Salec Beldengrün: Erinnerungen

Aktualisiert: Sept 28

Anlässlich der Gedenkfeier in Surberg, 3. Mai 2009



Salec Beldengrün - Surberg, 3. Mai 2009

„Ich komme aus einer jüdischen Familie aus einem Ort in der Nähe von Krakau in Polen. Wir waren vier Kinder. Ich war der Jüngste, dann kam mein Bruder Alec, 1925 geboren, dann Romec, 1923 geboren, und schließlich meine Schwester Hanna, 1920 geboren.

Ich war 14 Jahre, als ich von einem meiner beiden Brüder erfahren habe, dass meine ganze Familie wegtransportiert worden ist. Das war 1943. Wir Brüder hatten damals in einer Kaserne der deutschen Wehrmacht nahe unseres Heimatortes gearbeitet und wurden dadurch vom Transport in die Vernichtung verschont. Von meinem Vater, seinen vier Brüdern, der Schwester, deren ganzen Familien und auch von meiner Mutter habe ich nie wieder etwas gehört. Sie wurden alle ermordet.


Im Mai 1943 sind wir dann selbst in ein Lager transportiert worden. Frühmorgens ist SS gekommen und hat uns mit Lastwägen ins Arbeitslager Plaszov bei Krakau gebracht. Dort hat man Zimmerleute gebraucht zum Barackenbau. Wir waren etwa 50 Leute beim Barackenbau. Der Lagerleiter dort war der berüchtigte SS-Mann Amon Göth. Wir Häftlinge waren seiner Willkür schutzlos ausgeliefert. Aber von der Zeit in diesem Lager will ich hier nicht reden.

Als die sowjetische Armee 1944 allmählich nach Krakau vorrückte, wurde das Lager aufgelöst. Es sind aber noch etwa 450 Häftlinge geblieben, um das Lager abzubauen. Da waren auch wir Zimmermänner dabei. Die ganzen Baracken, die wir aufgebaut hatten, wurden jetzt zerlegt und nach Deutschland geschafft.


Am Sonntag, den 14. Januar 1945 ist dann der Lagerkommandant gekommen und hat gesagt: Nehmt mit, was ihr könnt, ihr kommt weg.

Wir wussten nicht, wohin es geht. Und so sind wir nach Auschwitz zu Fuß gelangt. Wir mussten gleich ins Bad – und da haben wir geglaubt, so, das ist jetzt das Ende, jetzt werden wir umgebracht. Aber wir sind in Baracken gebracht worden, zwei Nächte sind wir dort geblieben. Dann hat es auf einmal geheißen: „Alle raus aus dem Block und vor das Tor und antreten!“. Es waren acht Reihen, ganz viele Leute.


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Bilder: Gedenkfeier in Surberg, 3. Mai 2009

Bilder: ©Dieter Braeg


Salomon (Salec) Beldengrün, geboren am 4. November 1927 in Bochnia bei Krakau, Schwester und Eltern überlebten den Holocaust nicht, er überlebte mit zwei Brüdern die Konzentrationslager Plaschov, Auschwitz, Oranienburg, Flossenbürg, Ganacker; er erlebte das Kriegsende in Waging, wo er bis 1947 blieb; 1948 Übersiedlung mit beiden Brüdern nach Israel, Arbeit in einer Spedition; lebt in Petach Tikwa bei Tel Aviv, ist verwitwet, hat eine Tochter und drei Enkel.

Nachruf: Salec Beldengruen (4.November 1927 - 26. August 2020)

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