem toten Freund vereint.

An der Spitze des Zuges ließ die Kuchler Musikkapelle in disziplinierter und vollendeter Art Trauerweisen erklingen. Dahinter marschierte - gekleidet in die eigenartige, schwarze Heimattracht, mit dem breitkrempigen Hut auf den Köpfen - eine Abordnung der Halleiner Maurerinnung, der der ehemalige Bundesbahn-Adjunkt Gustav Holztrattner ja auch angehört hatte, mit der umflorten Innungsfahne. Dann sah man, unmittelbar folgend, zwei Kameraden gemeinsam einen von den Widerstandskämpfern gewidmeten Kranz tragen: den Vertrauensmann der Halleiner Gruppe der sozialistischen Freiheitskämpfer, Kameraden Albert Mietsche und den Kameraden Bruno Steffl vom KZ-Verband. Beide waren seinerzeit gleich dem Verstorbenen wegen ihres Lebenseinsatzes im patriotischen Widerstandskampf gegen das verbrecherische Hitler-Regime von der nazistischen Blutjustiz zum Tode verurteilt worden, konnten aber der Urteilsvollstreckung noch entrinnen. Ihr Verdienst wurde auch von der Halleiner Stadtgemeinde anläßlich der 20-Jahr-Feier der Wiedererrichtung der Republik Österreich im Rahmen einer festlichen Veranstaltung offiziell gewürdigt. Davon zeugte auch eine Urkunde, die in der Aussegnungshalle vor der Bahre des Verstorbenen unter Glas und Rahmen als wohlverdiente Auszeichnung des Toten aufgestellt war. Von jenem Lebenseinsatz Gustl Holztrattners sprach auch der Kamerad Franz Fagerer, Gemeinderat von Hallein, während seiner Gedenk- und Abschiedsansprache an die hinterbliebenen Familienangehörigen und Freunde, in der er das verdienstvolle und opferfreudige Wirken des Verstorbenen für die Halleiner Arbeiterschaft, seine Leidenzeit in der faschistischen Gefangenschaft mit dem langen qualvollen Aufenhalt in der Todeszelle sowie seine Mitarbeit nach der Befreiung Österreichs schilderte. - Noch einmal ertönte Trauermusik und Holztrattners Sarg entschwand langsam den Blicken derer, die ihm das letzte Geleite gegeben hatten.

Zwei Buben, Enkel des Verstorbenen, legten ihre im Trauerzug mitgetragenen Blumen auf den sich schon entfernenden Sarg. Ihre weit geöffnet und staunend auf die große Menge der erschienenen Kameradinnen, Kameraden und Freunde ihres dahingegangenen Großvaters gerichteten Augen, ihre Herzen und ihr Sinnen werden wohl für immer dafür aufgeschlossen bleiben, wofür ihr Großvater einst kämpfte und sein Leben einsetzte. So dachten auch alle anderen Teilnehmer der Trauergemeinde und sahen in den zwei Knaben ihre Hoffnung verkörpert, die sie allgemein auf das Verständnis und den Einsatz der Jugend für den auch heute noch nicht beendeten Widerstandskampf setzen. Und noch an eines dachten die vielen Trauernden an der Bahre Gustl Holztrattners:
an die notwendige Einheit aller Widerstandskämpfer, wie sie die beiden Kranzträger durch ihr gemeinsames Auftreten bewußt symbolisierten. Sie erhoben damit eine große Mahnung. Diese klang auch aus den Worten heraus, die nach Schluß der Trauerfeier der Kamerad Mietsche vom Sozialistischen Freiheitskämpferbund dem als Mittrauernden erschienenen Landesobmann des Salzburger KZ-Verbandes, Kameraden Jos. W. Musil, gegenüber äußerte. Sie sind wert, aus dem stillen persönlichen Zwiegespräch der beiden letztgenannten Kameraden herausgehoben und wenigstens in diesem Nachruf für eine breitere Öffentlichkeit als Mahnung, Wunsch und Hoffnung festgehalten zu werden. Kamerad Mietsche sagte: „Der Tod führt uns doch alle wieder zusammen!“ und meinte damit sicherlich, daß wir alle schon bei Lebzeiten über alle einengenden und engherzigen Parteigrenzen hinweg zum gemeinsamen Abwehrkampf gegen die Wiederbelebungsversuche und Vorstöße des sich immer noch zeigenden und regenden faschistischen Ungeistes zusammenfinden müssen. Dieser Auffassung war auch unser verstorbene Kamerad Gustav Holztrattner und vertrat sie auch während seiner Mitarbeit als Mitglied des Vorstandes des Landesverbandes Salzburg österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus. In diesem Geiste lebt für uns der Verstorbene auch weiter und läßt uns ein ehrendes, dankerfültes Erinnern an ihn für immer bewahren.

NM-1966 / Nr 1 / Jg19 / S6

1966/1 - 1974/6