Von den Nazis in den Tod getrieben

Aktualisiert: Aug 31

Johann Braxenthaler - Antifaschist - Traunsteiner Stadtrat


Johann Braxenthaler

vlg. Brax / Hans, geboren am 08. Juli 1893 in Thannsberg, Gemeinde Fridolfing, am 07. August 1937 von den Nazi-Schergen zu Tode gehetzt.

» Ganz in der Früh « haben sie ihn dann holen wollen, ganz früh war's, des weiß ich noch genau, aber bevor der erste Polizist auf die Leiter gestiegen ist, hat's schon gekracht. Er war halt so durcheinander und hat uns immer wieder gesagt, dass er sich eher umbringt, als dass er nochmal nach Dachau geht. «


So erinnerte sich Kreszenz Jana an jenen Morgen des 7. August 1937,als sich der bekannte Traunsteiner Kommunist und ehemalige Stadtrat Johann Braxenthaler selbst erschoss. 30 Polizisten, von Landespolizei verstärkt, waren angerückt um ihn in seinem Versteck in der Scheune des Löffler-Bauern auf dem Hochberg festzunehmen und erneut ins KZ-Dachau zu verschleppen.


Hätten die Nazis Braxenthaler lebend erwischt, so wäre ihm ein Prozess wegen »Hochverrats«, langjährige Zuchthausstrafe und dann abermals Konzentrationslager sicher gewesen. Ob er das überlebt hätte, ist fraglich, denn er gehörte seit dem Machtantritt der Nazis zu deren meist gehassten Gegnern in Bayern. Und das hatte Braxenthaler dann gleich im April 1933 zu spüren bekommen:


Auf der Transportliste von 27 Häftlingen aus dem Kreis Traunstein ins KZ-Dachau stand er nicht nur an erster Stelle, sondern war durch zwei Kreuze (auch der Traunsteiner Rupert Berger von der Bayerischen Volkspartei und der Trostberger Kommunist Josef Mayer waren markiert) besonders gekennzeichnet. Ein Mithäftling, Hans Muggenhamer aus Traunstein, erinnert sich:


" Mit dem Bus sind wir in der Früh' gleich nach Dachau gebracht worden. Dann haben wir an einem großen Tor gehalten, wir haben nicht gewusst, wo wir sind. Dann haben sie uns in eine Halle rein, saukalt war's, wir mussten uns nackt ausziehen. Gleich wie wir gekommen sind, hat es geheißen: »Wo ist Braxenthaler?«

Ja, der Hans hat » hier « gerufen. Dann sagt einer von der SS: »Was waren Sie?« - »Ein Arbeiterführer«, hat der Hans geantwortet. »Was? Ein Arbeiterverräter waren Sie«, hat er ihn angebrüllt. Er hat nur auf die Liste geschaut, da hat er gewusst was los ist. Und dann kamen der Berger und dann der Mayer Sepp von Trostberg dran. Die drei haben sie gleich weg und haben sie so verdroschen, die haben dann am blanken Betonboden liegen müssen, kein Bett, kein Stroh. nichts.(. ..). Den (Braxenthaler) haben sie so traktiert; zum Beispiel haben sie ihm die Pistole in den Mund gehalten und gesagt: »Darf ich jetzt abdrücken?«

Der war jeden Tag erledigt, den haben sie total fertig gemacht.


Chiemgau-Blätter, August 1997
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... verschiedenen Zeitungsartikel:


Von der Gestapo in den Tod getrieben

Vor 80 Jahren erschoss sich Hans Braxenthaler auf dem Hochberg

05. August 2017 - Traunsteiner Tagblatt


Kommunistenverhaftungen

Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat gegen die beiden Kommunistenführer Braxenthaler und Halser sowie gegen fünf weitere Rädelsführer, die am 6 . März die Demonstrationen in Traunstein inszeniert hatten, Haftbefehl erlassen und alle sieben in Untersuchungshaft abführen lassen.

