Artikel aus "Der neue Mahnruf"

Die aktuellen Ausgaben unserer Verbandszeitschrift "Der neue Mahnruf" sind auf der Website des Bundesverband im PDF-Format verfügbar.

 

Artikel mit Bezug zu Salzburg

"Der neue Mahnruf"

   1949 - 2005

 

Agnes Primocic - Ehrenbürgerin von Hallein

Die Obfrau des Landesverbandes Salzburg des KZ-Verbandes, Kameradin Agnes Primocic wurde mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Hallein ausgezeichnet.

Die 95jährige Halleinerin erwarb sich große Verdienste im Widerstand gegen Austrofaschismus und Drittes Reich, nach Kriegsende war sie in der provisorischen Stadtregierung tätig und setzte sich für die Schwächsten der Halleiner Bevölkerung ein.
Tabakarbeiterin, Betriebsrätin, Kommunistin, Widerstandskämpferin, Mitglied der provisorischen Stadtregierung nach 1945, Zeitzeugin: Die Trägerin des Silbernen Verdienstzeichens der Republik kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Ein Leben, das geprägt war von Widerstand gegen Diktatur und Faschismus und dem bedingungslosen Eintreten unter Einsatz eigenen Lebens für andere: Denen helfen, die es brauchen.
Agnes Primocic sammelte für die Angehörigen politisch Verfolgter, wirkte an den Fluchtvorbereitungen von KZ-Häftlingen mit und rettete kurz vor Kriegsende siebzehn Häftlinge vor der Erschießung. Ihr Eintreten für Gerechtigkeit und Menschlichkeit brachte sie mehrmals ins Gefängnis und setzte sie permanenter Bespitzelung aus. Nach Kriegsende war sie Mitglied der von Franzosen und Amerikanern eingesetzten provisorischen Stadtregierung, mit dem Aufgabenbereich Fürsorge. Agnes Primocic war für die Errichtung dreier Kindergärten verantwortlich, half bei der äußerst schwierigen Wohnungssuche und als die amerikanischen Militärbehörden per Erlass verboten, Hallein zu betreten oder zu verlassen, war die Versorgung mit Nahrungsmitteln bedroht. Durch ihre Interventionen bei den Behörden konnte die Versorgung Halleins und im besonderen der Kinder mit Nahrung wieder gewährleistet werden. Nach Abzug der amerikanischen Truppen erstritt Agnes Primocic vor Gericht die Entscheidung, dass die Mieter der zurückgegebenen Wohnungen nicht selbst für die hohen Sanierungskosten aufkommen mussten.

Diese wenigen Ausschnitte verdeutlichen, unter welchen Bedingungen sich die mittlerweile 95jährige für Hilfsbedürftige einsetzte und welche Stärke nötig war, sich zu widersetzen und gegen den Strom zu stellen. Sich anzupassen wäre hundertmal einfacher gewesen. „Im Mittelpunkt meines Lebens standen die Gerechtigkeit und die Menschlichkeit“, stellt Agnes Primocic fest, die ihre Erfahrungen im Rahmen von Zeitzeugen - Projekten an junge Menschen weitergibt. Würdigt die „Halleiner Zeitung“ das Wirken unserer Kameradin.

Wir gratulieren.

NM-2000 / Nr 8-9 / Jg53 / S15

 

