Antwort auf die Ehrung eines Nazi: KZ-Verband und Freiheitskämpfer organisieren Spendenaktion

Aktualisiert: 9. Dez 2019

Antwort auf die Ehrung eines Nazi : KZ-Verband und Freiheitskämpfer organisieren Spendenaktion für Grab einer in Auschwitz ermordeten Sinti-Familie.


Nach der am 05. Dezember 2019 im Kulturausschuss des Salzburger Gemeinderates beschlossenen Verlängerung des Ehrengrabes des Komponisten Hans Schmid starten der Bund sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen und der KZ-Verband eine Spendenaktion für die Erhaltung eines Familiengrabes am Kommunalfriedhof, in welchem Mitglieder einer Sinti-Familie aus Salzburg ihre letzte Ruhe gefunden haben.


Die Familie war bis 1943 im „Zigeunerlager“ Maxglan interniert, eine Angehörige der Familie wurde von NS-Propagandistin Leni Riefenstahl für Filmprojekte als Komparsin missbraucht. Ein großer Teil der Familie wurde nach Auflösung des Lagers Maxglan in Auschwitz ermordet.


Im November wandte sich nun eine Angehörige der Familie in einem Schreiben an die Salzburger Öffentlichkeit mit der Bitte um Hilfe. Die in Wien lebende Frau hat Sorgen, auf Dauer die Grabstätte ihrer Verwandten nicht mehr finanzieren zu können. Hier der Originaltext (ohne Namen) des Briefes:

Ich bin die Enkelin von Frau XXX, die mit ihrer Großfamilie im Zigeunerlager Maxglan bis zur Auflösung im April 1943 interniert gewesen ist. Meine Großmutter ist zwar kurz davor verstorben aber der Rest der Familie wurde nach Ausschwitz deportiert und hat dort auch großteils den Tod gefunden. Meine Mutter XXX hatte nach Kriegsende und nachdem sie ihre Haftentschädigung erhalten hatte, eine Grabstelle auf dem Salzburger Kommunalfriedhof Nr. XXX gekauft und dort ihre toten Angehörigen - meinen Großvater XXX aus Braunau und meine Großmutter XXX vom Friedhof Maxglan mit der Urne ihres Sohnes aus Ausschwitz und ihren zweiten Sohn XXX - zusammenlegen lassen. Bis 2001 hatte mein Vater XXX die Verfügungsberechtigung für dieses Grab. Seit 2001 hat diese der Enkel von XXX aus Deutschland übernommen. 1989 wurde meine älteste Tante, Frau XXX in diesem Grab beerdigt. Vorigen Dezember wurde die Grabbenützung um weitere 10 Jahre verlängert. Und jetzt kommt mein großes Anliegen: wir möchten nachfragen, ob wir diese Grabbenützung auf Friedhofsdauer erbitten können. Wir haben Angst, dass wir die künftigen Gebühren nicht mehr aufbringen können da wir "alten", sprich die Enkelkinder wegsterben und die Urenkel sich nicht mehr verpflichtet fühlen werden, für dieses Grab aufzukommen, da die "Jugend" jetzt hauptsächlich "freie Christen" geworden sind und sich mit den römisch-katholischen "Altlasten" nicht mehr belasten wollen. Wir, das sind meine Schwestern XXX, XXX und ich haben nun die größten Befürchtungen, dass unsere Toten ihre letzte Ruhestelle verlieren, wenn wir nicht mehr das Geld aufbringen können bzw. wegsterben. Das hätten sie sich nicht verdient, nachdem sie so bittere Zeiten mitmachen mussten. Gäbe es eine Möglichkeit, dass die Stadt Salzburg uns die Gnade einer Grabbenützung auf Friedhofsdauer gewähren würde?


Freiheitskämpfer und KZ-Verband/VdA haben nun ein Spendenkonto eingerichtet, um der Familie das Grab zu erhalten. Wenn die Stadt Salzburg per Mehrheitsbeschluss (ÖVP, SPÖ, FPÖ) das Grab eines NSDAP-Parteigängers finanziert, dann finanziert die demokratische Zivilgesellschaft das Grab der Opfer!


Spendenkonto:

Graberhaltung – Opferfamilie

IBAN: AT47 1500 0002 1116 7101

BIC: OBKLAT2L