Artikel aus "Der neue Mahnruf"

Die aktuellen Ausgaben unserer Verbandszeitschrift "Der neue Mahnruf" sind auf der Website des Bundesverband im PDF-Format verfügbar.

 

"Der neue Mahnruf"

   1949 - 2005

Artikel mit Bezug zu Salzburg

 

Angewandter Geschichtsunterricht zum 60er der Republik:

Zivilcourage der Agnes Primocic beeindruckt Salzburgs Schüler

Wir leben in einem freien Land. Und das verdanken wir engagierten Menschen wie der Halleinerin Agnes Primocic.
Die 100-Jährige befreite in den letzten Kriegstagen unter Lebensgefahr 17 Häftlinge aus dem KZ. 

Zum 60-Jahr-Jubiläum der Republik lädt die Gewerkschaft Tausende Salzburger Schüler ein, sich einen beeindruckenden Film über die couragierte Salzburgerin anzuschauen. Wenn sich Schulklassen in Kinosälen drängeln, ­dann wird normalerweise geschwätzt, getuschelt, der eine oder andere Witz gerissen. Ganz anders bei der Dokumentation über Agnes Primocic: „Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht“. Wenn die inzwischen 100 Jahre alte Halleinerin über ihren Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und gegen das Nazi-Regime erzählt, lässt  das niemanden kalt. „Sehr mitreißend, es ist toll, dass es Menschen gibt, die sich für andere so einsetzen“, meinte Fabian Uitz vom Musischen Gymnasium nach der Vorstellung. „Wir wollten keine große 60-Jahr-Feier machen, sondern die jungen Leute zum Nachdenken anregen“, sagt Gewerkschafter Gerald Forcher. Das schafft die Primocic allemal.

Diesen Beitrag veröffentlichte die Salzburger „Krone" am 3. Juli 2005, eine würdige Ehrung des Wirkens unserer Obfrau des Salzburger KZ-Verbandes.

NM-2005 / Nr9-10 / Jg59 / S7

 

Landesverband Salzburg

Der Landesverband Salzburg teilt uns mit, dass der bisherige Vorstand personell bestätigt wurde. Es handelt sich um folgende Kameradinnen und Kameraden: 

Obfrau: Primoc Agnes

Obmann-Stellvertreter: Prof. Heinz Strotzka

Kassier: Löw Hilde

Kassier-Stellvertreter: Gold Heidi

Schriftführer: Hofer Inge

Schriftführer-Stellvertreter: Enzendorfer Josef

Kontrolle: Hofer Alois, Wodrazka Lore

Weitere Ausschuss-Mitglieder: Reska Anna, Hehenwarter Klara

NM-2005 / Nr7-8 / JG59 / S9

 

Rosa Winter - Unsere Toten

Die Oberösterreicherin Rosa Winter, die das „Zigeunerlager“ der Nationalsozialisten in Salzburg-Maxglan und das Frauen-KZ Ravensbrück überlebt hat, ist im Alter von 81. Jahren verstorben. Sie wurde am 23. Dezember 1923 in Königswiesen als Angehörige der Sinti geboren.
Sie führte Auseinandersetzungen mit Leni Riefenstahl, die aus dem Lager Maxglan Zigeuner für ihren Film „Tiefland“ eingesetzt und diese weder entlohnt noch die versprochene Rettung vor der Deportation gesichert hatte. Kameradin Rosa Winter war langjähriges Mitglied unseres Verbandes.

NM-2005 / Nr7-8 / JG59 / S9

 

Spätes Gedenken an Salzburger Nazi-Opfer

Über 57 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde im Oktober 2002 das Mahnmal für die Opfer des Nazi-Terrors in Salzburg seiner Bestimmung übergeben. Zum 60. Jahrestag der Befreiung hat die Kulturabteilung des Magistrates eine erweiterte Dokumentation rund um das Denkmal am Bahnhofsvorplatz herausgegeben. Die über einhundert Seiten starke Broschüre widmet sich nicht nur dem Wettbewerb, der künstlerischen Gestaltung Und der Realisierung des vom Wiener Künstler Heimo Zobernig gestalteten Mahnmals. Die von den Salzburgern gemeinhin als „Antifa-Denkmal“ bezeichnete Gedenkstätte wird sowohl in einen zeitgeschichtlichen wie auch in einen künstlerischen Kontext gestellt.
Historiker Gert Kerschbaumer hat einen Überblick über „Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1938 - 1945“ sowie über das „Gedenken und Mahnen 1945 - 2005“ verfasst. Den Widerstandskämpferinnen Rosa Hofmann und Agnes Primocic sind eigene Porträts gewidmet.
In einem eigenen Anhang werden Ort und Bedeutung aller „Antifaschistischen Gedenkstätten und Straßenbenennungen“ in Salzburg erläutert.
Die Dokumentation „Antifaschistisches Mahnen und Gedenken in Salzburg kann bei der Kulturabteilung der Stadt Salzburg bestellt werden und kostet 16,50 Euro zuzüglich Versandkosten.