Auszeichnung für Agnes Primocic

Dr. Heinz Schaden und Landesrätin Mag. Gabi Burgstaller verliehen im Marmorsaal des Schlosses Mirabell den Troll-Borostajani-Preis 2000. Der nach Salzburgs erster Frauenrechtlerin Irma von Troll-Borostajani benannte Preis geht dieses Jahr an „Pionierinnen im Kampf um die Rechte der Frauen“. Aus Hallein wurde Agnes Primocic, Obfrau des Salzburger KZ-Verbandes, ausgezeichnet. Die Halleiner Widerstandskämpferin, Gewerkschafterin, Betriebsrätin und unermüdliche Kämpferin für Menschlichkeit und Gerechtigkeit wurde für ihr Leben ausgezeichnet. „Agnes Primocic ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die weit über alle politischen Lager hinweg gewirkt hat, und heute noch - trotz ihres hohen Alters - sehr aktiv ist", würdigte Burgstaller die Preisträgerin in ihrer Laudatio. Die Landesrätin: „In einer unmenschlichen Zeit blieb sie Mensch, rettete das Leben anderer, ohne Rücksicht auf das eigene Schicksal, setzte sich als Betriebsrätin für ihre Kolleginnen ein und ist bis heute unermüdlich unterwegs, wenn es getreu nach dem Motto - „Wehret den Anfängen“ - darum geht, in Schulen, Betrieben und Versammlungen vor Faschismus, Diktatur und Unmenschlichkeit zu warnen. Sie ist das lebende Beispiel für Mut, Zivilcourage und die Kraft, die Frauen aufbringen können, wenn es heißt, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern aufrecht gegen den Strom anzukämpfen“.
Als Politikern und Bürgerin dieses Landes sei es ihr, so Burgstaller, eine Ehre, Agnes Primocic mit dem Troll-Borostajani-Preis auszuzeichnen.

NM-2000 / Nr4 / Jg53 / S8

 

Agnes Primocic - 95

Die Obfrau des Salzburger Landesverbandes des KZ-Verbandes, Kameradin Agnes Primocic, ist 95 geworden. Agil und in gewohnter Frische feierte sie mit ihren Freunden und Kampfgefährtinnen in Hallein dieses Ereignis, zu dem auch Bürgermeister Dr. Christian Stöckl, Vizebürgermeister Walter Ebner und Vizebürgermeisterin Dr. Astrid Stranger, Gemeindevertreter des „Bündnis für Hallein“ sowie zahlreiche Freunde und Verwandte kamen. Heidi Ambrosch, Frauenbeauftragte der KPÖ würdigte in ihrer Festansprache die antifaschistischen Aktivitäten der Jubilarin und die Tatsache, dass sie bis zu ihrem 93. Lebensjahr „noch die Kraft“ gehabt hat, als Zeitzeugin in die Schulen zu gehen. Der Bundesobmann des KZ- Verbandes, Oskar Wiesflecker, dankte „unserer Agnes“ für deren unermüdlichen Einsatz, wobei er besonders auf ihre nachhaltigen Bemühungen für die Errichtung eines antifaschistischen Denkmals vor dem Salzburger Hauptbahnhof hinwies. Als Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg sprach M. Feingold, ebenso drückte eine Vertreterin der Gesellschaft für politische Aufklärung ihre Wertschätzung für die Jubilarin aus. Und Agnes selbst? Sie überraschte alle mit der quicklebendigen Darstellung von „Episoden“ aus ihrem kampf- und hilfreichen Leben. Ein Leben im Einsatz gegen den braunen Terror und für eine bessere Zukunft. Die Wertschätzung, die unsere Kameradin im Bundesland Salzburg genießt, drückte sich zuletzt auch darin aus, dass sie bei einer landesweiten Publikumsbefragung auf dem 47. Platz unter den „hundert prominentesten Bürgerinnen Salzburgs“ ­gereiht wurde.
Nochmals, herzlichen Glückwunsch. Agnes, von deinen Kameradinnen und Kameraden des KZ-Verbandes.

NM-2000 / Nr3 / Jg53 / S7

 

