Ehemalige Nationalsozialisten - und die Anfänge der FPÖ.

Aktualisiert: 2. Apr 2019

Vortrag mit Margit Reiter

am Donnerstag, 21. März 2019 um 19:00 Uhr in der Academy Bar.


- Wir griffen im März in Kooperation mit dem Bund Sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA) ein besonders heißes Thema mit politischer Brisanz auf:


Nationalsozialistische Kontinuitäten innerhalb von VdU und FPÖ im Nachkriegsösterreich. Der Vortrag der Historikerin Margit Reiter beleuchtet die personellen und ideologischen Verstrickungen der österreichischen Rechtspartei mit dem NS-Milieu nach 1945.


Viele ehemalige NationalsozialistInnen sind auch nach 1945 ihren Überzeugungen treu geblieben und bewegten sich in einem gemeinsamen sozialen und politischen Erinnerungsmilieu. Diese „Ehemaligen“ haben sich bald nach Kriegsende wieder politisch organisiert und selbstbewusst ihre Agenda vertreten. Viele von ihnen formierten sich 1949 im Verband der Unabhängigen (VdU), aus dem nach Richtungskämpfen im nationalen Lager 1955/56 die FPÖ hervorging. Die FPÖ war die (partei)politische Repräsentantin der gesinnungstreuen „Ehemaligen“, an deren Spitze der hochrangige Nationalsozialist Anton Reinthaller stand. Nach dessen Tod 1958 übernahm sein junger Vertrauter Friedrich Peter, ein ehemaliges SS-Mitglied, die FPÖ.


Margit Reiter zeichnete im Vortrag den politischen Formierungsprozess der „Ehemaligen“ in der frühen FPÖ nach. Welche personellen und ideologischen NS-Kontinuitäten, aber auch Anpassungsprozesse gab es? Wer hatte in der Partei Platz, wovon grenzte man sich aber auch ab? Der Vortrag gab einen Einblick in das „Ehemaligen“-Milieu und seine vielfältigen Verflechtungen mit der freiheitlichen Partei. Die Anfänge der FPÖ und ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus sind aufgrund bestehender Kontinuitäten nach wie vor von hoher politischer Aktualität.


In Kooperation mit,


Kurzbiografie:

Doz.in Dr.in Margit Reiter lehrt und forscht als Dozentin für Zeitgeschichte an der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: Antisemitismus und Antiamerikanismus, Beziehungen Österreich–Israel und Europa–USA, Nationalsozialismus und NS-Nachgeschichte, Generation und Gedächtnis. Zahlreiche Publikationen u.a.: Unter Antisemitismus-Verdacht. Die österreichische Linke und Israel nach der Shoah (2001), Die Generation danach. Der Nationalsozialismus im Familiengedächtnis (2006/2017), Europa und der 11. September 2001 (2011). Der Vortrag basiert auf ihrem aktuellen FWF-Projekt „Antisemitismus nach der Shoah. Ideologische Kontinuitäten und politische Umorientierung im ‚Ehemaligen’-Milieu in Nachkriegsösterreich“. Im Herbst 2019 erscheint das Buch: Die Ehemaligen. Vom Nationalsozialismus zur frühen FPÖ, Göttingen (Wallstein Verlag).

Radiofabrik Mitschnitt:

„Die Ehemaligen: politische Reorganisation und Reintegration von NationalsozialistInnen im VdU und FPÖ“



Mitschnitt einer Veranstaltung vom 24. Mai 2018,

organisiert von STV Geschichte, STV Doktorat KGW, der ÖH Salzburg und erinnern.at

Das „Dritte Lager“. Die politische Formierung von ehemaligen NationalsozialistInnen nach 1945


Teil der Ringvorlesung „100 Jahre Republik Österreich“.

Dezember 2018

Bilder der Veranstaltung vom 21. März 2019 in Salzburg