NM-2005 / Nr7-8 / Jg59 / S3 

Das Mahnmal auf dem Südtiroler Platz im Kontext.

 

Agnes Primocic

der langjährigen Obfrau des Salzburger KZ-Verbandes-VdA, wurde am 5. Mai anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus und Gegen Rassismus und Gewalt, im ORF eine Sendung gewidmet. Unter den für unsere Kamera Kameradin Agnes charakterisierenden Titel „Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht“ wurde Einblick in das Leben der 99-jährigen Halleiner Widerstandskämpferin gewährt. Der von Uwe Bolius und Robert Angst gestaltete Film (von dem es auch eine Video-Kassette gibt), zeigt, wie unerschrocken sich diese mutige Frau für Verfolgte einsetzte. Zeigt er das wirklich? Gewiss, man sieht und hört sie vor Schülerinnen über ihr kämpferisches Leben ungemein eloquent und so lebensnah wie es ihrem Charakter und ihrer antifaschistischen Gesinnung entspricht, berichten. Aber die für diese TV-Sendung verantwortliche ORF-Abteilung hat ein wesentliches Detail und für Agnes Primocic so kennzeichnendes einfach herausgeschnitten: nämlich die Einstiegssequenz, in der der Halleiner FPÖ-Gemeinderat Gerhard Cirela (inzwischen selbst Opfer parteiinterner Querelen geworden) behauptet, in Hallein habe es während der NS-Zeit kein Konzentrationslager gegeben.
Dem steht die Tatsache gegenüber, dass Agnes Primocic durch ihr unerschrockenes Auftreten gegenüber dem KZ-Kommandanten 17 Häftlinge befreite und so vor dem sicheren Tode rettete. In Hallein gab es ein Nebenlager des KZ Dachau, was historisch belegt und unbestritten ist. Im Film kommentiert Agnes die Feststellung des FP-Mandatars fassungslos. Uwe Bolius, der Autor des Films hat daraufhin bei der zuständigen ORF-Stelle interveniert und diese hat die Zensur - oder wie anders sollte man es bezeichnen? - damit begründet „es macht wenig Sinn, eine Beschwerde der FPÖ, die zu erwarten ist, zu provozieren“. Kommentar Bolius (laut „Standard“) dazu: „Aus einem mutigen wurde ein feiger Film“. 
Der Vorsitzende des Landeskulturbeirates Jürgen Stenzl hingegen meint: „Die KZ-Wahrheit ist zumutbar“.
Kommentar überflüssig. Schade, denn „Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht“ erfordert die ungeschminkte Wahrheit. Schonungs- und lückenlos.

o.w.

NM-2004 / Nr 7-8 / Jg58 / S11

 

Dachau - Außenkommando Hallein

Als der ORF im Sommer 2001 eine Dokumentation unter dem Titel „Widerstand in Rot-Weiß-Rot“ ausstrahlte, wurde auch Agnes Primocic aus Hallein als Beispiel für den Widerstand in Österreich vorgestellt. Sie erwähnte das „KZ Hallein“ , aus dem sie mehrere Häftlinge retten konnte. Diese Bezeichnung griff der damalige FP-Stadtrat Gerhard Cirlea auf und bezichtigte die Ehrenbürgerin von Hallein der Geschichtsfälschung, weil es kein KZ Hallein
gegeben hätte. Dankenswerterweise unterzog sich der AHS-Lehrer Mag. Wolfgang Wintersteller derAufgabe, den historischen Sachverhalt über das Außenkommando Hallein des KZ Dachau klarzustellen. In einer knappen, inhaltsreichen Broschüre stützt er sich auf die eher spärlichen Dokumente des Archivs der KZ-Gedenkstätte Dachau und ergänzt diese durch Zeitzeugenberichte und vor allem den dokumentarischen Bericht von Sepp Plieseis „Vom Ebro zum Dach Dachstein“. ­Wintersteller bezeichnet seine Darstellung als „vorläufigen Bericht“, weil er mit weiteren Informationen rechnet, die das Bild vervollständigen sollen.

