75 Jahre „Sturm“ auf Goldegg


Am 2. Juli 1944 ereignete sich der sogenannte "Sturm" auf Goldegg.

Bereits im Herbst 1943 ignorierte Karl Rupitsch, der bekanntlich ein Regimegegner war, den Einberufungsbefehl und tauchte unter. Bei Bauern und Freunden fand er vorerst Unterschlupf. Im Laufe der nächsten Monate konnte er einige Fronturlauber überreden, nicht mehr an diesem Angriffskrieg teilzunehmen. Sie hielten sich bei befreundeten Bauern in Taxenbach, Dienten und Goldegg-Weng sowie auf umliegenden Almen auf. Mit Nahrung und Kleidung wurden sie von der Wenger Dorfgemeinschaft versorgt. Aber auch Vieh- und Wilddiebstahl trugen zu ihrem Speiseplan bei. Diese Solidarität mussten viele im KZ büßen.


Vor den Fahndungen der Gendarmerie wurden sie von Freunden und Oppositionellen gewarnt. Schließlich gab SS Obergruppenführer Ernst Kaltenbrunner den Befehl an die Gestapo Salzburg durchzugreifen. In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 1944 machten 70 Gestapobeamte, unterstützt von 1000 Mann von der Waffen-SS aus Hallein Jagd auf die 6 Deserteure und ihre Helfer und Helferinnen. Zwei unbeteiligte Bauernsöhne wurden dabei meuchlings erschossen. Ein Deserteur fiel im Kugelhagel.

Drei Gesuchte entkamen, zwei davon wurden kurz darauf aufgegriffen. An diesem Tag und bei einer zweiten Verhaftungswelle wurden ca. 50 Personen verhaftet, 25 davon nach Verhören und Folterungen in verschiedene KZ verbracht. Insgesamt forderte diese Tragödie 14 Todesopfer.


Ursprünglich genossen die Wehrmachtsdeserteure noch Anerkennung. Am 28.10.1945 fand in Goldegg ein Trauergottesdienst und eine Gedenkfeier für die durch die SS und SA ums Leben gekommenen Opfer des 2. Juli 1944 statt, wie aus dem Bericht des Demokratischen Volksblattes vom 30. Oktober 1945 berichtet wurde.


"Wir werden für immer unseren Bauern und Bäuerinnen, die so ehrenhaft und tapfer gegen das NS Regime eingetreten sind, verbunden bleiben und ein bleibendes Denkmal setzen."


Wie so oft, bestimmten auch in Goldegg nach dem Krieg "Ehemalige" die Ortskultur und die Opfer / Täter-umkehr wurde zum allgemeinen Narrativ. In der unter Bürgermeister Mayr und Vizebürgermeister Cyriak Schwaighofer, der auch Obmann des Kulturvereines Goldegg war und ist, nach dem Erscheinen mehrfach kritisierten Ortschronik 2008 werden die Fahnenflüchtigen vom Böndlsee u.a. als "Gefährliche Landpage" bezeichnet.

Die Deserteure werden an den Pranger gestellt, während einem SS Obersturmführer - Adjutant des Gauleiters Scheel, eine mehrseitige Bühne geboten wird. Der damalige Vizebürgermeister Cyriak Schwaighofer versicherte, dieses Kapitel zu berichtigen. Geschehen ist bis 2018 nichts.


Erst durch heftige Kritik dieser skandalösen Aussagen durch den Leiter des Landesarchivs Salzburg im Herbst 2018 hat die Gemeinde Goldegg einen Historiker der Universität Salzburg beauftragt, die NS Zeit in der Chronik neu zu bewerten.


Trotz mehreren Anregungen hat sich die Gemeinde Goldegg stets geweigert, den Opfern des "Sturm" ein Denkmal zu setzen. Zum 70. Jahrestag am 2.7.2014 hat Brigitte Höfert, Tochter des Wehrmachts-verweigerers Karl Rupitsch, einen Gedenkstein für die 14 Todesopfer initiiert und finanziert.


Das Resultat war leider eine breite Front der Ablehnung in der Gemeinde, die dann auch keinen öffentlichen Platz für den Gedenkstein zur Verfügung stellte. Auch eine angedachte Gedenkfeier wurde abgelehnt. Sogar der örtliche Pfarrer hat für ein Friedensgebet keinen auswärtigen Priester erlaubt. Am 8. August 2014 konnte dann der Gedenkstein bei einer würdigen Feier auf einem privaten Grundstück enthüllt werden. Im Herbst 2014 wurde dann beschlossen, den Verein "Freunde des Deserteurdenkmals in Goldegg-Plattform für regionale Erinnerungskultur" zu gründen.




Schmerzlich für die Stifterin, die Vereinsmit-glieder und Freunde war die Schändung des Gedenksteines in der Nacht vom 1. auf 2. September 2018. Penibel wurden mit grünem Lack alle Namen und Daten übersprüht, ganz im Sinne der NS - kein Grab, Auslöschung der Namen. Die Täter wurden bis heute nicht ausgeforscht.




Brigitte Höfert

Obfrau des Vereins der Freunde des Deserteurdenkmals in Goldegg

Verein der Freunde des Deserteurdenkmals in Goldegg

Weitere Informationen:

Salzburg Wiki

Nationalfond

Ravensbrückerinnen

Geschichtswerkstatt-St. Johann

Geschichtswerkstatt-St. Johann

Im Schatten der Mozartkugel


Regenerationszentrum Goldegg

Salzburger Gebietskrankenkasse


Auszug aus der Ortschronik

Schloss Goldegg


"In der Kurve"

Premiere des Films "In der Kurve" von Frau Gabriele Hochleitner in Goldegg am 2. Juli 2014


Gedenkstein für Deserteure enthüllt

ORF - Salzburg Heute - 8. August 2014


Die Ungehorsamen

Ausschnitt - ORF 2009


Amtskalender

NS-Gauleitung und Kreisleitung Salzburg Gliederungen




Hörbuch

Heimat, welcher Söhne bist du? Dr. Ernst Kaltenbrunner

Lebensstationen des Dr. Ernst Kaltenbrunner - NS-Reichssicherheitshauptamts in Berlin

Maßgeblich an der Organisation des NS Massenmords beteiligt. Im Oktober 1946 zum Tode verurteilt.


Produktion: Rudolf Schober 2016

dorfTV.at