Sisi-Statue statt NS-Mahnmal

Die Megabaustelle am Salzburger Bahnhofs Bahnhofsvorplatz wird schön langsam fertig. Nun stellt sich die Frage, welches Denkmal dort aufgestellt werden soll. Vor Jahren hatte der Gemeinderat beschlossen, ein Mahnmal für die vom NS-Regime ermordeten Salzburger zu errichten.
Konkrete Pläne dafür gibt es seit Anfang der fünfziger Jahre. Die Architektin Grete Schütte-Lihotzky hatte ein Denkmal entworfen und den Entwurf dem Salzburger KZ-Verband übergeben, der die Pläne der Stadt kostenlos überlassen würde. Die Obfrau des Salzburger KZ-Verbandes, Agnes Primocic, hat sich wiederholt für das NS-Mahnmal engagiert. Schütte-Lihotzky sieht einen zweieinhalb Meter hohen dreieckigen Winkel, Symbol der KZ-Gefangenen aus Stein vor. IhrTextvorschlag lautet: „Den Toten zur Ehre den Lebenden zur Pflicht.“
Gegen ein antifaschistisches Mahnmal am Bahnhof laufen jedoch die Freiheitlichen Sturm. Für FPÖ-Gemeinderat Karl-Michael Blagi ist ein Antifa-Denkmal schlicht „dubios, fragwürdig und teuer“. Die Pläne der prominenten Architektin kennt Blagi zwar nicht, er will aber ohnehin lieber eine Statue von Kaiserin Elisabeth aufgestellt sehen. Diese befindet sich derzeit im Schloßpark Hellbrunn.

Blagi argumentiert: Die Statue zu Ehren der ermordeten Kaiserin sei 1901 am Bahnhof errichtet worden. Bei der Ausrufung der Republik 1918 wurde die Marmor-Sisi hinter einem Bretterverschlag versteckt. 1925 übersiedelte die Statue nach Hellbrunn. Jetzt soll Sisi wieder auf den Bahnhofsvorplatz, weil dies besser zur Weltkulturerbe-Stadt Salzburg passe als ein Antifa-Denkmal, so Blagi.

Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) kann sich durchaus vorstellen, Sisi wieder auf ihren ursprünglichen Platz im Garten des Hotel Europa zurückzustellen. Auf ein antifaschistisches Mahnmal will Schaden aber keinesfalls verzichten. (Aus: „Der Standard)

NM-1999 / Nr11 / Jg52 / S7

 

Agnes Primocic wurde 90 - Ein Leben im Widerstand

Die Obfrau des Landesverbandes Salzburg des KZ-Verbandes, Agnes Primocic, konnte kürzlich ihren 90. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlaß sind ihr zahlreiche Glückwunschschreiben zugekommen, „der neue Mahnruf" nahm in seiner Rubrik „Wir gratulieren" auf ihren 90. Bezug. Die Salzburger Lokalpresse widmete der Jubilarin einen ausführlichen Bericht, in dem ihr opferreiches und kampferfülltes Leben ausführlich geschildert wird. Die „Tenngauer“ Zeitung veröffentlichte eine ganzseitige Lebensschilderung über unsere Kameradin unter dem Titel „Nicht anpassen, sondern Farbe bekennen: Leben im Widerstand“. Darin wird die Aktion geschildert, durch die es ihr gelang, 17 Häftlinge der SS, für die von Berlin aus bereits der Erschießungsbefehl ergangen war, vor dem Tode zu retten. Ebenso hatte sie bereits vorher den Widerstandskämpfern Sepp Pliseis und Leo Janser zur Flucht verholfen. Als nach der Befreiung eine provisorische Stadtregierung in Hallein eingesetzt wurde, übernahm Agnes Primocic die schwierige Aufgabe der sozialen Hilfe. Lebensmittel wurden beschlagnahmt und zugeteilt, Wohnungen ebenso. Auf ihre Initiative wurden auch drei Kindergärten eröffnet, um jenen Frauen, die bis dahin auf den Wehrsold ihrer Männer angewiesen waren, zu ermöglichen, Geld zu verdienen. ln den Kindergärten wurde fast zehn Monate lang für unentgeltliche Verpflegung gesorgt. Agnes Primocic hat immer geholfen. Auch wenn diese Hilfe, die für sie ein selbstverständlicher Akt der Solidarität war, mit Lebensgefahr verbunden war. Dazu im Bericht der „Tenngauer“: „Sie konnte nicht anders. Gibt es einen tieferen Grund, sich zu Zeiten eines totalitären Regimes ständig in Gefahr zu bringen, sich illegal für seine Ideen einzusetzen und damit immer eine Verhaftung oder gar sein Todesurteil zu riskieren? Jch bin eben so erzogen worden. Wenn jemand in Not ist, muß ihm geholfen werden“, sieht die fast Neunzigjährige, nichts Außergewöhnliches“ in dem, was sie getan hat. ,Ich hätte mich mitschuldig gefühlt, wenn ich nicht ein bißchen geholfen hätte. Das Silberne Verdienstzeichen der Republik, eines der wenigen äußeren Zeichen der Anerkennung für ein Leben im Widerstand, muß sie erst irgendwo hervorholen. Sie zeigt es mit einem kleinen Anflug von Stolz. Ihre Heimatstadt Hallein hat ihr eine solche Ehre noch nicht zuteil werden lassen.“