Die äußerst mutige Befreiungsaktion von Häftlingen durch Agnes Primocic wird entsprechend gewürdigt. Die Terminologie bereitet im Allgemeinen große Probleme. Selbst die Eigenbezeichnung „Nationalsozialismus“ müsste in Frage gestellt werden, doch wird sie einfachheitshalber in der wissenschaftlichen Literatur verwendet. Wintersteller bedient sich nicht immer einer einheitlichen Terminologie und vermutlich wäre „Außenkommando Hallein des KZ Dachau“ am adäquatesten für die beschriebene Institution.

Die zeitliche Zuordnung der Verordnung des Reichspräsidenten „zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28.2.1933 (statt 15.2.) kann bei einer wünschenswerten Erweiterung und Neuauflage korrigiert werden. Die Broschüre hat ein weitgehend tabuisiertes Thema der Lokalgeschichte in die Öffentlichkeit gebracht. Den infamen Unterstellungen und Angriffen mancher Politiker wird so der Boden entzogen.

Heinz Strotzkta, Salzburg

Wolfgang Wintersteller: KZ-Dachau - Außenlager Hallein, Hallein 2003.

NM-2003 / Nr 8-9 / Jg56 / S16

 

Salzburg bekam Antifaschismus-Mahnmal

Am Nationalfeiertag wurde in Salzburg auf dem Südtirolerplatz vor dem Bahnhof das Antifaschismus-Mahnmal offiziell übergeben.
Bei der feierlichen Zeremonie, die von Prof. Heinz Strotzka (Antifa-Komitee) eingeleitet wurde, sprachen Bürgermeister Dr. Heinz Schaden, sowie die Zeitzeugen Agnes Primocic (KZ-Verband), Eduard Goldmann (Bund sozialdemokratischer Freiheitskämpfer) und Hofrat Marko Feingold (Lagergemeinschaft Buchenwald), Univ.-Prof. Dr. Hans Haas (Antifaschistisches Personenkomitee) sprach über das Thema „Gedenken in Salzburg“.

NM-2002 / Nr 11 / Jg55 / S4

 

Würdigung für Agnes

Ein Video über Leben und Wirken von Agnes Primocic, Landesobfrau des Salzburger KZ-Verbandes und Ehrenbürgerin von Hallein, wurde vom Kulturforum Hallein am 23. Februar im Stadtkino Hallein, in Anwesenheit unserer 97-jährigen Kameradin sowie des Bürgermeisters Christian Stöckl (ÖVP), des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburgs Marko Feingold, des KPÖ-Bundesvorsitzenden Walter Baier u.v.a. unter dem Motto „Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht“ präsentiert. Agnes Primocic, die wegen ihrer Widerstandstätigkeit während der NS-Zeit mehrere Male inhaftiert war und zusammen mit ihrer Freundin Mali Ziegenleder in einer mutigen Aktion 17 Gefangene aus einem Außenlager des KZ-Dachau am Fuße eines Halleiner Steinbruch befreite und so vordem sicheren Tod bewahrte, hat sich nach der Befreiung bei den französischen und amerikanischen Besatzungstruppen für die Errichtung von Kindergärten und deren Versorgung eingesetzt. Die mit dem Silbernen Verdienst Zeichen der Republik ausgezeichnete Kameradin will, ihrem Motto getreu, mit diesem von Uwe Bolius, Kerstin Dresing und Robert Angst gestalteten Film die Aufforderung zu Dialog und Auseinandersetzung an die Jugend weitergeben.

Das Videoprojekt wurde u.a. vom Nationalfonds, der Österreichischen Nationalbank, dem Bildungs- und Wissenschaftsministerium, der Kulturabteilung der Salzburger Landesregierung, der KPÖ und den Grünen auch finanziell unterstützt.

Die Alfred Klahr-Gesellschaft präsentiert das Video am Freitag, 22. März, um 19.00 Uhr in Wien 1140, Drechslergasse 42. Kameradin Primocic wird anwesend sein und an der anschließenden Diskussion teilnehmen.