12. März 1930 - Salzburger Volksblatt - S. 9


Die Reichenhaller Saalschlacht vor Gericht Traunstein, 10. September. Vor dem hiesigen Schöffengericht begann am Donnerstag die Verhandlung gegen 18 Kommunisten und Nationalsozialisten, die sich an der Saalschlacht im Hotel Deutscher Kaiser in Bad Reichenhall am 6. März beteiligt hatten. Ein umfangreicher Sicherungsdienst sorgte für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung. Nach der Anklageschrift war die Versammlung von 600 Personen besucht, darunter von 150 Kommunisten und Reichsbannerleuten. Der Referent des Abends, Landtagsabgeordneter Wagner (NSDAP.), konnte seine Rede so ziemlich ungestört vollenden. Nach den Ausführungen des Kommunistenführers Braxenthaler entstand plötzlich unerhörter Lärm, als der Redner des Abends das Schlußwort sprechen wollte. Es flogen sofort Biergläser, mit Stuhlbeinen schlug man aufeinander ein. Die ganze Rauferei dauerte etwa drei Minuten, das Ergebnis waren 30 Verletzte, darunter drei schwer. Ein Salzburger büßte ein Auge ein, da ihm der Scherben eines Bierglases ins rechte Auge gedrungen war. Die Kommunisten bestritten vor Gericht, daß sie die Absicht gehabt hätten, die Versammlung zu stören.

12. September 1931 - Salzburger Wacht - S. 6


Die Reichenhaller Saalschlacht Traunstein, 11. September. Vor dem hiesigen Schöffengericht hat am Donnerstag die Verhandlung gegen siebzehn an der Reichenhaller Saalschlacht beteiligten Personen begonnen. Es handelt sich um jene Vorfälle, die sich am 6. März d. J. anläßlich einer nationalsozialistischen Versammlung im Hotel „Deutscher Kaiser" ereignet haben. An dieser Versammlung nahmen außer Nationalsozialisten aus Bad Reichenhall und Umgebung auch SA.-Leute aus Traunstein, Laufen, Berchtesgaden, Salzburg, Hallein usw. teil, desgleichen auch zirka 150 marxistische Gegner. Der Referent des Abends, der nationalsozialistische Münchner Landtagsabgeordnete Wagner, konnte seine Rede so ziemlich ungestört vollenden. Nach den Ausführungen des Kommunistenführers Braxenthaler entstand aber plötzlich unerhörter Lärm, als der Redner des Abends das Schlußwort sprechen wollte. Es flogen sofort Biergläser, mit Stuhlbeinen schlug man aufeinander ein. Die ganze Rauferei dauerte etwa drei Minuten, das Ergebnis waren 30 Verletzte, von denen drei schwer verletzt waren. Ein Salzburger SA-Mann büßte ein Auge ein, da ihm der Scherben eines Bierglases ins rechte Auge gedrungen war. Die Angeklagten gehören allen an der Saalschlacht beteiligten Parteien an; sie wurden eingangs der Verhandlung vom Vorsitzenden aufgefordert, ihre Parteizeichen zu entfernen. Wir werden über das Urteil berichten, das erst im Laufe des heutigen Tages gefällt werden dürfte.

12. September 1931 - Salzburger Chronik - S. 8


Bayerische Bauern „pilgern" nach Rußland Traunstein, 4. Nov. Hier haben sich unter Führung des Kommunisten Braxenthaler 25 Bauern aus den Bezirken Traunstein, Rosenheim und Mühldorf zu einer Reisegesellschaft zusammengetan, die dieser Tage zu „Studienzwecken" nach Sowjetrußland abreiste. Nach dem „Traunsteiner Wochenblatt" mußte die Reise bis zur russischen Grenze von den Bauern selbst bestritten werden. Der Aufenthalt in Rußland, der  angeblich zum „Studium" der russischen Landwirtschaft gedacht ist, soll sich auf 3 bis 4 Wochen erstrecken.

05. November 1931 - Tiroler Anzeiger - S. 4


Russlandreisende

Der Oberkommunist Braxenthaler von Traunstein ist mit 17 seiner bäuerlichen Freunde aus verschiedenen Gemeinden des Chiemgaues in Moskau angekommen und von den Sowjetbonzen großartig empfangen worden. Diese Reise stellt für die kommunistische Partei eine große Werbeaktion dar, auf die die Russen sofort eingegangen sind. Die 17 Bauern werden eine Woche hindurch in Moskau und Leningrad herumgeführt, es wird ihnen alles Schöne gezeigt und hochbefriedigt werden sie in die Heimat zurückkehren, um in der Zukunft als Sendboten der kommunistischen Partei tätig zu sein.

23. November 1931 - Salzburger Chronik - S. 4


Besonderen Dank an Friedbert Mühldorfer vom VVN/BdA Traunstein.