NM-1995 / Nr3 / Jg48 / S8

 

Landesmitgliederversammlung des KZ-Verbandes Salzburg

Am 11. Juni fand die Landesmitgliederversammlung des KZ-Verbandes Salzburg statt. Nach der einstimmigen Annahme des Kassenberichts für das Jahr 1991 und das erste Halbjahr 1992 berichtete die Obfrau, Agnes Primocic, über ihre Tätigkeit als Zeitzeugin an den Salzburger Schulen. Sie betonte dabei besonders die Wichtigkeit der antifaschistischen Aufklärung unter den Jugendlichen. Als besonders erfreulich wurde dabei hervorgehoben, daß es dem Salzburger Verband gelang, sowohl im Mädchenwohnheim als auch im Knabenwohnheim der Arbeiterkammer Vorträge zu veranstalten. Gerade die Aufklärung unter den Lehrlingen ist ein noch  unerschlossenes Gebiet. Die beiden Veranstaltungen des Verbandes, die in Hallein und Salzburg zum Thema „Widerstand und Verfolgung im Lande Salzburg 1934 - 45“ durchgeführt wurden, waren erfolgreich. Die Versammlung endete mit der Nominierung der Delegierten zum Bundeskongreß des KZ-Verbandes.
An der Mitgliederversammlung nahmen auch die Kameradin Friedl Krenn, Sekretärin des Bundesverbandes, und Kamerad Paul Brust, Obmann der Bundeskontrolle, teil.

NM-1992 / Nr 8-9 / Jg45 / S16

 

Salzburg: Abfuhr für Rechtsextremisten

Rund 400 Demonstranten ließen den Auftritt des deutschen Rechtsextremisten Gerhard Frey jr. an der Universität

Salzburg scheitern. Der Vertreter der Deutschen Volksunion (DVU) war auf Einladung der Freiheitlichen Studenteninitiative (FSI) nach Salzburg gekommen, um an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Einwanderland Österreich“ teilzunehmen. Innenminister Franz Löschnak hatte erst Stunden vor Beginn der Veranstaltung die Teilnahme des Flüchtlingsreferenten des Innenministeriums, Manfred Matzka, abgesagt. Demonstranten, darunter auch viele Ausländer, hatten die Eingänge zum Hörsaal blockiert und eine Stellungnahme Freys in Pfiffen und Sprechchören untergehen lassen.

Bereits vor der geplanten FSI-Provokation hatten Studenten gemeinsam mit Salzburger Antifaschisten eine Diskussion zum Thema „Rechtsextremismus“ und „Deutsche Volksunion (DVU)“ einberufen. Die Obfrau des Salzburger KZ-Verbandes, Agnes Primocic, hielt eine mit großem Beifall aufgenommene Rede, in der sie vehement gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhaß Stellung nahm.
In einer vom Landesverband Salzburg verteilten Stellungnahme in der gegen die FSI-Veranstaltung entschieden protestiert wird, wird auch darauf hingewiesen, „daß 1942, also genau vor 50 Jahren, die erste große Verfolgungs- und Verhaftungswelle gegen die Salzburger Widerstandsgruppe vom NS-Regime durchgeführt wurde.