NM-2002 / Nr 3 / Jg55 / S1

 

Antifa-Mahnmal in Salzburg vor Realisierung

Das jahrzehntelange Bemühen von KZ-Verband und Antifa-Komitee, ein repräsentatives Mahnmal in der Stadt Salzburg zu errichten, scheint nun endlich in Reichweite zu sein. Das spezifische Salzburger Klima mit einer starken FPÖ hatte bisher alle Bemühungen scheitern lassen. Der Gemeinderat hatte schon in den achtziger Jahren eine unverbindliche Absichtserklärung abgegeben, aber erst vor zwei Jahren kam der Gemeinderatsbeschluss für die Errichtung eines Mahnmals zustande, wobei wegen Stimmengleichheit das Dirimierungsrecht von Bürgermeister Heinz Schaden den Ausschlag gab. Als Aufstellungsort ist der neu gestaltete Bahnhofsvorplatz (Südtiroler Platz) vorgesehen. Wegen der Finanzprobleme der Stadt sollte das Mahnmal möglichst billig sein. So wurde der Entwurf von Grete Schütte-Lihotzky aus den fünfziger Jahren buchstäblich ausgegraben. Ein Arbeitskreis, der sich aus Mitgliedern der Opferverbände und des Antifa-Komitees zusammensetzte, arbeitete eng mit dem Kulturabteilung der Stadt zusammen. Bei diesen Beratungen wurde bekannt, dass der vorgesehene Entwurf schon in Knittelfeld realisiert worden war. Daraufhin beauftragte der Bürgermeister das Kulturamt, einen Internationalen Wettbewerb für das Mahnmal auszuschreiben. Die Gesamtkosten dürfen brutto nicht 2 Millionen ATS überschreiten, was die künstlerischen Möglichkeiten erheblich einschränkt. Eine fünfköpfige, weisungsfreie Jury, der als Vertreter des Antifaschistischen Arbeitskreises Univ. Prof. Dr. Hans Haas angehört, triff die Auswahl. Damit sind endlich konkrete Schritte für die längst überfällige Errichtung des Mahnmals gesetzt worden. Die Diskussionen um das Mahnmal beweisen, dass die Forderung nach einem Abschied von einer aktiven Gedenkpolitik absurd ist.

Heinz Strotzka (Salzburg)

NM-2001 / Nr 10 / Jg54 / S3

 

KZ-Hallein war ein Außenlager von Dachau

FP-Diffamierungsversuch gegen Agnes Primocic gescheitert

In der von ORF 2 am 8. Juni d.J. ausgestrahlten Brennpunkt-Dokumentation „Widerstand in Rot-Weiß-Rot“ porträtierte Andreas Novack österreichische Patrioten, die im Kampf gegen den NS-Terror Menschenleben gerettet, Verfolgte versteckt und ihnen zur Flucht verholfen haben. Unter ihnen auch die Obfrau des Salzburger KZ-Verbandes Agnes Primocic und unseren Innsbrucker Kameraden Hubert Mäscher, Mitglied des Bundespräsidiums des KZ-Verbandes. In dieser seriös recherchierten Dokumentation über die „stillen Helden“ fand der Halleiner FPÖ-Stadtrat Gerhard Cirlea ein (blaues) Haar in der Suppe und schickte folgendes Schreiben an die Presse:


„In der ORF-Sendung „ Brennpunkt“ wurde kürzlich über die 96jährige Agnes Primocic berichtet. Nach ihrer Behauptung hätte sie angeblich 17 Häftlingen aus dem KZ Hallein das Leben gerettet. Diese Behauptung muss unwahr sein, da es in Hallein niemals ein Konzentrationslager gegeben hat. Der ORF hat seine Sorgfaltspflicht verletzt, indem nicht gewissenhaft recherchiert wurde. Es ist sicher wichtig, durch Dokumentationen über die damalige Zeit, unsere Jugend aufzuklären. Wichtig ist aber auch,bei der Wahrheit zu bleiben, und nicht KZs in Gegenden zu erfinden, wo sie Gott sei Dank niemals waren."

