Salzburgs Sport in der NS-Zeit - Zwischen Staat und Diktatur

Minas Dimitriou, Oskar Dohle, Walter Pfaller und Andreas Praher (Hg.)

Der Sammelband „Salzburgs Sport in der NS-Zeit. Zwischen Staat und Diktatur“ setzt sich erstmals auf breiter Quellenbasis mit der Geschichte des Sports zur Zeit des Nationalsozialismus im Bundesland Salzburg auseinander.


Als erstes Bundesland Österreichs hat sich das Land Salzburg in einem interdisziplinären Forschungsprojekt umfassend der Erforschung der Geschichte des Sports während der nationalsozialistischen Herrschaft gewidmet. Der von Minas Dimitriou, Oskar Dohle, Walter Pfaller und Andreas Praher herausgegebene Sammelband beleuchtet in 21 Beiträgen von 12 Autorinnen und Autoren die Alltags-, Kultur-, und Sozialgeschichte des Sports vor, während und nach dem Nationalsozialismus. Die Eingliederung des Sports in die nationalsozialistische Diktatur konnte dabei auf Entwicklungen der Zwischenkriegszeit zurückgreifen. Die Erste Republik war geprägt von einer Instrumentalisierung und Radikalisierung des Sports durch Parteien. Der austrofaschistische Ständestaat bedeutete das Ende der Arbeiterbewegung und des Arbeitersports. Bereits in den 1920er-Jahren erließen einzelne Vereine und Verbände „Arierparagraphen“ und schlossen damit jüdische Sportlerinnen und Sportler aus dem Vereinsleben aus. In völkischen Turnvereinen wurden männerbündische Seilschaften aufgebaut, die ab 1938 wirksam wurden. Der Band geht der Frage nach wie Sport in weiterer Folge für die NS-Rassenideologie, für propagandistische Ziele wie der „Volksgesundheit“ und den Vernichtungskrieg eingesetzt wurde und fragt nach dem Umgang mit dem NS-Sport und belasteter Sportlerinnen und Sportler im Nachkriegsösterreich. Damit ist der Band nicht nur ein wichtiger Beitrag für die historische Forschung, sondern auch im Sinne der Erinnerungskultur. „Das Bild des unpolitischen Sports und des unpolitischen Sportlers bzw. der unpolitischen Sportlerin prägte die Erzählung der Sportgeschichte in der Nachkriegszeit bis zum heutigen Zeitpunkt. Mit diesem Band sollen die dadurch entstandenen Mythen dekonstruiert und die Sichtweise geändert werden“, erklärt Historiker und Mitherausgeber Andreas Praher.


Der Band „Salzburgs Sport in der NS-Zeit. Zwischen Staat und Diktatur“ (2018) kann zum Preis von 27 Euro (inkl. Versand) über die Landessportorganisation (LSO) bestellt werden: sport@salzburg.gv.at


Nähere Informationen und Unterlagen zum interdisziplinären Forschungsprojekt, das die LSO in Zusammenarbeit mit dem interfakultären Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Salzburg sowie dem Salzburger Landesarchiv geleitet hat, finden Sie unter www.salzburg.gv.at/themen/sport/dokumentationsprojekt-sport-in-der-ns-zeit