Wenn in diesem Salzburger „Bedenkjahr“ mit einem Vertreter der DVU diskutiert wird, können und wollen wir nicht schweigen, das sind wir unseren ermordeten Salzburger (Mitleidenden) Mitkämpfer/innen schuldig.

NM-1992 / Nr 3 / Jg45 / S5

 

Mahnmal in Salzburg

Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer und Bürgermeister Dipl.-Ing. Josef Reschen enthüllten Mitte Dezember am Ignaz-Rieder-Kai in der Stadt Salzburg ein Mahnmal zur Erinnerung an die während der NS-Zeit verfolgten Zigeuner (Sinti und Roma).
Mit diesem von Zoltan Pap geschaffenen Mahnmal solle Respekt vor dem Leiden der Salzburger Zigeunerbevölkerung in der Vergangenheit bekundet werden, meinte Haslauer und rief zugleich zur Wachsamkeit auf, daß nicht wieder die menschliche Achtung vor dem anderen und oft fremdartigen Mitmenschen in Vorurteilen verloren gehe.
Das Mahnmal steht an der Stelle, wo sich das erste Lager in Salzburg befand, in das die aus den Gauen abgeschobenen Zigeuner gebracht wurden. Im letzten Stadium, im April 1943, wurden rund 300 Menschen aus diesem Lager nach Auschwitz deportiert. Nur eine kleine Gruppe wurde abgesondert und in das Zigeunerlager Lackenbach im Burgenland gebracht. Das Lager in Salzburg wurde aufgelöst.
Der Großteil der aus diesem Lager nach Auschwitz verschleppten Sinti und Roma ist nicht mehr zurückgekehrt, sie starben in den Gaskammern oder infolge der katastrophalen Lagerbedingungen bzw. medizinischen Experimente. Insgesamt starben mehr als die Hälfte der 11.000 österreichischen Zigeuner im Lauf der NS-Zeit, die Opfer in ganz Europa werden auf eine halbe Million geschätzt.

NM-1986 / Nr 1 / Jg39 / S4

 

Die Ultrarechten in Salzburg

Zunehmendes Selbstbewusstsein und beginnende Radikalisierung - das ist der Trend bei den Ultra-Rechten auch in Salzburg. Die NDP-Mannen, im April und Mai noch von antifaschistischen Demonstranten niedergebrüllt, legen sich jetzt eine „Schutztruppe“ zu und verspüren kräftigen Aufwind. Im letzten halben Jahr sind die Mitgliederzahlen dieser Partei in Salzburg um 200 Prozent gestiegen, bei der Präsidentschaftswahl gaben 3051 Mozartstädter Norbert Burger ihre Stimme. Die Rechtsextremen in Salzburg unterhalten beste Verbindungen zu Gesinnungsgenossen im Ausland und die Staatspolizei betrachtet die Entwicklung „mit Sorge“, hat die Rechten nach eigenen Bekundungen „aber unter Kontrolle“. Und rechts von der NDP bilden sich laufend Splittergruppen, die - noch verbal - gegen Staat und Demokratie kämpfen. So beginnt eine Reportage von Alfons Gann und Hans Lindenbaum in der Zeitschrift „Salzburger Fenster“, aus der wir zitieren:

Der Mann Burgers in Salzburg, der rührige NDP-Landesstellenleiter Fritz Rebhandl, findet in der Geschichte tröstliche Parallelen zum hindernisreichen Präsidentschaftswahlkampf seines Chefs: „Auch Hitler wurde 1932, als er im Kurhaus in Salzburg sprechen wollte, von Arbeitern fast hinausgeworfen“. Burger wäre das im April 1980 im Müllner-Bräustübl beinahe passiert, Hitler wußte sich zu helfen, die NDP auch: Unter den Augen der Staatspolizei baut Rebhandl im Moment recht eifrig eine „Kadertruppe“ auf. Alles stramme Burschen, die künftig den Schutz von Parteiveranstaltungen übernehmen sollen, „weil die Polizei oft genug bewiesen hat, daß sie dazu offenbar nicht In der Lage ist“, so Rebhandl.
Das rechte Jungvolk wird in geheimen Schulungskursen mit dem nötigen ideologischen Rüstzeug versehen, um sich auch verbal schützend vor die eigenen Reihen stellen zu können.
Die Mitglieder der „Kadergruppe" haben überdies die Aufgabe, ihr Wissen an jüngere weiterzugeben. Im ganzen Land, so teilte Rebhandl dem SF mit, entstehen jetzt straff organisierte „Schutztruppen" (SG), die Ausbildung hat die Kadertruppe übernommen.
Die spartanisch-kargen, betont männlich hart ablaufenden Schulungen finden unter freiem Himmel statt: In der Nähe von St. Koloman am stillen Seewaldsee gab es im August ein Zeltlager für die SG-Mitglieder aus der Stadt Salzburg. Für Rebhandl war das eine sehr eindrucksvolle Angelegenheit: „Die Jungen haben Judo- und Karateunterricht erhalten, Mann gegen Mann gekämpft, es wurden deutsche Lieder gesungen". Erst nach längerem Befragen erzählt der Mann Burgers in Salzburg: „Geschossen wurde auch - allerdings nur mit Luftdruckgewehren, ausschließlich aus sportlichen Motiven."
Ähnliche Freiluft-Übungen gab es in den vergangenen Wochen in der Nähe von Bürmoos und im Pinzgau.

Selbstverständlich sind die Jungmänner einheitlich adjustiert: Getragen wird grüne Armee-Montur aus dem Army-Shop. Wie man sieht, entsteht da im ultrarechten Lager eine Art paramilitärische Organisation, die spätestens dann Schlagzeilen machen wird; wenn es zu den ersten Zusammenstößen mit der Linken kommt. „Dann könnte Blut fließen“, befürchtet der Leiter der staatspolizeilichen Abteilung in der Sicherheitsdirektion, Günther Thaller, der im Moment allerdings noch keine gesetzliche Handhabe sieht, um gegen die rechte Streitmacht einzuschreiten.

NDP im Aufwind

Seit der Präsidentschaftswahl, die Norbert Burger allein in der Stadt Salzburg 3051 Stimmen beschert hat, verspürt die NDP einen kräftigen Aufwind (Ein Vergleich: Die „Bürgerliste“ brachte es bei der letzten Gemeinderatswahl auf knapp 3800 Stimmen.) Freut sich Rebhandl: „Im letzten halben Jahr konnten wir unseren Mitgliederstand um 200 Prozent erhöhen. Jetzt kommen hauptsächlich junge Menschen zu uns. Wir haben einen Volksschuldirektor in unseren Reihen, Beamte, einen Offizier, Angestellte, Arbeiter usw.“ Der Mitgliedsbeitrag bei der NDP beträgt übrigens zwanzig Schilling im Monat, die Partei lebt hauptsächlich von Spenden, die in jüngster Zeit ebenfalls sehr reichlich fließen, vor allem in Wien.

Zunehmende Radikalisierung

Obwohl die Staatspolizei nach wie vor behauptet, die rechte Szene „sehr gut im Griff zu haben", kann sie nicht verhehlen, daß sich bei den Ultra-Rechten auch in Salzburg ein zunehmender Radikalisie­rungsprozeß vollzieht. Nur ein Anzeichen dafür sind die „Schutzgruppen“ der NDP. Es gibt keinen Zweifel: Auch Rechtsextreme in Salzburg sind mit dabei in dem noch lockeren internationalen System, das die Ultras in vielen europäischen Ländern miteinander verbindet. Und Geld scheinen die Rechten genug zu haben. Manfred Roeder zum Beispiel bekam in 15 Monaten über ein Postsparkonto in Bern nicht weniger als 1,2 Millionen Schilling. So versüßten ihm Freunde die Flucht.