Gerhard Cirlea
FPÖ-Stadtrat, Hallein

In der am 28. Juni abgehaltenen Gemeinderatssitzung wies Bürgermeister Stöckl namens des Gemeinderates diese Verleumdung der 1999 zur Ehrenbürgerin ernannten Widerstandskämpferin zurück und forderte Cirlea auf, seine Verleumdungen öffentlich zurückzunehmen und sich zu entschuldigen. Weiters würdigte der Bürgermeister die Bedeutung der Leistungen von Agnes Primocic im Kampf gegen den Nazifaschismus.

Bürgermeister Stöckl stellte mit Verweis auf die entsprechende Literatur klar, dass das im September 1943 in Hallein errichtete Außenlager des KZ Dachau nach wissenschaftlicher Definition als Teil des Stammlagers Dachau und damit, so wie alle Nebenlager, als KZ zu bezeichnen ist.

Als solches wurde es auch von der Republik Österreich im Rahmen der Opferfürsorge anerkannt. Im Nebenlager Hallein. in welchem bis zu 90 Häftlinge einquartiert waren, war auch ein SS-Ersatzbataillon stationiert, und willkürliche Exekutionen von Häftlingen am Schießplatz oberhalb des Steinbuches sind belegt. Mit Unterstützung von Agnes Primocic konnte am 23. Oktober 1943 Sepp Plieseis aus diesem Nebenlager fliehen und in weiterer Folge die Widerstandsgruppe „Willy“ bzw. „Fred“ im Salzkammergut aufbauen. Durch den Einsatz von Primocic wurden kurz vor Kriegsende 17 Häftlinge vor der drohenden Liquidierung gerettet.

Der Gestalter der TV-Dokumentation Andreas Novack übermittelte daraufhin FP-Stadtrat Cirlea ein ausführliches Schreiben, in dem er u.a. ausführte:
Mit Erstaunen habe ich als Gestalter der TV-Dokumentation „Widerstand in rot-weiß-rot“ Ihr Fax gelesen, worin Sie Jahrzehnte historischer Forschung scheinbar negieren oder in Frage stellen.
Gleich vorweg: Den Vorwurf die Sorgfaltspflicht gröblichst vernachlässigt zu haben weise ich ebenso scharf zurück wie die Unterstellung Geschichtsfälschung betrieben zu haben. Mangelndes persönliches historisches Wissen mit der Diffamierung von Personen und des ORF zu kompensieren gehört nicht gerade zu den feinsinnigsten Mitteln von Diskussionskultur. Ich beschäftige mich seit beinahe zwanzig Jahren mit Zeitgeschichte und Sie dürfen versichert sein, dass es mir an Hintergrundkenntnissen nicht mangelt, Zeitgeschichte ist nicht das Ergebnis selektiver Wahrnehmung und persönlicher Wunschvorstellung, sondern wächst aus der Papierform des Faktischen. Und die stellt klar: Das KZ-Hallein hat es gegeben, diese fast 60 Jahre alte Erkenntnis darf ich Ihnen in Ihr geschätztes Gedächtnis rufen.
Das KZ- Hallein war eines der vielen Nebenlager bzw. Außenlager des KZ-Dachau. Aus Gründen der Überfüllung, aber vor allem wegen der immer breiteren Expansion des SS-Betriebsnetzes kam es, geographisch oder strategisch bedingt, immer wieder zu Auslagerungen von Arbeitsstätten und damit zur Dislocierung von Häftlingen.

Die Übernahme der Konzentrationslager-Struktur der Zentrale Dachau" ergibt sich schon allein durch den identen Organisationsaufbau. SS-Bewachung. Baracken, Zwangsarbeit, Erschießungen, etc.
Viele Häftlinge, aber vor allem SS-Bewachung kamen aus Dachau, ebenso Teile des administrativen Personals. Im Straf- und Sanktionsrecht galt die Satellitenfunktion ebenso wie in der Verwaltung. Der ökonomische Profit der Häftlingsarbeit, - ganz gleich in welchem Bereich des vielschichtig verzweigten Firmennetz der SS kam dem „Stammlager“ zu Gute.

Als KZ sind alle Formen von Haftstätten zu verstehen, - auch wenn deren äußeres Erscheinungsbild diesen Eindruck auf den ersten Blick vielleicht nicht vermittelt, - die ausschließlich zum Zweck des Arbeitseinsatzes und der Unterbringung von Regimegegnern und aus rassischen Gründen Verfolgten, während der NS-Zeit errichtet wurden, und die, - im Gegensatz zu Gefängnissen, die großteils der Justizverwaltung unterstanden, ausschließlich dem Kommando, der Willkür und den Arbeitsbefehlen der SS unterstellt waren. Das gilt für Hallein.

