75 Jahre Befreiung von Faschismus und Krieg

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

4. Mai 1945 – 4. Mai 2020


KZ-Verband/VdA Salzburg zum 75. Jahrestag der Befreiung Salzburgs vom Nationalsozialismus:

Den antifaschistischen Auftrag der Zweiten Republik ernst nehmen! Gedenken an das letzte Opfer der Mordmaschinerie in Salzburg: Michael Chartschenko.


Am 29. März 1945 erreichte die 3. Ukrainische Front der Roten Armee zum ersten Mal österreichischen Boden bei Klostermarienberg im (damals nicht existenten) Burgenland. Erst einen Monat später, am 28. April, sollten die Westalliierten in Tirol Österreich betreten. Einen Tag davor, am 27. April, wird im bereits vom NS-Terror befreiten Wien die Unabhängigkeit Österreichs proklamiert. Am 4. Mai 1945 schließlich wird die Stadt Salzburg von der Deutschen Wehrmacht an die 3. US-Infanterie-Division übergeben.


Am 8. Mai dann die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht – in Europa ist der Zweite Weltkrieg zu Ende. Damit waren die Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft beendet, die im Jänner 1933 mit Adolf Hitler an der Spitze einer bürgerlichen Koalitionsregierung begonnen hatte, die in den industriellen Massenmord und die in einen Millionen Tote fordernden Krieg mündete. Der Schriftsteller Erich Kästner notierte am 8. Mai 1945 dazu in seinem Tiroler Versteck: Die Unschuld grassiert wie die Pest.“


Faschisierung der Gesellschaft

Der KZ-Verband/VdA Salzburg nimmt den 75. Jahrestag der Befreiung Salzburgs zum Anlass, den antifaschistischen Grundkonsens der Zweiten Republik einzumahnen. Geschichte wiederholt sich nicht, die Zeichen an der Wand sind aber überdeutlich: In halb Europa sind rechtsextreme und faschistische Parteien in den Regierungen. Rassismus und Sozialdarwinismus prägen den Diskurs, die Faschisierung der Gesellschaft schreitet voran. Auch in Österreich sind rechte und rechtsextreme Haltungen bis weit in die „bürgerliche Mitte“ wieder salonfähig geworden. Das Eintreten für die ungeteilten Menschenrechte war und ist längst keine Selbstverständlichkeit.


Ein stabiles Sozialsystem

Erich Kästners – „Die Unschuld grassiert wie die Pest“ vom 8. Mai 1945 – erinnert aber auch daran, dass die NS-Diktatur über weiter Strecken auch eine Zustimmungsdiktatur war. Die Angst vor sozialem Abstieg, wirtschaftliche Deklassierung, soziale Not waren schon immer ein guter Nährboden für die Zustimmung zu faschistischen Ideologien. Der Massenmord an den jüdischen Bürgern und Bürgerinnen war auch ein Raubzug, um an jüdischen Besitz zu gelangen. Der antifaschistische Auftrag der Zweiten Republik bedeutet auch für ein stabiles Sozialsystem zu sorgen und den radikalen Marktkonzepten endlich eine Absage zu erteilen.


Michael Chartschenko – ermordet am 4. Mai 1945

Die ganze Brutalität und Entmenschung des Hitler-Faschismus wird am Beispiel von Michael Chartschenko deutlich: Der junge Ukrainer trägt die Nummer 66698: ein Dachauer KZ-Häftling, der die Arbeitskommandos Schuttaufräumen, Bombensuchen und Entschärfen von Zeitzündern, somit das »Himmelfahrtskommando« überstanden hatte. Er wurde am 4. Mai 1945, also zeitgleich mit der Befreiung der Stadt Salzburg durch US-Truppen, im Volksgarten von SS-Männern erschossen und notdürftig verscharrt. Für Michael Chartschenko ist im Volksgarten ein Stolperstein verlegt.

Link: Stolpersteine – Michael Chartschenko

PRESSEINFO - KZ-Verband/VdA Salzburg vom 03. Mai 2020


Hinweis:

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Link: Beitrag des Bundesverband