Absplitterung nach rechts

Für alle seine Leute legt Fritz Rebhandl die Hand ins Feuer: „Da ist kein einziger dabei, der Bomben schmeißen würde, das tut kein Rechter.“ Aber Rebhandl kennt einige „Spinner“ in Salzburg, bei denen er sich da nicht so sicher ist. Die Leute, die Rebhandl als „Spinner" bezeichnet, waren zum Teil auch schon einmal in seinen Reihen und sie haben die NDP verlassen, weil ihnen diese Partei zu wenig radikal war. Und so sind rechts von der NDP Splittergruppen entstanden, die offen gegen Staat und „unbequeme Demokratie" zu Felde ziehen. Junge Männer und mitunter auch Frauen, die in schwarzer Montur und Stahlhelm (den SS-Uniformen nachempfunden) am Alten Markt in Salzburg Aufsehen erregten, und nach ihrem zweiten Auftritt in der Öffentlichkeit prompt ins Gefängnis wanderten.
Da gibt es den „Stoßtrupp Dr. Neidhart“ mit Sitz in Wien, den „Nationalsozialistischen Bund Nordland" (NBN), die „Aktion Neue Rechte (ANR), den „Bund volkstreuer Jugend“ und da gibt es auch einen jungen Salzburger, der bis vor kurzem mit der satttsam bekannten „Wehrsportgruppe Hoffmann“ durch Nürnberger Wälder robbte, und seither oft Besuch von der Staatspolizei erhält. Und da gibt es in Salzburg zwei bis drei andere Gruppen, von denen die Staatspolizei noch gar nichts weiß...

NM-1980 / Nr 12 / Jg33 / S8

 

„Überfremdung des deutschen Volkes...“

Aus einem Gespräch des „Salzburger Fenster“ mit Fritz Rebhandl, Landessprecher der NDP Salzburg

Wenn man einen hofseitig gelegenen Raum im ersten Stock des Hauses Paris- Lodron-Straße 15 betritt, hat man zuerst den Eindruck, hier wäre vor 40 Jahren die Zeit stehengeblieben: an den Wänden lehnen Parteiembleme, die in ihrer Gestaltung denen unseliger Nazitage äußerst ähneln, blanke Konservendosen mit dem gotischen Schriftzug „Spende“ erinnern an die Sammeltätigkeit des Winterhilfswerks, eingerollte Flaggen und uniformähnliche schwarze Jacken neben Stößen von Büchern und Broschüren. Titel: „Endlösung der Judenfrage“, „Alliierte Kriegsverbrechen“, „Bedingungsloser Heß?“, „Waffen-SS im Ein Einsatz“... Über all dem droht in großen Lettern: „Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert...“ Der Hausherr dieses Refugiums ist der Salzburger Landessprecher der „National- demokratischen Partei“ und Textilkaufmann („Rebhan Moden“) Fritz Rebhandl.

Der „Herr Chef“ (Angestelltenjargon) durch diverse Auftritte weit über seinen Wirkungskreis Salzburg hinaus bekannt, ist, bevor er uns empfängt, gerade im Streß: „Ich habe mich von einem guten Freund aus Flandern verabschiedet, der auf der Rückreise vom Ulrichsbergtreffen in Klagenfurt noch hier vorbeigekommen ist. Kennen Sie das Ulrichsbergtreffen?“ Plakate - mit Buchstaben in gotischer Schrift und stilisierten Runen - belegen aber, daß man hier nicht verblichenem Spuk gegenübersteht, sondern es durchaus mit der Gegenwart oder der jüngsten Vergangenheit zu tun hat: „Deutsche Weihnacht - Fest der Besinnung“ verkündet ein Bogen aus dem Jahr 1974. „Der Tod von Dresden, Ausstellung, Salzburg - Universitätsplatz“ liegt auch erst einige Jahre zurück. Nein, wir kennen es nicht - obwohl schon sein urdeutscher Name unschwer erkennen läßt, an welchen Adressatenkreis sich dieser Termin gerichtet hat.
Doch dann nimmt sich Fritz Rebhandl viel Zeit für ein ausführliches Gespräch. Und bemüht sich, seine Denkungsart plausibel zu machen.