Im konkreten Fall kommt noch ein SS-Ersatzbataillon dazu. Klar belegt ist auch die willkürliche Exekution von Häftlingen am Schießplatz oberhalb des Steinbruches.
Dass die Gefangenen aller Lager, unter schwersten Bedingungen in Rüstungsbetrieben, Steinbrüchen, und anderen Wirtschaftsbetrieben der SS, oft mehr als 12 Stunden täglich, ohne Rücksicht auf ihre körperliche Verfassung arbeiten mussten, steht außer Zweifel und ist auch für Hallein belegt.
Es scheint Ihrer Aufmerksamkeit entgangen zu sein, dass das international völlig unumstrittene, nach Kriegsende erstellte Haftstättenverzeichnis des Roten Kreuz, - auf dessen Grundlage sowohl in Österreich als auch in Deutschland die Haftentschädigung im Rahmen der Opferfürsorge geregelt wurden, - Hallein klar als Konzentrationslager definiert.

Auch Sepp Plieseis wurde von Agnes gerettet

Vielleicht sollten Sie, wenn es Ihre Zeit erlaubt, Frau Primocic einmal einen Besuch abstatten, um in Ihre Nachkriegs-Korrespondenz Einsicht zu nehmen. Da werden Sie auf Schreiben stoßen in denen Geflüchtete (z.B. Leopold Jansa,) große Dankbarkeit für die ihnen durch Frau Primocic zuteil gewordene Rettung zum Ausdruck bringen.
Der Widerstandskämpfer Sepp Plieseis, ein von Dachau nach Hallein deportierter Häftling, wurde durch Fluchthilfe von Frau Primocic gerettet. Er gründete anschließend im Salzkammergut eine Widerstandsgruppe, der es gelang die Gegend vor sinnloser Zerstörung durch die SS zu bewahren. Dies ist indirekt auch ein Verdienst von Frau Primocic.

Im Übrigen, und dies scheint mir das Wichtigste: Abseits aller Fakten, ist es völlig unerheblich unter welcher bürokratischen Bezeichnung, (KZ, Straflager, Arbeitslager, Anhaltelager, Gefängnissen) Menschen damals Repressionen ­und Terror ausgesetzt waren. Das Erleben von Schmerz, Willkür, Demütigung, Freiheitsentzug und täglicher Lebensgefahr knüpft sich nicht an die Bezeichnung der Haftstätte. In einem Vernichtungslager ist man sofort vergast worden, in allen anderen Lagern drohte täglich die „Vernichtung durch Arbeit“.

Leider hat es die knapp bemessene Zeit nicht erlaubt, in meiner Dokumentation detailreicher auf die Vorkommnisse im KZ-Hallein einzugehen, dies wäre jedoch, nicht zuletzt auf Grund Ihres Schreibens dringend geboten.
Zum Abschluss darf ich Ihnen nur eines empfehlen: Sind Sie stolz auf Ihre Ehrenbürgerin, freuen Sie sich eine solche Frau in Ihrer Gemeinde zu haben und veranstalten Sie im Sinne einer konstruktiven, neugierigen, abseits der Verdrängung angesiedelten Annäherung an ihre Stadtgeschichte, ein historisches Symposium über Hallein während der NS-Zeit. Dann werden auch Sie in die Geschichte eingehen.

NM-2001 / Nr 8-9 / Jg54 / S3

 

Rosa Hoffmann

Gedenkfeier in Salzburg

Am Dienstag, dem 13.3.2001 veranstalteten der KZ-Verband, die KPÖ und die KJÖ-Juli eine Gedenkfeier zum 58. Todestag Rosa Hoffmanns. Mehr als 30 Menschen versammelten sich im Salzburger Stölzlpark, um der Salzburger Widerstandskämpferin zu gedenken. Rosa Hoffmann war Mitglied des Kommunistischen Jugend-Verbandes und maßgeblich an Flugblattaktionen, in denen zum Kampf gegen den Hitlerfaschismus und zur Waffenniederlegung aufgerufen wurde, beteiligt. Sie wurde in 1943 in Salzburg verhaftet und in Berlin, Plötzensee, hingerichtet.

NM-2001 / Nr 4 / Jg54 / S7

2001/4 - 2005/9