  • Stichwort: Rasse

Ich habe während des Nationalsozialismus nirgends gelesen, die Deutschen seien eine Herrenrasse und die anderen minderwertig. Aber der Begriff „Rasse" ist nun einmal da, schon im jüdischen Talmud.
Warum soll man seine Art nicht erhalten? Schauen Sie sich in den Spiegel! Wäre es schöner, wenn Sie oder Ihre Kinder Schlitzaugen hätten? Ist es bewiesen, daß Mischlinge bessere Menschen sind?
(Warum soll ich beweisen, daß sie schlechter sind?)
Daß man Rassen nicht mischen kann, beweist am besten New York mit einem Chinesenviertel und so weiter _ wenn sich jemand mischt, dann ist es höchstens der Deutsche.

Ein Volk von Amerika gibt es nicht, denn das ist ein biologischer Begriff.

 

  •  Stichwort: Gastarbeiter

Das ist eine Überfremdung des deutschen Volkes oder der abendländischen Menschheit überhaupt. Grundsätzlich ist es eine soziale Härte, wenn Menschen so weit weg arbeiten müssen, weil sie sich nicht assimilieren können und je nach der Leistungsfähigkeit ihres Volkskörpers - da haben Sie die Menschen, wie gleich sie sind! - unter sich bleiben.

  • Stichwort: Todesstrafe

Unter den heutigen Verhältnissen ist die Todesstrafe notwendig, weil wir eine Situation haben, die der Anarchie gleicht.
Todesstrafe wäre angezeigt für die scheußlichsten Blutverbrechen, für Dinge, die so bestialisch sind, daß der nichts mehr zu suchen hat in der Gesellschaft. Hier ist die Todesstrafe oder die Kastration angebracht.
Auch für Rauschgifthändler wären diese strengeren Maßnahmen angezeigt. Bestrafung sehe ich nicht in einem Erholungsheim oder Rechten für die Gefangenen.

 

  • Stichwort: Judenmorde

Diese Sechs-Millionen-Geschichte ist sicher eine Lüge, die einen gewissen Zweck verfolgt. Es gibt eine ganze Menge Literatur darüber.

Der österreichische Sozialdemokrat, der Jude Kautsky, hat klar und deutlich, gleich wie diese Legende mit den Gaskammern aufgekommen ist, gesagt: er war in allen KZs, aber Gaskammern hat er nirgends gefunden.
In Dachau ist es zum Beispiel so, daß ein Salzburger als Gefangener der Amerikaner geholfen hat, die Gaskammern zu bauen.
Ich kann Ihnen ein Schreiben der Gemeinde Dachau vorlegen, wo sie schreibt, entgegen den Behauptungen gab es in Dachau nie Vergasungen. Es hat nur Gaskammern im Sinne der Entlausung gegeben, aber daß Massenmorde stattgefunden haben, glaube ich nicht.

  • Stichwort: Hitler

Ich will mich über diese Dinge nicht äußern, weil einfach diese Dinge mit einem Verbotsgesetz gekoppelt sind, die eine wirklich objektive Beschreibung nicht möglich machen. Keinem Menschen würde heute einfallen zu sagen: Napoleon war nur schlecht, obwohl er uns ungefähr auch so dargestellt wurde.

Von Hitler kann man das eine und das andere nicht sagen, weil es einfach verboten ist, sich im positiven Sinne oder in Details zu äußern.

NM-1980 / Nr 12 / Jg33 / S8-9

 

"Stimmen aus Buchenwald"

* Benedikt KautskyDie Befreiung des Lagers

(aus Teufel und Verdammte. Erfahrung und Erkenntnisse aus sieben Jahren in deutschen Konzentrationslagern, Büchergilde Gutenberg, Zürich 1946)

1980/12 - 2000/8